Gesunde Urlaubsfarbe

Braun ohne Sonne? Neue Substanz schützt vor Hautkrebs

Sonnenbaden ist schön, aber auch gefährlich, wenn Sie die Haut nicht ausreichend schützen: Es drohen Hautkrebs und Hautalterung. Ein neuer Wirkstoff soll beides verhindern.

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Frau beim Sonnenbaden

Kann man künftig auch ohne Sonnenbaden knackig braun werden? Ein neues Mittel verspricht dies!

Bräune ohne Sonne und UV-Strahlung? Das klingt für viele verlockend. Denn dass zu intensives Sonnenbaden ohne ausreichenden Sonnenschutz Hautkrebs verursacht, weiß eigentlich jeder. Trotzdem brutzeln viele stundenlang in der glühenden Sonne und entwickeln die Farbe einer Tomate. Zu viel UV-Strahlung schädigt das Erbgut der Zellen. Das führt dazu, dass das körpereigene Reparaturprogramm versagt, die Schäden sich häufen und sich die Zellen ungebremst teilen – Hautkrebs entsteht. Besonders gefährlich ist der aggressive schwarze Hautkrebs, das maligne Melanom, weil er schnell wächst und Krebszellen in andere Organe streut. Sonnenbaden erhöht nicht nur die Gefahr für Hautkrebs, sondern lässt auch die Haut alt aussehen. Sonnenhungrige sind zwar braun, haben aber tiefe Runzeln in der Haut. Jetzt entwickelten US-Forscher vom Massachusetts General Hospital (MGH) und Dana-Farber Cancer Institute eine neue Substanz, die vielleicht beides gleichzeitig verhindert: Hautkrebs und die Hautalterung. Ihre Ergebnisse veröffentlichen Sie in der Zeitschrift "Cell Reports" (13 Juni 2017)

Galerie: Schutz vor zu viel Sonne und Sonnenbrand

Sonnenbaden ohne Ende? Wirkstoff kurbelt Melaninproduktion an

Der neue Stoff heißt „Salt-Inducible-Kinase-Inhibitor“ oder kurz SIK-Hemmer. Ganz allgemein beschleunigen Enzyme bestimmte Prozesse im Körper wie ein Katalysator. Dieser SIK-Hemmer spielt bei der Produktion des Pigments Melanin eine wichtige Rolle. Die Pigmentzellen der Haut (Melanozyten) stellen den Farbstoff normalerweise mit Hilfe des UV-Lichts her. Das Pigment verleiht der Haut ihre Bräune und schützt sie so vor Sonnenbrand. Die Idee: Man reibt sich mit der Creme ein und die winzigen Wirkstoffmoleküle dringen tief in die Haut ein. Sie regen die Haut dazu an, dunkles Melanin zu produzieren – ohne, dass ein Mensch ein Sonnenbad nimmt.
Im Labor behandelten die Forscher menschliche Hautzellen mit dem neuen Wirkstoff, mit einer Kontrollsubstanz und einem SIK-Inhibitor, der weniger tief in die Haut eindringt. Die neue Substanz führte zu einer deutlich höheren Pigmentbildung als beim Kontrollmittel und dem herkömmlichen SIK-Hemmer, welche die Melaninproduktion kaum beeinflussten. Selbst für besonders sonnempfindliche Menschen mit rotem Haar und sehr heller Haut, die kein Melanin produzieren, ist der neue Wirkstoff möglicherweise nützlich: Im Tierversuch mit rothaarigen Mäuse gelang es den Forschern, die Bildung des dunklen Melanin-Pigments anzukurbeln.

Schutz vor Hautalterung beim Sonnenbaden

Die Forscher machten aber noch eine weitere positive Wirkung auf die Haut aus, nämlich dass sie eventuell länger jung bleibt. Wenn das künstlich erzeugte Melanin vor UV-Strahlung schützt, ließe es sich vielleicht auch in Kosmetikprodukten einsetzen, um der Hautalterung durch das Sonnenbaden entgegenzuwirken, so die Wissenschaftler. Als nächstes kombinierten sie ihren neuen Wirkstoff mit einer Sonnencreme, um den Schutzeffekt für die Haut weiter zu erhöhen. Allerdings sind die Ergebnisse noch mit Vorsicht zu genießen, denn erst weitere Studien werden zeigen, ob der Schutz vor Hautkrebs und Hautalterung mit der Creme tatsächlich gelingt. Dennoch sind die Forscher optimistisch. Vielleicht tun sich so neue Wege auf, um lichtbedingten Hautschäden und Hautkrebs vorzubeugen.

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Heller Hauttyp: höheres Hautkrebsrisiko, schnelle Hautalterung

Das Risiko für Hautkrebs hängt nicht nur vom intensiven Sonnenbaden und häufigen Sonnenbränden ab, sondern auch der Hauttyp spielt eine Rolle. Mediziner unterscheiden insgesamt vier Hauttypen. Die hellen Hauttypen I und II sind besonders gefährdet, Hautkrebs zu entwickeln. Menschen mit Hauttyp I haben auffallend helle Haut, Sommersprossen, blaue oder grüne Augen und oft rötliche Haare. Etwa zwei Prozent der Deutschen besitzen diesen Hauttyp. Sie sind extrem sonnenempfindlich, werden nicht braun und ein ausreichender Sonnenschutz ist für sie besonders wichtig ist. Ohne diesen dürfen sie nur fünf bis zehn Minuten in der Sonne bleiben – dann droht ein Sonnenbrand. Die vorzeitige Hautalterung setzt nach zwei bis sieben Minuten ein.
Menschen mit Hauttyp II sind meist blond und haben graue, blaue oder grüne Augen. Etwa zwölf Prozent der Deutschen fallen darunter. Die Sonne setzt ihnen schnell zu und sie werden nur mäßig braun. Ohne Sonnenschutz dürfen sie zehn bis 20 Minuten in der Sonne bleiben. Längeres Sonnenbaden bedeutet: Sonnenbrand! Die vorzeitige Hautalterung beginnt schon nach sieben bis 14 Minuten.

Sonnenschutz-Mittel

Ingrid Müller

von

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