Darum spenden die Deutschen nicht

Von Jahr zu Jahr weniger Organspenden

Immer mehr Menschen in Deutschland besitzen einen Organspendeausweis, die Anzahl der durchgeführten Transplantationen geht jedoch seit Jahren zurück. Aber wieso? Die Spendebereitschaft ist da, aber andere Gründe sprechen immer wieder dagegen.

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Organspende

Rechteckig, praktisch und ein echter Lebensretter: Der Organspendeausweis.

Er ist so groß wie eine normale Visiten- oder Kreditkarte und im mittlerweile bekannten Blau und Orange bedruckt: Der Organspendeausweis. Krankenkassen und Ärzte fordern Patienten immer wieder auf, sich mit dem Thema Organspende auseinanderzusetzen. Ob und was man spenden will, kann jeder dann ganz individuell entscheiden und in seinem Ausweis eintragen lassen. Selbst wenn man komplett gegen eine Spende ist, lässt sich das auf dem Ausweis vermerken. Doch so negativ sind die Deutschen dem Thema gegenüber nicht eingestellt. Im Gegenteil, eine Umfrage von myMarktforschung.de fand heraus, dass das Thema Organspende bei der Bevölkerung sehr hoch im Kurs steht.

Alle wollen Spenden aber nur wenige tun es

Die Zahlen sprechen eigentlich eine klare Sprache. Rund 47 Prozent aller Befragten gelten als überzeugte Spender, die ohne Einschränkung zur Organspende bereit sind. Knapp 35 Prozent sind sich unsicher oder würden nur bestimmte Organe hergeben, zu den Nicht-Spendern gehören weniger als 20 Prozent. Entscheidend ist aber auch, wer seinen Wunsch pro oder contra Organspende dokumentieren lässt. Im Jahr 2012 waren es noch rund 22 Prozent aller Deutschen, mittlerweile besitzt mehr als jeder Dritte einen Organspendeausweis, in dem das weitere Verfahren geregelt ist. Potenzielle Spender gibt es also immer mehr, aber die Zahl der durchgeführten Transplantationen bleibt auf dem gleichen niedrigen Niveau. Weniger als 900 waren es im Jahr 2016.
Organspende Infografik

Über die Hälfte der Befragten würden zumindest einen Teil ihrer Organe spenden. Lediglich 19 Prozent sind entschlossene Nicht-Spender.

Skepsis und mangelnde Aufklärung

Trotz der großen Bereitschaft und der Relevanz bestehen nach wie vor Zweifel und Unsicherheit. Zum einen drückte das Bekanntwerden von Manipulationen an Wartelisten für Empfänger die Stimmung. Ein Drittel aller Unsicheren fürchtet eine ungenaue und nicht überwachte Listenführung. Zum anderen besteht die Angst vor Organhandel. Obwohl der in Deutschland nahezu ausgeschlossen ist, hat fast die Hälfte aller Befragten die Befürchtung es könnte zu Missbrauch bei Organspenden kommen. Ziel der Ärzteverbände und Kassen muss es jetzt sein, das Vertrauen der Patienten in die Transplantationsmedizin wiederherzustellen. Sollte das nicht gelingen, könnte die Zahl der Spendewilligen wieder sinken und auch die tatsächlichen Transplantationen würden zurückgehen.
Giovanni Cardillo

von

Fitness-Tracker, Smartwatches und Waagen, die mehr über mich wissen als ich selbst. Notwendig oder nicht? Ich finde es für euch heraus.