Herzensangelegenheit

Wann können Spenderorgane gedruckt werden?

Organe und Prothesen lassen sich heute schon drucken: Bio-Printing nennt sich der Bereich. Was bringen die Modelle und wann funktionieren die Organe?

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Heart to print?

Man kann Herzen drucken. Nur funktionieren sie für bestimmte Einsätze noch nicht.

Es gibt Menschen, die dafür sorgen, dass Kinderherzen wieder schlagen. Kardiologen der Pädiatrie können das. Doch auch Marcel Pfützner sorgt dafür, dass kleine Patienten mit einem Herzfehler schneller und präziser operiert werden können. Er ist Maschinenbauingenieur mit dem Schwerpunkt Medizintechnik. Und er ist einer der wenigen Menschen in Deutschland, die Herzen millimetergetreu nachbauen können.

3D-Biodrucker

Das funktioniert mit 3D-Biodruckern. Für Hochrisikopatienten mit Herzfehlern zählt bei einer Operation jede Sekunde. Die Herzen aus Acrylat dienen den operierenden Ärzten als Trainingsmodelle. So können sie sich vor einer OP ein genaues Bild machen, wie das Herz des kleinen Patienten beschaffen ist. Pfützner: „So ein Modell ist heute so genau wie die radiologische Bildgebung", erläutert der Dresdner mit Firmensitz im brandenburgischen Wildau.
Marcel Pfuetzner

Marcel Pfützner zählt zu Deutschlands Kinderherzexperten: Er ist Maschinenbauingenieur mit dem Schwerpunkt Medizintechnik. Sein Know-How steckt in seinem Unternehmen HumanX.

Zeit für präoperative Trainings

Im Prinzip habe sich die Genauigkeit der gedruckten Organe, die laut Pfützner noch Anfang der 1990er Jahre etwa aus den Vorlagen von Schichtbildern nachgefräst wurden, im Zuge der Bildgebung durch CT und MRT verbessert. Software und sinkende Kosten der Bilder hätten in den vergangenen fünf bis zehn Jahren für die Entwicklung gesorgt. „Langsam", so Pfützner, „ist der Punkt erreicht, dass solche Modell für präoperative Trainings genutzt werden können."
Ein Kinderherz als Trainingsmodell für Ärzte

Ein Kinderherz als Trainingsmodell für Ärzte: So können sie vor einer großen Operation an den Besonderheiten üben und lebenswichtige Zeit bei der OP sparen.

Print and Play?

Und wie sieht es mit gedruckten Herzen aus? Kann man auch schon analog zu dem Plug-and-Play-Begriff aus der Programm-Welt schon von Print and Play sprechen? Davon sei man – wenn überhaupt – noch Jahrzehnte entfernt: „Unsere Modelle sind nicht als Ersatzorgane gedacht. Sie sind also nicht implantierbar," erläutert Pfützner. Übrigens muss man sich so einen Druck wie einen Tintenstrahldrucker vorstellen. Statt der Tinte trät er nacheinander dickflüssiges Acrylat auf, Schicht für Schicht härtet aus. Bis das Herz dann fertig ist.
Das Human x Team

Marcel und Viola Pfützner sind Geschäftsführer der HumanX – Medizinische Modellbau Manufaktur GmbH. Sie demonstrieren eine Trainings-OP an einem der von ihnen produzierten Acrylat-Herzen.

Frisch gedruckt: eine Hand

Ästhetisch ist man schon viel weiter als funktionell.

Hochrisiko-Patienten

Zu den Hochrisiko-Patienten zählen auch ältere Herrschaften. Etwa vor einer Herzklappen-OP stellt sich oftmals die Frage, ob ein Eingriff im Verhältnis zu den Gefahren, die eine OP mit sich bringt, steht. Ein solch detailgetreues Herz kann helfen, Chancen und Risiken besser ins Verhältnis setzen. So ein Acrylat-Herz mit einer 14-tägigen Vorlaufzeit kostet bei HumanX etwa 2.500 Euro. Die Kosten werden laut Pfützner nicht von den Krankenkassen getragen. Oftmals fänden etwa die Krankenhäuser einen Weg, diese zu decken.

Medica im November 2016

Auch Stammzellen lassen sich mittlerweile drucken. Laut Pfützner, der auch als Experte auf der Fachmesse Medica referiert, stelle sich aber die Frage, ob sich ein Organ, das durch seine Blutgefäße und Funktionen so komplex ist, tatsächlich irgendwann drucken ließe: „Ein Block aus Leberzellen lässt sich schon heute drucken, eine Leber nicht." Startups, die sich darauf konzentrieren, gebe es bereits.

Gedruckte Prothesen kommen heute schon zum Einsatz. Gedruckte Organe sind noch Zukunftsmusik.

3D-Drucker

Wibke Roth

von

Wenn ich Texte verfasse, erfasse ich die Welt. Wenn ich laufe, erlebe ich sie. Ich arbeite als freischaffende Journalistin und Texterin sowie Fitness-, Reha- und Yoga-Trainerin im Herzen des Ruhrgebiets, oder manchmal auch auf Mallorca.

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