Beim Unfall Hörschädigung, eigentlich

Bodyhacking: Mercedes erfindet Ohrenschutz

Wenn es kracht – schon der Begriff erläutert, dass es bei einem Autounfall sehr laut zugeht. Diese Unfallgeräusche können das Gehör durchaus schädigen. Mercedes hat sich etwas ausgedacht, um Hörschäden zu vermeiden.

Datum:
Pre Safe Sound

Mercedes Pre-Safe Sound.

In der Mercedes-Sprache nennt sich das System „Pre-Safe Sound“. Das Pre-Safe steht für Maßnahmen, die vor einem unvermeidlichen Unfall vom PKW-System eingeleitet werden. Fahrzeuginhaber moderner PKW-Modelle kennen das bereits, je nach Hersteller unter verschiedenen Namen. Der Gurt wird gestrafft, das Bremsen eingeleitet, das Lenkrad zurückgezogen, die Fenster fahren hoch. All diese unterschiedlichen Maßnahmen und Ideen sollen helfen, die Insassen besser vor den Folgen eines Aufpralls zu schützen.
Was ist aber mit den Crash-Geräuschen? Wie kann man sich davor schützen? Bisher gab es dagegen keine expliziten Schutzmaßnahmen. Mercedes hat sich dieses Themas angenommen und war hierbei sehr pfiffig unterwegs. Mit einem spannenden Rückgriff in die Trickkiste unseres Hörorgans hat Mercedes eine weitere, unfallvorbeugende Maßnahme in der neuen E-Klasse verbaut.

Wunderwelten des Körpers

Es dreht sich um den Stapediusreflex. Der Stapediusreflex setzt bei Schallpegeln von 70 bis 95 dB (Stapediusreflexschwelle) innerhalb von 50 Millisekunden ein, sobald das Nervensystem zu hohe Schalldrücke registriert. Der Körper versucht mittels dieses Schutzmechanismus’, das Trommelfell vor Hörschäden zu bewahren. Der Reflex lässt im Notfall einen Muskel kontrahieren, der die Weiterleitung des Schalls vom Trommelfell ins Innenohr verschlechtert, um den Schalldruck zu dämpfen.
Natürlich kann man sich vorstellen, dass dies nur bis zu einer gewissen Grenze funktioniert. Deutlich höhere Schalldrücke wie etwa ein unmittelbar in Ohrnähe abgefeuertes Gewehr führen zu schwersten Hörschäden. So auch bei einem sehr heftigen Auto-Crash. Ab einer gewissen Lautstärke nützt auch der Reflex nichts mehr. Das sollte klar sein. Wenn es schon derart laut zugeht, sind temporäre Hörschäden wohl das geringste Problem.
Wie aber hat sich Mercedes den Reflex zunutze gemacht? Beim Erkennen eines nahenden Aufpralls lassen sie über einen Soundchip ein sogenanntes „rosa Rauschen“ erzeugen und spielen das Geräusch mit 80 dB blitzschnell über die Lautsprecher aus. Das Rauschen basiert auf einem breiteren Frequenzspektrum denn einem Ton alleine, wo ein höherer Schalldruck nötig wäre, um den Reflex auszulösen (um die 100 dB). Das Rauschen stimuliert den oben genannten Reflex kurz vor dem Aufprall und lindert die berüchtigten Hörfolgen eines Crashs. Man hat demnach zweimal in die Trickkiste gegriffen: mit dem Stimulus des Reflexes selbst und mit dem rosa Rauschen bei einem reduzierten Schalldruck von 80 statt 100 dB.
Wer mag, kann sich das Rauschsignal auf YouTube in einer gedämpften Lautstärke anhören.
Robert Basic

von

Seine Passion sind Menschen, sein Antrieb ist die Neugier.

Kommentare

Die Technik der Kommentarfunktion „DISQUS“ wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.