Wissenschaftler entfernen Virus

Sensation in der HIV-Forschung: Ist das der Durchbruch?

Vor Jahren galt eine Infektion mit HIV noch als Todesurteil. Doch schon lange können Infizierte ein nahezu uneingeschränktes Leben führen. Medizinern ist es nun sogar gelungen, das Virus aus befallenen Zellen herauszuschneiden.

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HIV im Organismus

Bisher galt: Einmal infiziert, bleibt das HI-Virus für immer im Körper. Wissenschaftler konnten es jetzt eliminieren.

HIV ist nicht heilbar. Noch nicht. Klar, die Lebenserwartung betroffener Menschen ist dank moderner Medizin kaum noch verkürzt – und bei richtiger Behandlung kann das Virus nicht einmal mehr weitergegeben werden. Dennoch: HIV ist nicht heilbar. Und noch immer ein Tabuthema, über das wenig öffentlich gesprochen wird. Mehr als 28.000 Menschen sind seit dem ersten Bekanntwerden der Krankheit in Deutschland an den Folgen gestorben. 2015 waren es nach Schätzungen des Robert Koch Instituts 460.

Für immer im Körper?

Bereits infizierte Menschen haben keine Möglichkeit, die Krankheit des Immunsystems wieder loszuwerden. Um die lebenslange Einnahme von Medikamenten kommt kein Patient herum. Denn das HI-Virus versteckt sich in der DNA von Helferzellen, die Viren eigentlich zerstören sollen – und vermehren sich dort, bis das Immunsystem in sich zerfällt. Auch bei Einnahme der bestehenden Medikamente bleibt HIV im Körper – und verbreitet sich erneut, sobald die Therapie unterbrochen wird.

Sensation: Lebende Tiere geheilt

Doch es gibt Hoffnung: Wissenschaftlern der Lewis Katz School der Temple University in Philadelphia ist es in Tests mit Mäusen gelungen, befallene Zellen einfach herauszuschneiden. Mithilfe eines unschädlichen Helfer-Virus wird das sogenannte CRISPR/Cas9-System in den Organismus des Patienten eingesetzt. Mit dieser Kombination finden, verändern und beschneiden die Wissenschaftler befallene DNA so, dass von dem Virus so gut wie nichts mehr übrig bleibt. Sowohl bei schlummernden, als auch bei aktiven HIV-Infektionen konnte man bei den Mäusen einen Erfolg vermelden.

Das Ende von HIV, Herpes & Co.?

Mit dieser Methode sagen die Wissenschaftler neben HIV auch anderen, latent im Körper schlummernden Krankheit den Kampf an. Selbst die nervigen Herpesblässchen sind bei erfolgreichen Entwicklungen bald Geschichte. Bis dahin stehen aber noch einige Studien an: Die Forscher planen bereits Versuche mit Primaten, die dem Menschen biologisch deutlich näher liegen. Und klinische Studien mit menschlichen Patienten sind bereits absehbar: Wenn alles klappt, geht es schon 2020 los.
Blaue Tablette: PrEP

Blaue Pille für mehr Sicherheit beim ungeschützten Sex: PrEP kostet in Deutschland monatlich 800 Euro. In Frankreich, Schottland oder Norwegen tragen Krankenkassen die Kosten.

Sicherheit geht vor

HIV kann jeden erwischen. Besonders betroffen sind allerdings Männer, die mit Männern Sex haben. Die Infektionsrate liegt hier fünffach über dem Wert ungeschützter, heterosexueller Kontakte. Vorbeugende Medikamente, wie das in Deutschland stiefmütterlich behandelte PrEP, sollen so zuverlässig wie Kondome vor Neuinfektionen schützen. Den Preis der Tabletten, 800 Euro monatlich, stemmen die Anwender allerdings selbst. Als einziges Verhütungsmittel, das außerdem vor Geschlechtskrankheiten wie Syphilis & Co. schützt, bleibt das vergleichsweise kostengünstige Kondom. Und das wird immer inkonsequenter verwendet: Geschlechtskrankheiten nehmen in Deutschland wieder zu. Immerhin: Musste man für einen HIV-Test bisher zum Arzt, könnte es nach Angaben des Gesundheitsministeriums schon bald den Schnelltest für zu Hause geben. So gehen auch Menschen auf Nummer sicher, die aus Scham oder Angst nicht zum Arzt gehen.

Kondome

Erik J. Schulze

von

Technologie ist meine große Leidenschaft. Auf eVivam finde ich heraus, welche Trends es in der Welt des vernetzten Lebens gibt.

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