Deutschland liegt wach

Gesundheitsreport deckt auf: Schlafstörungen steigen bedenklich

80 Prozent aller deutschen Erwerbstätigen schlafen schlecht bis gar nicht, so der DAK-Gesundheitsreport 2017. eVivam fasst zusammen, was die Studie bedeutet, welche Ursachen Schlafmangel hat – und gibt Tipps für guten Schlaf.

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DAK-Gesundheitsreport: Schlafstörungen steigen

Immer mehr Deutsche haben Probleme beim Ein- und Durchschlafen, so der DAK-Gesundheitsreport.

Mehrere Millionen Versicherte und Tausende Erwerbstätige – sie bildeten die Basis des DAK-Gesundheitsreports 2017. Durchgeführt hat sie die DAK-Gesundheit, eine deutsche Krankenkasse, zusammen mit dem Institut für Gesundheits- und Sozialforschung (IGES). Gemeinsam haben sie die Daten von 2,6 Millionen Versicherten und die Aussagen von rund 5.200 erwerbstätigen Männern und Frauen zwischen 18 und 65 Jahren ausgewertet. Heraus kam ein beängstigendes Bild: 80 Prozent aller Berufstätigen leiden unter Schlafstörungen – hochgerechnet sind das über 32 Millionen Menschen in Deutschland. Dabei bezeichnet man mit „Schlafstörungen“ Verschiedenes: Ein- und Durchschlafprobleme, häufig auftretende Tagesmüdigkeit und Erschöpfung sowie allgemein schlechte Schlafqualität. Jeder Zehnte leidet sogar unter schwerer Schlaflosigkeit, sogenannter „Insomnie“.

DAK-Gesundheitsstudie: Schlafprobleme nehmen zu

Für ihre neuste Studie analysierte die DAK nicht nur die gesammelten Daten, sondern verglich sie zudem mit einer Umfrage aus dem Jahr 2010. Demnach ist die Anzahl der Berufstätigen mit Schlafproblemen seitdem um 66 Prozent gestiegen. Auch die Zahl der schweren Schlafstörungen hat um 60 Prozent zugenommen. Insgesamt litt durchschnittlich knapp jeder zehnte Arbeitnehmer 2016 an Insomnie. Bei Frauen liegt dieses Problem etwas höher als bei Männern: 11 versus 8 Prozent.

Ursachenforschung: Schlaflos durch Stress

Für die Experten der DAK liegen die Ursachen von Schlafstörungen in den meisten Fällen auf der Hand. Stress und Leistungsdruck, unregelmäßige Arbeitszeiten und ständige Erreichbarkeit – das bereitet vor allem Arbeitnehmern durchwachte Nächte. Allerdings sorgen viele Menschen auch selbst für ihre gestörten Träume: Fernseher, Tablets und Smartphones rückten den Schlaf in den Hintergrund, sodass die Erholung auf der Strecke bleibe. Es ist also wichtig, aus dem Schlafzimmer einen Ort der Erholung zu machen – wie, das erfährst du im verlinkten Artikel.
DAK Gesundheitsreport: Schlafstörungen nehmen dramatisch zu

Erschöpfung und Tagesmüdigkeit sind die Auswirkungen von Schlafstörungen.

Schlafstörungen lösen psychische Erkrankungen aus

Die Ursachen für wache Nächte sind soweit klar – unklar ist indes, welche möglichen Folgekrankheiten die Schlaflosigkeit mit sich bringt, vor allem, wenn sie chronisch ist. Denkbar, so die DAK, sei ein Zusammenhang mit psychischen Erkrankungen wie Depressionen oder Angstzuständen. Statistiken geben der DAK Recht: 2016 ist die Zahl der Fehltage durch psychische Erkrankungen gestiegen, sodass Letztere nun Platz zwei der häufigsten Ursachen für eine Krankschreibung belegen. Das sollte man weiter erforschen, zumal depressive Gefühle inzwischen als Volkskrankheit gelten – mehr dazu in unserem Artikel über Depressionen.

Auf der Arbeit steigen die Fehlzeiten

Solche Zahlen machen sich auch am Arbeitsplatz bemerkbar: Jeder Hundertste fehlt inzwischen vier Tage im Jahr aufgrund von Insomnie. Das klingt im ersten Moment nicht sonderlich hoch. Zum Vergleich: Beim Spitzenreiter in puncto Krankheitstage, nämlich Muskel-Skelett-Erkrankungen (darunter fallen beispielsweise Rückenschmerzen), fehlt jeder hundertste Deutsche durchschnittlich 319 Tage pro Jahr. Aber die Insomnie-Zahl gewinnt eine ganz andere Bedeutung, wen man weiß, dass es sich dabei um einen Anstieg um 70 Prozent gegenüber 2010 handelt!

Betroffene: Selbstmedikation statt Arztbesuch

Viele nehmen chronische Probleme beim Ein- oder Durchschlafen nicht ernst. Da sind zum einen die Arbeitnehmer, die solche Vorfälle immer noch stiefmütterlich behandelt. Zum anderen trifft es aber auch auf die Arbeitnehmer zu: Nur 4,8 Prozent der unter Schlafstörung Leidenden geht zum Arzt. Viel mehr Betroffen versuchen, sich selbst zu behandeln: 50 Prozent der Befragten gaben an, zur Selbstmedikation zu greifen. Statt eine Praxis aufzusuchen, gehen sie in eine Apotheke und holen sich rezeptfreie Schlafmittel, um ihre wachen Nächte in den Griff zu bekommen. Jeder Vierte nimmt bereits seit über drei Jahren Schlafmittel ein.

Galerie: Testergebnisse: Schlaf- und Wecker-Apps

Rezeptfreie Schlafmittel: Das Ende der Schlaflosigkeit?

Schlafmittel aus der Apotheke mögen helfen – aber Vorsicht: Es besteht das Risiko einer Abhängigkeit. Hinzu kommt die Gefahr einer Fehldosierung, die eventuell nicht unglimpflich verläuft. Dabei gibt es simple Tricks für einen gesunden Schlaf, die sich ausprobieren lassen – auch auf eVivam findest du Ratgeber dazu. Beispielsweise erfährst du, wie du Einschlafprobleme effektiv behebst – inklusive sechs Tipps für ruhigen Schlaf.

Hilfsmittel bei Schlaflosigkeit: Schlaf-Tracker & Co.

So wenig Menschen sich fachgerecht behandeln lassen, so wenig beobachten ihre Schlafstörungen: Gerade einmal 15 Prozent aller Betroffenen nehmen die Hilfe neuer Technologien in Anspruch, nur 1 Prozent nutzt ein Schlaftagebuch. Dabei gibt es heute diverse Möglichkeiten zur Beobachtung, etwa Schlaf-Apps oder -Tracker. Eine präzise Aufzeichnung ermöglicht eine genauere Analyse – und hilft so, eine Schlafstörung fachgerecht und zielgerichtet zu behandeln. Falls dich die neuen Technologien interessieren: Unsere Bildergalerie weiter oben zeigt Schlaf- und Wecker-Apps im Test. Vielleicht ist etwas für dich dabei?
PS: Der vollständige DAK-Gesundheitsreport lässt sich auf der Website der Krankenkasse nachlesen.

Schlaf-Tracker gefällig?

Alexander Scherb

von

Technik, Lifestyle und Natur sind meine Leidenschaften. Am besten in Kombination.

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