Hände durchleuchten

Rheuma-Diagnose per Handscanner

Mit einem Hand­scan­ner dia­gnos­ti­zie­ren Ärzte die Volks­krank­heit Rheu­ma leich­ter und schnel­ler. Er kom­bi­niert Ul­tra­schall mit Lasertechnik.

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Röntgenbild der Hand

Ein Röntgenbild zeigt den Zustand der Gelenke bei Rheuma - ein Handscanner könnte die Zukunft sein

Rheuma ist eine schmerzhafte Angelegenheit. Das Immunsystem zerstört bei rheumatoider Arthritis, die meist mit dem Begriff Rheuma gemeint ist, die Gelenke und Knorpel schrittweise. Forscher der niederländischen Universität Twente entwickelten jetzt einen Handscanner, der Rheuma frühzeitig aufspürt. Das Gerät kombiniert zwei Verfahren miteinander: den Ultraschall und die Fotoakustik. In ersten Tests zeigten sich deutliche Unterschiede zwischen gesunden und rheumatischen Fingern.

Rheuma-Diagnose mit Ultraschall und Laser

Für ihren Handscanner integrierten die Forscher Laserdioden in einen Ultraschallkopf. Der Ultraschall arbeitet mit Schallwellen, die Organe, Gewebe und Gelenke unterschiedlich stark reflektieren. Dieses Echo lässt sich auf der Haut messen und über Bilder auf dem Monitor sichtbar machen. Die Fotoakustik schickt dagegen Laserimpulse in den Körper und misst Geräusche, die durch Lichtabsorption zustande kommen. Sie erzeugt Aufnahmen, welche eher die Funktion einer Körperstruktur widerspiegeln, bei Gefäßen zum Beispiel den Blutfluss. Beide Technologien in einem Gerät lassen Fotos entstehen, die viel mehr Informationen liefern als herkömmliche Methoden zur Rheuma-Diagnose, zum Beispiel eine Röntgenaufnahme oder ein Ultraschall alleine.

Handscanner deckt Entzündungen bei Rheuma auf

Mit dem Kombi-Apparat aus Ultraschall und Fotoakustik untersuchten die Wissenschaftler Finger von Patienten mit und ohne rheumatische Entzündungen. Typisch bei Rheuma sind steife, geschwollene und schmerzende Gelenke, deren Ursache ein Angriff des körpereigenen Immunsystems ist; sie ist eine Autoimmunerkrankung. Der optische Unterschied zwischen gesunden und entzündeten Fingern sei unübersehbar gewesen, sagen die Forscher. Mit dem Gerät lassen sich die vielen zusätzlichen Blutgefäße, die sich bei Entzündungen bilden, gut sichtbar machen. Derzeit sei aber nur eine grobe Unterscheidung zwischen "„entzündet“" oder "nicht entzündet“" möglich. Der nächste Schritt besteht darin, auch feinere Entzündungsstufen zu erkennen. Daneben maßen die Forscher die Fließgeschwindigkeit des Blutes mit dem Handscanner. Neben der Anzahl der Blutgefäße sowie der Menge des transportierten Sauerstoffs und der Nährstoffe gibt sie zusätzliche Informationen über das Ausmaß der Entzündungen.
Rheumascanner

Lässt sich Rheuma bald mit einem Handscanner diagnostizieren?

Bei der Rheuma-Diagnose zählen die Augen des Doktors

Ärzte bestimmen mit dem Handscanner vielleicht in Zukunft einfacher und genauer, wie stark die Gelenke von Rheumapatienten angegriffen sind. Der Rheumatologe Hans Moens sagt: "Mit den aktuellen Techniken beurteilen die Augen des Doktors die Entzündung. Damit sind wir von der menschlichen Wahrnehmung abhängig. Mit Hilfe dieser Technologie können wir bald objektiv den Entzündungsgrad messen." Die Forscher prüfen zudem, ob sich der Apparat für die Diagnose anderer Erkrankungen eignet, zum Beispiel Hautkrebs, Brandwunden oder die Arterienverkalkung.

So macht sich Rheuma bemerkbar

Meist beginnen die Rheuma-Symptome in den kleinen Gelenken der Finger und Zehen. Sie schmerzen plötzlich, schwellen an und sind nur noch eingeschränkt beweglich aufgrund der Entzündungen. Morgens sind die Beschwerden am stärksten ausgeprägt: „Morgensteife“ oder „Morgensteifigkeit“ nennen Ärzte es, wenn Patienten ihre Finger nach dem Aufwachen kaum mehr bewegen können. Nach Wochen oder Monaten greift das Rheuma immer mehr Gelenke an. Nicht nur die Gelenke entzünden sich, sondern auch die Sehnenscheiden oder die Schleimbeutel.
Allein in Deutschland leiden rund 440.000 Menschen an rheumatoider Arthritis. Sie ist die häufigste entzündliche Erkrankung der Gelenke. Frauen sind dreimal so häufig betroffen wie Männer.
Ingrid Müller

von

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