Gefährlicher als bislang angenommen

Schon vom Hingucken: Schweißen ist krebserregend!

Schweißen ist viel gefährlicher, als gemeinhin angenommen. Nicht nur die Dämpfe sind krebserregend, allein schon beim Hinschauen steigt das Krebsrisiko signifikant.

Datum:
Schweißen

Im Wohnzimmer ist Schweißen nicht nur gefährlich, sondern auch gesundheitlich bedenklich.

Wir mussten schon viel lesen: Alkohol ist ein Hauptauslöser für Krebs, altes Brot verhindert Darmkrebs, Diabetes-Medikament soll Krebs bekämpfen ... Aber diese Meldung, wonach Schweißen krebserregend ist, ist ein Schock für 11 Millionen Berufsschweißer weltweit. Dazu kommen 110 Millionen Menschen, die regelmäßig den Expositionen vom Schweißen ausgesetzt sind.

Aus „möglicherweise” wird Gewissheit

1989 hat eine Expertengruppe aufgrund der zu dünnen Beweislage die Gefahren beim Schweißen nur als „möglicherweise karzinogen” eingestuft. Im März 2017 fand eine Neubewertung statt, die die Gefahr deutlich gefährlicher einstuft: Schweißrauche sind krebserregend für den Menschen. Ausschlaggebend war die Einschätzung der Epidemiologinnen und Epidemiologen vom Leibniz-Institut für Epidemiologie und Präventionsforschung – BIPS in Bremen: „Die zuständigen Behörden in der Welt sind nun zum Handeln aufgefordert. Sie müssen die Arbeitsschutzregeln verschärfen, um die Schweißerinnen und Schweißer besser zu schützen.“

Krebs allein vom Hinsehen!

Bereits 2012 wurde die beim Lichtbogenschweißen entstehende intensive UV-Strahlung von der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) als karzinogen für Menschen eingestuft. „Die Einstufung von UV-Licht in die höchste Risikostufe konnten wir klar bestätigen“, sagt Wolfgang Ahrens, Leiter der Abteilung Epidemiologische Methoden und Ursachenforschung am BIPS und Experte für berufliche und umweltbedingte Krebserkrankungen. „Eine ganze Reihe von Studien zeigt bei Menschen, die an Schweißarbeiten beteiligt sind, ein bis zu zehnfach höheres Risiko für die Entstehung von Augenmelanomen. Und das trotz der nahezu flächendeckenden Anwendung von Schutzmasken.“ Wer beispielsweise bei Schweißarbeiten an Straßenbahngleisen als Passant zufällig einen Blick auf einen Lichtbogen wirft, ist oft minutenlang davon geblendet. Geschieht dies regelmäßig – etwa bei Personen, die bei den Arbeiten assistieren – werden deren Augen mit den entsprechend möglichen Folgen dauerhaft geschädigt.

Gefährlicher Rauch

Rauch entsteht beim Schweißen, weil Metalle über ihren Schmelzpunkt hinaus erhitzt werden: Die Metalle verdampfen und kondensieren zu winzig feinen Partikeln, die ohne spezielle Schutzmaßnahmen vom Arbeitspersonal eingeatmet werden. „Die verfügbaren epidemiologischen Studien zeigen ganz klar ein erhöhtes Lungenkrebsrisiko bei Personen, die selbst Schweißen“, erläutert Wolfgang Ahrens. Darüber hinaus gibt es einen positiven Zusammenhang zwischen Schweißen und Nierenkrebs, der allerdings nicht deutlich genug ausfiel, um eine eindeutige Bewertung zu erlauben.
Insgesamt war die in Lyon diskutierte Beweislast für die lungenkrebserzeugende Wirkung von Schweißrauchen erdrückend – unabhängig davon, welches Schweißverfahren angewendet und welche Art von Metall geschweißt wurde. Auch die Datenlage für die Verursachung von Augenmelanomen durch die UV-Strahlung beim Lichtbogenschweißen war eindeutig. Entscheidend für diese Bewertungen war schließlich die Einschätzung der Epidemiologinnen und Epidemiologen im Team. „Es reicht in der Regel für eine finale Entscheidung nicht aus, wenn ein erhöhtes Risiko nur bei Versuchstieren auftritt und im Labor anhand von menschlichen Zellkulturen nachweisbar ist“, sagt Wolfgang Ahrens. „Es muss auch ein eindeutiger Zusammenhang beim Menschen nachweisbar sein. Und genau diesen haben wir klar gesehen.“

Behörden müssen reagieren

Die Hochstufung von Schweißrauchen in „Gruppe 1 – karzinogen für Menschen“ wird Folgen haben. „Die Monografien der IARC sind die wichtigste Referenz weltweit für entsprechende Arbeitsschutzregeln. Sie sind allerdings keine verbindliche Vorgabe für entsprechende Gesetzesänderungen. Dennoch sehe ich dringenden Handlungsbedarf zum Schutz von Berufsschweißerinnen und Berufsschweißern und anderem Personal, das regelmäßig schweißt“, sagt der Epidemiologe. „Schon heute kommen in Deutschland Rauchabsaugvorrichtungen zum Einsatz. Diese werden aber vor allem an stationären Schweißstationen verwendet. Bei der Arbeit im Feld wird dagegen meist nur dann mit mobilen Geräten abgesaugt, wenn beim Schweißen die schon lange als krebserzeugend geltenden Chrom- und Nickelverbindungen frei werden. Nun müssen die Verantwortlichen bei jedweder Exposition gegenüber Schweißrauchen aktiv werden. Wenn Rauch entsteht, ist die Gesundheit der Schweißerinnen und Schweißer generell in Gefahr. Zu ihrem Schutz muss der Rauch effektiv abgesaugt werden – auch wenn dies höhere Kosten und höheren Aufwand bedeutet.“

Galerie: Die zehn wichtigsten Heilmethoden gegen Krebs

Michael Huch

von

Redakteur und Content Manager, interessiert sich für Technik und mag Dinge, die den Alltag erleichtern. Egal ob unterwegs, im Garten oder der Küche.

Sonderangebote

Kommentare

Die Technik der Kommentarfunktion „DISQUS“ wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.