Schnell, kostengünstig und nicht-invasiv

Sniffphone: Smartphone soll bösartige Krankheiten erschnüffeln

Noch ist es eine Vision: Das Sniffphone diagnostiziert in wenigen Sekunden per Atemanalyse schwere Krankheiten, die sonst nur per aufwändigen Untersuchungen oder gar OPs zu entdecken sind.

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Sniffphone

Einmal ausatmen bitte: Das Sniffphone soll beispielsweise bei Krebsuntersuchungen zum Einsatz kommen.

Das Schnüffelhandy Sniffphone soll durch Mikro- und Nanosensoren den menschlichen Atem lesen, um mithilfe einer speziellen Software lebensbedrohliche Krankheiten zu diagnostizieren. Das neue Verfahren ist nach Angaben der Entwickler schnell, kostengünstig und ohne operativen Eingriff für den Menschen möglich, nicht-invasiv also.

In multinationaler Zusammenarbeit

Das Forscherteam des israelischen Instituts für Technologie „Technion“ arbeitet zur Sniffphone-Entwicklung mit Siemens sowie Forschungsinstituten aus Deutschland, Österreich, Finnland, Irland, Lettland und einem israelischen Unternehmen namens NanoVation-GS zusammen. Die Atemgasanalyse wird am Technion seit 2006 unter dem Namen „electronic nose“ (auf Deutsch: elektronische Nase) unter Leitung von Professor Hossam Haick stetig weiterentwickelt. Haick: „Das Sniffphone wird eine unmittelbare und frühe Diagnose ermöglichen: ohne Fehler und invasive Eingriffe. Frühe Diagnosen können Leben retten. Das gilt besonders für lebensbedrohliche Krankheiten wie Krebs.“

Testverfahren muss Sicherheit bieten

Doch wie sicher kann so ein Testverfahren für Patienten mit unterschiedlichen Diagnosen und entsprechend verschiedenen Prognosen sein? Dr. Kaid Darwiche, Leiter der Bronchoskopischen Ambulanz an der Ruhrlandklinik des Universitätsklinikums Essen, sieht das Sniffphone zum jetzigen Zeitpunkt kritisch: „Jedes Testverfahren muss ein höchstes Maß an Sicherheit bieten. Ein falscher Alarm führt zu unnötiger Diagnostik und kann schädlich sein. Nutzer sind dann zudem extrem verunsichert, wenn der Verdacht Lungenkrebs besteht. Gibt die App ein normales Atemsignal, könnte es Menschen dazu führen, weiterzurauchen, obwohl sie eigentlich aufhören wollten. Auch hierdurch kann ein Schaden entstehen. Gäbe es einen Atemlufttest, der eine annähernd 100 prozentige Genauigkeit hätte, wäre so eine App eine tolle Sache. Allerdings sind wir hiervon noch meilenweit entfernt."

Das Wissenschaftskonsortium in Israel erhält zur weiteren Erforschung der electronic nose nach eigenen Angaben sechs Millionen Euro von der EU-Kommission. Informationen zum Marktstart, zur Produktgestaltung und zur Krankheitsspezifikation gibt es noch nicht.

Atemgasanalyse: Anwendung bei Lungenkrebs

Bestimmte Krankheiten lassen sich an Geruchsveränderungen des Ausatems erkennen. Dazu zählt auch Lungenkrebs. Konkret können flüchtige organische Substanzen in der Ausatemluft von Lungenkrebspatienten ein spezielles Muster erzeugen. Nach Angaben des Krebsinformationsdienstes erkrankten im Jahr 2010 in Deutschland etwa 35.000 Männer und 17.000 Frauen an Lungenkrebs. Insgesamt ist Lungenkrebs damit die vierthäufigste Krebserkrankung. Für das Jahr 2014 rechnen die Krebsregister in Deutschland mit 36.000 neu erkrankten Männern und 19.600 neu erkrankten Frauen.
Wibke Roth

von

Wenn ich Texte verfasse, erfasse ich die Welt. Wenn ich laufe, erlebe ich sie. Ich arbeite als freischaffende Journalistin und Texterin sowie Fitness-, Reha- und Yoga-Trainerin im Herzen des Ruhrgebiets, oder manchmal auch auf Mallorca.

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