Bis zu 83 % höhere Infarkt-Wahrscheinlichkeit

Schmerztabletten erhöhen das Herzinfarktrisiko

Der Griff zur Schmerztablette ist oft schon Gewohnheit. Kann ja eigentlich nicht schaden, oder? Kann doch! Die enthaltenen Wirkstoffe stehen im Verdacht Herzprobleme zu verursachen.

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Schmerzmittel sind schon in kleinen Mengen gefährlich

Selbst alltägliche Mengen Schmerztabletten (nicht im Bild) können negative Auswirkungen aufs Herz haben.

Wir alle kennen das: Die Kopfschmerzen kommen immer genau dann, wenn man sie am wenigsten braucht. Also greifen wir schnell zur Schmerztablette. So eine kleine Pille schadet ja nicht – zumal man sie frei in der Apotheke bekommt. Ein gefährlicher Trugschluss. Denn selbst kleine Mengen Schmerzmittel können das Herzinfarktrisiko erhöhen. Zu diesem Schluss kommt eine groß angelegte Studie, die nun im Fachmagazin „BMJ“ veröffentlicht wurde.

Rezeptfreie Schmerzmittel sind nicht unbedenklich

Ibuprofen, Diclofenac, Celecoxib oder auch Naproxen (z.B. in Dolormin) werden gerne bei Erkältungsbeschwerden und Schmerzen jeder Art genommen. In geringen Dosen gibt es sie frei in der Apotheke zu kaufen. Da muss man noch nicht einmal einen Arzt fragen. Praktisch, einfach, gut? Forscher des University of Montreal Hospital Research Centers zogen nun Daten von über 440.000 Kanadiern und Europäern heran und untersuchten die Korrelation zwischen Einnahme von Schmerzmitteln und Herzinfarkten. Das Ergebnis ist erschreckend: Wer die kleinen Pillen eine Woche auch nur in geringen Mengen schluckt, kann sein Herzinfarktrisiko damit um 50 % erhöhen. Laut World Health Organisation liegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen auf Platz 1 der Todesursachen weltweit. In Deutschland lässt sich jeder vierte Todesfall auf eine Herzerkrankung zurückführen.

Auswirkungen von Schmerztabletten

Wer auf Medikamente angewiesen ist und höhere Dosen Schmerzmittel zu sich nimmt, ist potentiell noch eher gefährdet. 750 mg Naproxen über einen Monat steigert die Wahrscheinlichkeit eines Herzinfarktes um 83 %! Die gute Nachricht: Nach einem bis zwölf Monaten sinkt das Risiko wieder um rund 11 %. Immerhin. Man darf allerdings nicht vergessen, dass es sich hierbei um Erhöhungswahrscheinlichkeiten handelt, die nicht unabhängig von anderen Risikofaktoren ist: Rauchen, Alkohol, Übergewicht – ein ungesunder Lebensstil kann weitaus schlimmere Konsequenzen haben, als die moderate Einnahme von Schmerzmitteln. Ob wir wirklich bei jedem kleinen Wehwehchen eine Pille schlucken, dass entscheidet jeder für sich selbst. Vielleicht aber mal den Beipackzettel lesen und zumindest darüber nachdenken und nicht gleich der Gewohnheit nachgeben – darauf könnten wir alle mehr achten ...

Galerie: Was bei Kopfschmerzen und Migräne hilft

Buch: „Vom Schmerz befreit“

Anja Schmidt

von

Redakteurin Connected World. Die 156 Apps auf meinem Smartphone nutze ich wirklich. Meine Schwäche: Gadgets und smarte Technik.

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