High im hohen Alter

Studie: Wirkt Cannabis gegen Demenz?

Junge Menschen tragen teils langfristige Schäden vom Cannabis-Konsum davon – doch alte Hirne macht der Wirkstoff THC eventuell wieder fit, wie Forscher herausfanden. Bei Mäusen steigerte ein Dauerhigh die Leistung, Tests am Menschen sind geplant.

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Alter Mann raucht Joint

Gesteigerte Hirnleistung: Mediziner wollen THC zur Behandlung von Demenzerkrankungen einsetzen.

„Kiffen hat niemanden umgebracht. Nur müssen Leute wissen, es hat schon einige dumm gemacht!” – das stellt der Hamburger Rapper Samy Deluxe in einem seiner Texte fest. Und tatsächlich: Bei kiffenden Jugendlichen kommt es unter Umständen zu langfristigen gesundheitliche Folgen. Selbst wenn man bereits wusste, dass Cannabis durchaus auch positive Eigenschaften hat, folgte jetzt die Überraschung: Betagteren Konsumenten hilft das Gras wohlmöglich sogar bei der Denkleistung. Wissenschaftler der Uniklinik Bonn veröffentlichten im Fachmagazin „Nature Medicine” die Ergebnisse ihrer Studie, der zufolge sich Cannabis positiv auf die Leistungsfähigkeit älterer Gehirne auswirkt.

Leichtes Dauerhigh steigert die Leistung

Im Kern der Forschungen der Wissenschaftler stand das Endocannabinoidsystem: ein Teil des Nervensystems, das offenbar mit nachlassender Leistung auch für diverse Alterungsprozesse im menschlichen Körper verantwortlich ist. Dieses System wollten die Forscher mit einem Cannabiswirkstoff stimulieren. In der aktuellen Studie verglich man dafür junge, erwachsene und alte Mäuse miteinander. In niedriger, aber konstanter Dosis injizierte man den Versuchstieren eine Form des Cannabis-Wirkstoffs THC (Tetrahydrocannabinol). Anschließend prüften die Wissenschaftler anhand verschiedener Lerntests die Leistungsfähigkeit der Nager. In den Übungen erkannten Mäuse Veränderungen in ihrer Umgebung oder entdeckten farbige Legosteine wieder. Diese Ergebnisse verblüfften die Forscher: Eineinhalb Jahre alte – und somit schon greise – Mäuse lösten die Aufgaben genau so schnell wie nüchterne und junge Tiere.
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Cannabis-Studie mit Menschen geplant

Auch auf molekularer Ebene und bei der Bildung von Synapsen ähnelten die alten Mäusehirne nach der Cannabis-Kur denen ihrer jungen Artgenossen. Doch man wolle nicht Tiere, sondern Menschen heilen, so die Forscher – weshalb sie planen, innerhalb eines Jahres Studien mit menschlichen Patienten zu starten. Im Fokus stehen dann Menschen mit Alters- oder Alzheimer-Demenz. Die Erfolgsaussichten seien gut: Viele an Tieren beobachtete Effekte des Cannabis-Konsums treten ebenso bei Menschen auf. Im Falle eines Erfolgs sollen entsprechende, strikt kontrollierte Medikamente auf den Markt kommen. Eine Revolution wäre der Verkauf von THC-haltigen Medikamenten in Deutschland aber nicht: Bereits seit März gibt es hierzulande Cannabis auf Rezept.

Galerie: Hanf als Nutzpflanze: Produkte aus Hanf

Erik J. Schulze

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Technologie ist meine große Leidenschaft. Auf eVivam finde ich heraus, welche Trends es in der Welt des vernetzten Lebens gibt.

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