Einmal pusten, bitte!

Lungenkrebs: Diagnose  in der Atemluft

Einmal pusten, bitte! So sieht vielleicht die Früherkennung von Lungenkrebs in Zukunft aus. Ein Gerät misst feinste Veränderungen in der Atemluft.

Datum:
Röntgenaufnahme Lunge

Kräftig ausatmen! Lässt sich Lungenkrebs bald mit Hlfe eines Tests in der Atemluft erkennen?

Lungenkrebs kommen Ärzte oft erst auf die Spur, wenn er schon weit fortgeschritten und nicht mehr heilbar ist. Meist kommen die Patienten mit Symptomen wie einem hartnäckigen Husten zum Arzt, der nicht mehr vergehen will. Forscher des Max-Planck-Instituts für Herz- und Lungenforschung in Bad Nauheim entwickelten jetzt einen Atemtest, der Lungenkrebs schon im Frühstadium erkennt. Er misst kleinste Veränderungen in der Atemluft, die durch das Wachstum von Lungenkrebszellen zustande kommen. Einmal pusten, bitte! So sieht die Früherkennung eines bösartigen Tumors in der Lunge vielleicht zukünftig aus. Erste Untersuchungen ergaben, dass der Atemtest mit hoher Genauigkeit gesund und krebskrank unterscheidet.

Lungenkrebs-Test: Wer ist gesund, wer krank?

Schema Lungkrebs-Atemtest

Lungenkrebs: Das Lungengewebe gibt verdächtige Moleküle ab

Teilnehmer der Studie waren 138 gesunde Probanden und Patienten mit Lungenkrebs. Bekannt war, wer einen Lungentumor hatte und wer nicht. Die Forscher untersuchten Atemproben auf Spuren sogenannter Ribonukleinsäure-Moleküle. Die Ribonukleinsäure, kurz RNA, spielt bei der Herstellung von Eiweißen eine wichtige Rolle. Das Lungengewebe gibt RNA-Moleküle an die Atemluft ab. Deren Menge unterscheidet sich bei Gesunden und Patienten mit Lungenkrebs. Anhand der Konzentrationen von RNA-Molekülen in der ausgeatmeten Luft lassen sich also Krebszellen in der Lunge aufspüren.
Die Forscher isolierten die RNA-Teilchen aus der ausgepusteten Luft und vervielfältigen sie mit Hilfe einer bestimmten Technik, der Polymerase-Kettenreaktion. Dann bestimmten sie die Zusammensetzung der RNA bei Studienteilnehmern mit und ohne Lungenkrebs und berechneten aus diesen Daten ein Modell zur Lungenkrebs-Diagnose. In neun von zehn Fällen lag der Atemtest bei der Diagnose Lungenkrebs richtig. Zu 98 Prozent erkannte der Lungenkrebstest, wer gesund und wer Krebspatient war. Die Methode sei sehr präzise und habe eine derart hohe Trefferquote, dass sie im Klinikalltag zur Früherkennung von bösartigen Lungentumoren anwendbar sei, sagen die Forscher.

Lungenkrebs-Diagnose: Atemtest als Ergänzung

Der Lungenkrebstest in der Atemluft ist möglicherweise eine Ergänzung zu herkömmlichen Diagnosemethoden für Lungenkrebs, ersetzt diese aber nicht. Er verbessert lediglich die Früherkennung. Die Forscher wollen die RNA-Bestimmung zudem nutzen, um anderen Krankheiten schneller auf die Spur zu kommen. Kleinste Veränderungen im „RNA-Fingerabdruck“ verraten dann kranke Zellen und ermöglichen eine rasche Behandlung.
Lungenkrebs ist in Deutschland bei den Frauen auf dem Vormarsch, während die Erkrankungs- und Sterberaten bei den Männern sinken. Der Grund ist, dass immer mehr Frauen in den vergangenen Jahren geraucht haben. Im Jahr 2013 erkrankten etwa 53.500 Menschen hierzulande an Lungenkrebs, die Männer waren in der Mehrzahl. Beim starken Geschlecht ist zudem die Sterberate etwa doppelt so hoch wie bei den Frauen. Trotz neuer Therapien gegen Lungenkrebs überleben die meisten Patienten die ersten fünf Jahre nach der Diagnose nicht. Einer der Hauptgründe dafür ist, dass Lungenkrebs schleichend und oft ohne Symptome beginnt. So ahnen die meisten nichts von der tödlichen Gefahr in ihrer Lunge.

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Lungenkrebs ist nicht gleich Lungenkrebs

Mediziner kennen verschiedene Arten von Lungenkrebs, die unterschiedlich bösartig sind. Besonders aggressiv ist das kleinzellige Lungenkarzinom, das sehr schnell wächst und sich rasch im Körper ausbreitet. Es macht weniger als 20 Prozent aller Lungenkrebsfälle aus. Mehr als 80 Prozent der bösartigen Lungentumoren sind nicht-kleinzellige Lungenkarzinome. Dazu gehören das Plattenepithelkarzinom, Adenokarzinom und das großzellige Karzinom. Diese Lungenkrebsformen wachsen meist langsamer.

Rauchstopp als Lungenkrebsschutz

Der beste Schutz vor Lungenkrebs ist: Nicht rauchen! Falls Sie Liebhaber der Glimmstängel sind, versuchen Sie das Rauchen aufzugeben. Am besten wirkt die Kombination aus Verhaltenstherapie und Nikotinersatztherapie, also Nikotinpflaster oder Nikotinkaugummis.

Nikotinpflaster

Ingrid Müller

von

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