Multiresistente Keime im Wasser

Supererreger aus Indien: Das Ende der Antibiotika?

Antibiotika verlieren zunehmend an Wirkung. Weltweit verzweifeln Mediziner an immer neuen Supererregern. In Indien machten Forscher und Journalisten nun schockierende Entdeckungen.

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Superrereger

Hier hilft kein Anitbiotikum mehr: Forscher kämpfen gegen immer resistentere Keime.

Woher kommen die Supererreger, die gegen einen großen Teil der Antibiotika immun sind? Dieser Frage gehen führende Infektionsmediziner nach, die sich bei der Behandlung ihrer Patienten immer häufiger mit den multiresistenten Keimen konfrontiert sehen. Bereits seit 2015 weiß man: Die meisten dieser Erreger kommen aus dem Ausland nach Europa. Besonders Indien steht diesbezüglich im Fokus: Mehr als 70 % der Menschen, die nach Indien gereist waren, waren nach ihrer Rückkehr Träger der gefährlichen Bakterien. Aber wieso gerade Indien? Um das herauszufinden, reisten Leipziger Forscher gemeinsam mit einem Journalisten-Team zu Gewässern nahe der Indischen Metropole Hyderabad.
Hyderabad

Hyderabad: Die Metropole gibt als Pharma-Hauptstadt Indiens. Mehr als 200 Produzenten stellen hier Medikamente für den Weltmarkt her.

Die stärkste, jemals gemessene Belastung

Rund um Hyderabad sind große Pharmafabriken stationiert, die den Weltmarkt mit Antibiotika beliefern. Die Analyse der dort genommenen Wasserproben schockierte die Wissenschaftler. Die ausführlich im Fachmagazin „Infection" veröffentlichten Daten übertreffen die schlimmsten Vorahnungen: In einem Großteil der Proben wurden multiresistente Erreger nachgewiesen. Auch Antibiotika und andere Medikamente fanden die Wissenschaftlern an nahezu allen Untersuchungsstandorten. Die Konzentration des Antipilzmittels Fluconazol war im Wasser um ein zwanzigfaches Höher, als es schwerkranke Menschen im Blut haben dürfen. Es ist der höchste Wert, der jemals bei einem Medikament in der Umwelt gemessen wurde! Die Belastungswerte lagen in Teilen hundertfach bis viele tausend Male über den empfohlenen Grenzwerten.

Die tödliche Gefahr der Supererreger

Je häufiger Bakterien auf ein Antibiotikum treffen, desto wahrscheinlicher entwickeln sie Abwehrmechanismen – multiresistente Versionen entstehen. Mit eklatanten Folgen: Denn wenn Ärzte erkennen, dass das verschriebene Antibiotikum nicht wirkt, ist es oft schon zu spät: Die Erreger breiteten sich weiter im Körper aus, mit oftmals tödlichen Folgen. Weltweit sterben jährlich etwa 700.000 Menschen an Erkrankungen durch schwer behandelbare Supererreger. Gegen einige dieser multiresistenten Keime sind nach Schätzungen führender Wissenschaftler nur noch ein bis zwei der bekannten Antibiotika wirksam. Entstünden auch hier Resistenzen, könnte es das Ende des Antibiotika-Einsatzes bedeuten. Bei Blutvergiftungen, Chemotherapien oder bakteriellen Infektionen müssen sich die Ärzte dann auf neue Behandlungswege einstellen. Die 45-minütige Dokumentation „Der unsichtbare Feind – Tödliche Supererreger aus Pharmafabriken”, die das Team bei den Forschungen vor Ort zeigt, ist in der ARD-Mediathek abrufbar.

Tote im Universitätsklinikum Frankfurt

Selbst in Deutschland ist man vor Superkeimen nicht sicher. Anfang Mai 2017 kamen fünf Patienten der Frankfurter Universitätsklinik mit dem Erreger Klebsiella pneumoniae 4-MRGN in Kontakt. Drei starben, nach Klinikangaben allerdings an den Folgen der jeweils ursprünglichen Erkrankung. Teile des Klinikgebäudes wurden nach dem Erregerbefall geschlossen, da Klebsiella pneumoniae 4-MRGN die Desinfektion übersteht. Klebsiella pneumoniae gehört zu den normalen Bewohnern des Magen-Darm-Traktes im Menschen – an anderen Stellen im Körper kann er aber schwerwiegende Infektionen auslösen. Wie der Superkeim in die Klinik kam, bleibt unklar: Vermutungen, dass einer der Patienten in einem Frankfurter Bach in Kontakt mit der Klebsiella pneumoniae kam, sind Bestandteil der Untersuchung. Superkeime sind in Krankenhäusern keine Seltenheit: Jedes Jahr sterben Tausende an Krankenhausinfektionen. Man kann aber einen Teil dazu beitragen, sich selbst zu schützen: Durch regelmäßiges Händewaschen verhindern Sie, dass Sie Keime aufnehmen und verteilen.

Desinfektionsmittel

Erik J. Schulze

von

Technologie ist meine große Leidenschaft. Auf eVivam finde ich heraus, welche Trends es in der Welt des vernetzten Lebens gibt.