Faszinierende Technik: Kapselendoskopie

Die Reise ins Ich: Die Minikamera für den Darm

Darmspiegelungen werden fachlich als Koloskopie bezeichnet und gehören nicht gerade zu den beliebtesten Untersuchungen bei Patienten. Die PillCam bietet eine völlig schmerzfreie Diagnosetechnik ohne Einsatz von Betäubungsmitteln.

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Die Pillcam in der Detailansicht

Grundlage der Kapsel-Endoskopie ist die PillCam des Herstellers Given Imaging.

Die sogenannte „Kapselendoskopie“ ist ein im Jahre 2000 vorgestelltes und heute allgemein angewendetes bildgebendes Verfahren zur Darstellung des Verdauungstraktes mithilfe einer verschluckbaren Kamerakapsel. Der israelische Erfinder Gavriel Iddan hatte als erster die PillCam – mittlerweise bieten auch andere Hersteller diese Minikameras an – nach 20 Jahren Forschungsarbeit erfolgreich entwickelt und patentieren lassen.
Sie hat sich anschließend international als Untersuchungsstandard zügig etabliert. Laut Hersteller haben bereits über 1,5 Millionen Patienten die PillCam verwendet, um sich untersuchen zu lassen.

Die Technik

Orale Einnahme der PillCam

Orale Einnahme der PillCam.

Die PillCam wird vom Patienten oral eingeführt. Sie nimmt je nach Modellausführung auf ihrem Weg durch den Magen-Darm-Trakt in Abhängigkeit der Durchlaufgeschwindigkeit je Sekunde bis zu 35 Bilder mit zwei Kameras (eine für vorne, eine für hinten) auf und sendet sie zu einem tragbaren Datenrecorder, der per Bauchgurt am Patienten befestigt wird. Nach rund 10 Stunden kommen bis zu 100.000 Bilder und mehr zusammen, die der Arzt anschließend via Programm als Video und als Einzelbilder betrachten kann. Die PillCam wird über den Verdauungsweg wieder ausgeschieden.

Die Vorteile

Die Auswertung für den Arzt

Der Arzt nutzt ein spezielles Bild-Auswertungsprogramm, um die über 100.000 Bilder analysieren zu können.

Der Vorteil für den Patienten liegt einerseits in der schmerzfreien Behandlung. Im Gegensatz zur herkömmlichen Darmspiegelung ist keine Betäubung noch die Einnahme von Schmerzmitteln notwendig. Er sucht lediglich kurz die Praxis bei nüchternem Magen-Darmtrakt auf und schluckt die Pille mit einem speziellen Flüssigkeitsmittel herunter, um das Heruntergleiten in der Speiseröhre zu erleichtern.
Anschließend befestigt man einen Bauchgurt, der einen Datenrecorder enthält, damit die laufenden Bildaufnahmen per Funk empfangen und gespeichert werden können. Der Patient kann die Praxis danach sofort wieder verlassen. Am Folgetag werden der Gurt und der Datenrecorder entfernt, die Bilder vom Arzt am Computer ausgelesen. Diese Art von Endoskopie ist einerseits minimal invasiv und zugleich analytisch sehr wertvoll.

Kostenübernahme der Krankenkassen

PillCam bei der WAnderung durch den Darmtrakt

Tatsächlich hat die PillCam eigenes Licht, das sie bei der Wanderung durch den Darmtrakt zum Ausleuchten der Schleimhäute nutzt.

Ein weiterer, wesentlicher Vorteil ist – daher übernehmen mittlerweile in der Regel alle Krankenkassen die Behandlungskosten von rund 1.000 Euro – die Untersuchungsmöglichkeit des Dünndarms, der bei einer Darmspiegelung so nicht erreichbar ist.
Nur bei der Dickdarm-Endoskopie kommt es darauf an, ob die Kosten der PillCam übernommen werden. Bei Patienten, wo eine vollständige herkömmliche Darmspiegelung nicht möglich ist oder die ein erhöhtes Risiko für Blutungen und Darmverletzungen aufweisen, wird die Krankenkasse wahrscheinlich eine Kapselendoskopie genehmigen. Was übrigens auch für Patienten gilt, die auf Betäubungsmittel allergisch reagieren.
Robert Basic

von

Seine Passion sind Menschen, sein Antrieb ist die Neugier.

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