Digitale Phobie im Gesundheitswesen

Online-Videosprechstunden werden kaum gefördert

Eine Beratung in der Praxis ist zwar persönlicher, dennoch befürworten Ärzte wie Patienten die Online-Videosprechstunde als mögliche Alternative. Ein Ausbau der Ressourcen geht aber nur schleppend voran.

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Videosprechstunde

Bei Patienten sehr gefragt, aber kaum angeboten: Sprechstunde per Videotelefonie.

Bereits 2015 führte die Bertelsmann-Stiftung eine Studie durch, aus der eine positive Einstellung zu Online-Videosprechstunden hervorging. Knapp die Hälfte aller Befragten gab an, dass sie diese Form der Sprechstunde nutzen würden. Auch Ärzte und Verbände sprechen sich dafür aus, unter anderem um den Kontakt zwischen kranken Patienten in Warteräumen zu minimieren. Aber auch, um einfache Prozeduren unter Aufsicht durchführen zu können ohne den Patienen in die Praxis holen zu müssen. Anerkennung und Bereitschaft sind also auf beiden Seiten vorhanden, zu einer tatsächlichen Förderung der Online-Sprechstunden kommt es jedoch nicht. Ein aktueller Beschluss zur Vergütung der Videosprechstunden zeigt, dass Bewertungsausschuss und Verbände noch unterschiedliche Ansichten haben.

Schlechte Vergütung

Die Bewertung der Videosprechstunden erfolgt nach einem Punktesystem, das Aufwand und Gewichtung der Beratung einschätzen soll. Aktuell wird die Online-Videosprechstunde kaum höher gewertet als eine telefonische Beratung, gerade einmal um einen Faktor von 1,6 mehr. Zudem begrenzt das System die Kapazitäten der möglichen Sprechstunden am Computer. Im Schnitt könnte jeder Praxisarzt so nur 17,5 mal pro Quartal einen Patienten per Video beraten. Das ist zu wenig, meint der Bundesverband Internetmedizin (BiM) e.V.

Alle elf Jahre eine Sprechstunde

Durch die Deckelung würde die Gesamtzahl der durchgeführten Videosprechstunden nur knapp ein Prozent aller Arztkontakte ausmachen. Bei durchschnittlich neun Arztbesuchen pro Jahr bedeutet das für jeden Patienten, dass er alle elf Jahre den Anspruch auf und die Möglichkeit für eine Online-Videosprechstunde hätte. Diese Zahlen sind für den BiM nicht ausreichend, darum fordern sie eine Überarbeitung der Beschlüsse. Zum einen soll die Vergütung an die tatsächliche Arbeit der Ärzte in Online-Videosprechstunden angepasst werden. Zum anderen darf es keine Deckelung geben, die gegen die Bereitschaft von Ärzten Videosprechstunden ab einer bestimmten Menge verbieten würde.

Erste Schritte

Bislang bieten erst fünf Krankenversicherungen die Online-Sprechstunde als Leistung an. Nach der Barmenia ist die ARAG nun die zweite private Versicherung, die ihren Leistungskatalog zum 1. März um die Möglichkeit der Videosprechstunde erweitert hat. Das Internetportal TeleClinic arbeitet deutschlandweit mit 150 Ärzten und Kassen wie der ARAG zusammen, um den Zugang zu Online-Sprechstunden zu vereinfachen. Ziel ist eine flächendeckende Versorgung aller interessierten Patienten. Zum 1. April werden auch alle gesetzlichen Krankenkassen nachziehen und ihre Leistungen um die Videosprechstunde erweitern, erklärte kürzlich die Kassenärztliche Bundesvereinigung.
Giovanni Cardillo

von

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