Spermaventil so groß wie Gummibärchen

Schalter umlegen statt Verhüterli aufziehen

Ein ehemaliger Tischler namens Clemens Bimek will die Verhütungsmethodik des Mannes sicherer und einfacher gestalten. Mehr als ein Absperrventil sei nicht nötig, so der Erfinder.

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Bimek SLV Ventil

Das Samenleiterventil Bimek SLV hat die Größe eines Gummibärchens.

Noch ist das Ventil medizinisch nicht zugelassen. Das Patent hierzu hält Clemens Bimek seit 1999 in seinen Händen.

Absperrvorrichtung zur Kontrazeption zur Anwendung beim Mann

So nennt sich sein Patent, das er beim Berliner Patentamt angemeldet hatte, an dem er jeden Tag zu seiner Arbeit als Möbeltischlermeister vorbeifuhr. Sowohl sein Werdegang als auch seine Idee sind in der Tat ungewöhnlich. Nicht jeder wird vom Tischler zum medizinischen Patentinhaber. Wie er auf die Idee kam? Er hatte 1998 im Fernsehen einen Beitrag zur Anatomie des Mannes gesehen, wo auch die Vasektomie zur Sprache kam. Darunter versteht man die Durchtrennung der Samenleiter des Hodens, um die Zeugungsfähigkeit des Mannes zu unterbinden. Bimek dachte sich, warum nicht ein Ventil nutzen, das man beliebig ein- und ausschalten kann, um den Samenfluss zu unterbinden? Gedacht, gesagt und getan! Er überlegte sich eine Vorrichtung und meldete diese 1999 schließlich an.
Bei der vorgenannten Vorrichtung handelt es sich um eine Art Ventil, welches als Implantat paarweise in den aus den Epididymis (Nebenhoden) entspringenden Ductus deferens (Samenleiter) eingesetzt wird, um den natürlichen Durchfluss der Spermaflüssigkeit während der Ejakulation zu verhindern. Dieses Ventil ist derartig ausgebildet, dass es von außen durch das Scrotum (Hodensack) ertastet und mit einem einfachen Dreh nach Wunsch geöffnet oder geschlossen werden kann.

Das Sperrventil

Schemazeichnung des Sperrventils

Das Sperrventil hat einen Kipp- und einen Sicherheitsschalter.

Das Sperrventil wird an beiden Samenleitern angebracht. Vielfach wurde in bisherigen Presseberichten der Eindruck erweckt, es handele sich um keine Vasektomie, was so nicht richtig ist. Die Samenleiter werden auch hierbei zunächst durchtrennt und dann am Ventil befestigt.
Anschließend kann man den Schalter im Hodensack ertasten und umlegen. Achtung! Das bedeutet nicht eine umgehende Unfruchtbarkeit. Wie bei der Vasektomie auch sollte man sich nach rund 30 Samenergüssen sicher sein, keine Zusatzverhütung mehr benutzen zu müssen (wir sprechen hierbei nicht von gesundheitlichen Risiken wie AIDS). Das Entsperren des Ventils gelingt nur, wenn man gleichzeitig den Sicherheitsschalter drückt. Korrekt: Zartbesaitete sollten bei Aufkommen eines mulmigen Gefühls – wenn man sich diese Prozedur vor Augen hält – lieber die Finger davon lassen. Auf der anderen Seite ist die Vorstellung durchaus amüsant.

Risiken und Ausblick

Wir können zunächst angesichts der Ausdauer von Clemens Bimek nur den Hut ziehen. Ob es sich medizinisch bewährt, das müssen die Zulassungsprozesse zeigen. Es steht nicht fest, ob die Verhütung sicher ist (die klassische Vasektomie weist einen Pearl-Index von 0,1, auf: im Verlauf eines Jahres entsteht bei einem von 1000 Paaren mit Geschlechtsverkehr eine unerwünschte Schwangerschaft), wie riskant der operative Eingriff ist, ob es zu Komplikationen nach dem Eingriff kommt, wie der tatsächliche Tragekomfort aussieht, ob die Fruchtbarkeit des Mannes ohne Weiteres erhalten bleibt, wie hoch die Kosten des Eingriffs und des Ventils sind, auch im Vergleich zu den Kosten einer herkömmlichen Vasektomie und einer Vasovasostomie (dem operativen Rückeingriff, da eine Durchtrennung der Samenleiter eben nicht zwingend bedeutet, dass der Eingriff unumkehrbar ist). Auf der Homepage des Erfinders finden sich zahlreiche Fragen und Antworten für Interessierte.
Grundsätzlich hat die Idee einen gewissen Charme, zumal Frauen bisher die chemische Hauptlast der Verhütung tragen mussten und weiterhin müssen. Sollte die Erfindung Hand und Fuß in der Praxis haben, stehen wir tatsächlich vor einer kleinen Revolution.
Robert Basic

von

Seine Passion sind Menschen, sein Antrieb ist die Neugier.

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