Hammer im Kopf

Nervenschrittmacher stellt Clusterkopfschmerz ab

Clusterkopfschmerzen sind so heftig, dass meist die Lebensqualität flöten geht. Ein implantierter Nervenschrittmacher beseitigt die Kopfschmerzen und senkt die Anzahl der Kopfschmerzattacken.

Datum:
Mann mit Kopfschmerzen

Qual im Kopf: Ein Nervenschrittmacher lindert Clusterkopfschmerzen

Clusterkopfschmerzen malträtieren vor allem Männer. Die unerträglichen Kopfschmerzattacken überfallen Patienten aus heiterem Himmel, ohne erkennbaren Auslöser, und das selbst im Schlaf. Während eines Kopfschmerzanfalls bohrt, brennt und reißt es um das Auge herum. In manchen Zeiten häufen sich die Kopfschmerzanfälle, dann wiederum verziehen sie sich monatelang. Weil sie jederzeit wieder zuschlagen, stecken sich fast alle Patienten mit Clusterkopfschmerz vorsichtshalber Medikamente in die Tasche. Ärzte am Universitätsklinikum Düsseldorf testen jetzt eine neue Clusterkopfschmerz-Behandlung als Alternative zu Tabletten: einen Nervenschrittmacher, der die Kopfschmerzattacken einfach abstellt. Die Aktivität des implantierten Nervenstimulators steuern die Patienten selbst. Setzt der Clusterkopfschmerz ein, beseitigen sie ihn mit einem Knopfdruck. Eine Studie ergab, dass der Nervenschrittmacher zwei Dritteln der Patienten half.

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Trigeminusnerv an Clusterkopfschmerz beteiligt

Die Grundlage für die Erfindung des Nervenschrittmachers war die Erkenntnis, dass der Trigeminusnerv an der Entstehung der Clusterkopfschmerzen beteiligt ist. Dieser Gesichtsnerv besitzt einen Nervenknoten als Umschaltstation, den Mediziner als „Ganglion sphenopalatinum“ (SPG) bezeichnen. Das Nervenknäuel liegt in einer kleinen Knochengrube unter der Schädelbasis hinter dem Oberkieferknochen. Schon länger war bekannt, dass eine Betäubung dieses Nervenknotens den Clusterkopfschmerz lindert. Früher injizierten Ärzte Kokain oder Alkohol hinein, was für Ärzte schwierig und für Patienten riskant war. Nur für die wenigsten kam diese Therapie deshalb in Frage.

Clusterkopfschmerz: Schrittmacher schaltet Nervenknoten aus

Der neue Nervenschrittmacher setzt ebenfalls an diesem Nervenknoten an: In einer Operation befestigen Ärzte das Implantat, das etwa so groß wie ein Daumennagel ist, in der Nähe des SPG. Der Impulsgeber besitzt einen Elektrodendraht, der den Nervenknoten über mehrere Kontaktpunkte elektrisch stimuliert. Während der Operation testen Ärzte, ob der Schrittmacher richtig sitzt und gut funktioniert. Später ist der Patient selbst dran: Er aktiviert den Nervenstimulator mit Hilfe einer Fernbedienung an der Wange und schwächt so den Clusterkopfschmerz ab.
In einer Studie bewies der Nervenschrittmacher, dass er Clusterkopfschmerzen gut bekämpft: Bei zwei Dritteln der Patienten beseitigte er den Kopfschmerz, verkürzte die Dauer der Kopfschmerzattacken und senkte die Anzahl der Anfälle schon nach etwa vier Wochen. Die Ärzte beobachteten ihre Patienten mit dem Implantat über längere Zeit. Die Behandlung sei nachhaltig und wirke langfristig, lautet ihr Fazit. Weltweit besitzen rund 400 Patienten mit Clusterkopfschmerzen einen Nervenschrittmacher, einige davon leben auch in Deutschland.

Clusterkopfschmerz ist schwer behandelbar

Clusterkopfschmerz ist eine schwere und äußerst schwierig zu behandelnde Kopfschmerzform. Patienten setzen heute meist Migränemedikamente gegen die Schmerzattacken ein, die sogenannten Triptane. Die Arzneien wirken schnell, wenn Betroffene sie unter die Haut spritzen oder als Nasenspray anwenden. Auch das Inhalieren von Sauerstoff über eine Gesichtsmaske lindert den Clusterkopfschmerz. Allerdings helfen diese Behandlungen nicht allen Patienten. Für diese könnte der Nervenschrittmacher eine neue Möglichkeit sein.

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Clusterkopfschmerzen sind oft Männersache

Etwa 1 von 500 Menschen leidet unter Clusterkopfschmerz. Meistens trifft der Hammer im Kopf Männer deutlich öfters als Frauen. Bei der Entstehung des Clusterkopfschmerzes scheinen die Gene beteiligt zu sein, denn in einigen Familien tritt diese Kopfschmerzform gehäuft auf. Die Kopfschmerzattacken überfallen die Patienten meist ohne Vorwarnung und erkennbaren Auslöser. Anders bei der Migräne: Bekannt sind hier Trigger wie Stress, ein Wetterwechsel, veränderter Schlafrhythmus oder hormonelle Schwankungen.
Beim Clusterkopfschmerz dauert die Qual im Kopf zwischen 15 und 180 Minuten. Meist betrifft der Schmerz nur eine Gesichtshälfte, um das Auge herum oder dahinter. Im Gegensatz zur Migräne wechselt der Kopfschmerz so gut wie nie die Seite. Die meisten beschreiben den Schmerz als unerträglich heftig, reißend, bohrend oder brennend. In manchen Lebensphasen häufen sich die Kopfschmerzattacken (deshalb auch engl. Cluster = Häufung), um dann für unterschiedlich lange Zeit zu verschwinden. Heilbar ist der Clusterkopfschmerz (noch) nicht.

Mehr Infos bei Clusterkopfschmerz

Weitere Informationen zum Clusterkopfschmerz bieten folgende Webseiten:

Kopfschmerz-Medikamente

Ingrid Müller

von

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