Immunsystem auf Trab

Schwarzer Hautkrebs: Impfung mit Erfolg

Schwarzer Hautkrebs ist äußerst gefährlich, weil er schnell wächst und in andere Organe streut. Deutsche Forscher testeten nun eine Impfung als Therapie gegen das maligne Melanom.

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Frau mit Muttermal im Gesicht

Schwarzer Hautkrebs: Eine Impfung als Therapie lässt Melanom-Patienten länger leben

Schwarzer Hautkrebs ist eine tödliche Gefahr! Das maligne Melanom ist äußerst aggressiv, streut schnell und bildet früh Metastasen in anderen Organen, etwa der Lunge, Leber, dem Gehirn oder den Knochen. In diesem Stadium ist das Melanom nicht mehr heilbar. Entdecken Ärzte den schwarzen Hautkrebs rechtzeitig, stehen die Heilungschancen aber gut, auch dank neuer Behandlungen wie der Immuntherapie. Jetzt testeten Wissenschaftler am Universitätsklinikum Erlangen einen neuen therapeutischen Ansatz gegen schwarzen Hautkrebs: einen Impfstoff. Mit Erfolg, wie die Ärzte der Hautklinik berichten. Die Impfung macht bestimmte Abwehrzellen im Körper scharf, sodass sie die Krebszellen aufspüren und angreifen.

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Schwarzer Hautkrebs: So funktioniert der therapeutische Impfstoff

In einer Langzeitstudie testeten sie den immunologischen Impfstoff. Eingesetzt wurden sogenannte dendritische Zellen, welche die Immunantwort im Körper steuern und bestimmte Immunzellen, die T-Lymphozyten, aktivieren. Diese T-Killerzellen bekämpfen eingedrungene Erreger, aber auch Krebszellen im Körper, daher auch der Name.
Teilnehmer der Untersuchung waren 53 Melanom-Patienten, deren Hautkrebs schon weit fortgeschritten war und Metastasen gebildet hatte. Mit Hilfe einer speziellen Technik entnahmen die Ärzte größere Mengen an dendritischen Zellen aus dem Blut der Patienten und markierten sie mit speziellen Erkennungsmerkmalen. Auf der Oberfläche der dendritischen Zellen platzierten sie winzige Bruchstücke von Keimen oder Tumorzellen. Die T-Killerzellen sind in der Lage, diese zu erkennen. Sie werden aktiv, vermehren sich massiv, breiten sich über den Blutstrom aus und spüren ihre Feinde auf, also die Erreger oder Krebszellen.

Hohe Überlebensrate, geringe Nebenwirkungen bei Melanom

Über einen Zeitraum von zwei Jahren impften die Wissenschaftler die Melanom-Patienten zehnmal mit jeweils rund 72 Millionen dendritischen Zellen. Schlug die Krebsimpfung an, führten sie diese in sechsmonatigen Abständen fort. Die Ergebnisse stimmen die Mediziner optimistisch: Von den 53 geimpften Patienten mit metastasierenden Melanomen lebten zwölf Jahre später noch rund ein Fünftel (19 Prozent). Diese Überlebensrate ist mit jener der Immuntherapie vergleichbar. Das seit 2011 zugelassene Medikament Ipilimumab erzielt ähnliche Erfolge. Allerdings hätten die Erlanger Melanom-Patienten deutlich geringere Nebenwirkungen entwickelt, so die Forscher. Sie beschränkten sich überwiegend auf Reaktion der Haut.
Dass die Patienten gut auf die Krebs-Impfung ansprachen, machten die Forscher an folgenden Punkten fest: Sie wiesen spezielle weiße Blutkörperchen nach und die Haut an der Injektionsstelle schwoll aufgrund der aktivierten T-Zellen an.

Diese Behandlungen halten schwarzen Hautkrebs in Schach

Ziel der Forscher ist es jetzt, die Impfung gegen schwarzen Hautkrebs mit anderen Krebstherapien zu verbinden, die das Immunsystem aktivieren. Diese setzen nicht an den Krebszellen selbst, sondern am Immunsystem an und bringen es so auf Touren, dass es sich selbst gegen die Tumorzellen zur Wehr setzt. Auch geht es darum, die manchmal heftigen Nebenwirkungen aufgrund der Immunreaktion zu reduzieren. Die Immuntherapie verursacht Hautausschläge, körperliche Schwäche, schwere Entzündungen von Herz und Gehirn bis hin zu lebensbedrohlichen Darmdurchbrüchen. Derzeit sind drei Immuntherapeutika gegen schwarzen Hautkrebs zugelassen: Ipilimumab, Pembrolizumab und Nivolumab.
Schwarzer Hautkrebs wird heute – je nach Stadium und Ausbreitung – mittels Operation, Chemotherapie und Bestrahlung behandelt. Erfolge versprechen – neben der Immuntherapie – auch neuere Behandlungen wie zielgerichtete Medikamente, welche die Krebszellen punktgenau attackieren.

Malignes Melanom ist weltweit auf dem Vormarsch

Schwarzer Hautkrebs trifft weltweit immer mehr Menschen. Vor allem junge Frauen erkranken gehäuft. Ärzte führen dies auf häufige Solarienbesuche und ein verändertes Freizeitverhalten zurück. In Deutschland erhielten im Jahr 2013 rund 10.500 Frauen und 10.900 Männer die Diagnose „schwarzer Hautkrebs“. Im Schnitt sind Frauen bei der Melanom-Diagnose 59 und Männer 64 Jahre alt.
Die Überlebensraten sind in den letzten Jahren aufgrund verbesserter Früherkennung (Hautkrebsscreening!) und Therapien enorm gestiegen: In Deutschland leben heute fünf Jahre nach der Diagnose "„schwarzer Hautkrebs"“ noch 94 Prozent der Frauen und 91 Prozent der Männer.

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Hautkrebs vorbeugen? Raus aus der Sonne!

Der wichtigste Risikofaktor für schwarzen Hautkrebs, aber auch für den weißen (hellen) Hautkrebs mit Basaliom und Spinaliom, ist die UV-Strahlung aus der Sonne. Auch die künstliche Sonne der Solarien kann übrigens Hautkrebs verursachen. Daneben begünstigen ein heller Hauttyp, die Anzahl und Größe vorhandener Muttermale und manchmal auch die Gene schwarzen Hautkrebs. Das maligne Melanom kommt in einigen Familien öfters vor. Wichtig ist die Hautkrebs-Früherkennung, zum Beispiel das Hautkrebsscreening. Seit 2008 haben alle gesetzlich Versicherten ab 35 Jahre alle zwei Jahre einen Anspruch darauf.

Sonnenschutz-Mittel

Ingrid Müller

von

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