Schlauer Haut-Doktor

Hautkrebs erkennen dank künstlicher Intelligenz

Hautkrebs erkennen ist normalerweise die Sache von Hautärzten. Doch die Künstliche Intelligenz steht ihnen in nichts nach.

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Frau deutet auf Leberfleck

Harmloses Muttermal oder Hautkrebs? Der Computer ist genauso gut wie der Hautarzt

Hautkrebs ist gut heilbar, wenn Ärzte ihn frühzeitig entdecken. Aber Hautkrebs ist nicht gleich Hautkrebs - es gibt viele verschiedenen Formen, die oft sehr unterschiedlich aussehen. So ist es selbst für Ärzte nicht immer einfach, gutartige Hautveränderungen von bösartigem Hautkrebs zu unterscheiden. Hier hilft vielleicht die Künstliche Intelligenz! Forscher der renommierten Standford Universität entwickelten einen Algorithmus, der frühe Warnsignale bei Hautkrebs aufspürt. Erste Tests ergaben, dass die Künstliche Intelligenz (KI) durchaus in der Lage ist, es mit den Hautärzten aufzunehmen: Sie erkannte Hautkrebs genauso gut wie die menschlichen Hautspezialisten. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler im Fachblatt "Nature".

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Hautkrebs erkennen: der lernfähige Computer

Aus einer Datenbank mit Fotos von Hautkrebs und anderen Hautkrankheiten entwickelten sie einen sogenannten "„Deep-Learning-Algorithmus"“. Das Deep Learning ahmt menschliche Netzwerke von Nervenzellen nach. In diesem Fall erkennt der Algorithmus bestimmte Muster auf Hautkrebs-Bildern und lernt, seine Erkenntnisse auf neue Aufnahmen zu übertragen. In fast 130.000 Tests mit mehr als 2000 verschiedenen Hautkrankheiten lernte die Künstliche Intelligenz, wie Hautkrebs aussieht und sich von gutartigen Hautveränderungen wie einem harmlosen Leberfleck unterscheidet. Die Forscher brachten ihm also schrittweise bei, die häufigsten Arten von Hautkrebs sicher zu identifizieren. Zu diesen zählen der weiße Hautkrebs mit dem häufigen Basaliom sowie der besonders bösartige und gefährliche schwarze Hautkrebs (malignes Melanom), der schnell in andere Organe streut.

Künstliche Intelligenz erkennt Hautkrebs so präzise wie ein Arzt

Dann folgte der Vergleich „Mensch-Maschine“. Der lernfähige Algorithmus trat gegen 21 Dermatologen an. Beide analysierten 370 Fotos, auf denen neben gutartigen Veränderungen nachgewiesenermaßen Hautkrebs zu sehen war. Diese Diagnose hatte eine Gewebeprobe (Biopsie) gesichert. Abgebildet war entweder die häufigste Hautkrebsart, das Basaliom, oder der schwarze Hautkrebs.
Der Computer kam exakt zu den gleichen Ergebnissen wie die menschlichen Spezialisten und erkannte Hautkrebs genauso oft,– nämlich in 91 Prozent der Fälle. Damit unterstützt der Computer-Hautarzt vielleicht in Zukunft Dermatologen bei der Hautkrebsdiagnose. Die US-Forscher arbeiten jetzt daran, das Programm auch fürs Smartphone verfügbar zu machen. Damit wäre es möglich, veränderte Hautkrebsstellen zu fotografieren und schnell auf seine Gefährlichkeit hin zu analysieren. Dennoch ersetzt die Künstliche Intelligenz (noch) nicht den Arzt! Die Forscher trainieren, verbessern und testen den Algorithmus nun weiter.

Hautkrebs-Zahlen steigen rapide an

Die Hautkrebszahlen klettern weltweit. Vor allem schwarzer Hautkrebs ist auf dem Vormarsch, an dem besonders viele junge Menschen erkranken, allen voran Frauen. Den Grund vermuten Forscher in häufigen Solariumbesuchen. In Deutschland erkrankten im Jahr 2012 mehr als 20.000 Männer und Frauen neu an dem malignen Melanom. Das Basaliom ist die häufigste Hautkrebsart, seltener kommt das Plattenepithelkarzinom (Spinaliom) vor. Seit 2008 gibt es in Deutschland ein Hautkrebsscreening, um bösartige Hauttumoren frühzeitig zu entdecken. Gesetzlich Versicherte ab 35 Jahren haben alle zwei Jahre einen Anspruch auf die Hautkrebsfrüherkennung. Die Heilungschancen stehen bei allen drei Hautkrebsarten gut. Die Voraussetzung ist, dass Ärzte ihn rechtzeitig aufspüren und behandeln. Die wichtigste Hautkrebstherapie ist die Operation, bei der Chirurgen den Hautkrebs vollständig entfernen.

Hautkrebs vorbeugen: nicht in der Sonne braten!

Am besten beugen Sie Hautkrebs durch einen maßvollen Sonnengenuss vor. Braten Sie also nicht zu lange in der Sonne. Eine zu häufige und intensive UV-Strahlung sowie viele Sonnenbrände in der Kindheit gelten als wichtigster Auslöser von bösartigen Hauttumoren. Auch wenn Bräune immer noch als gesund und schön gilt: Schützen Sie Ihre Haut vor der Sonne mit Kleidern, einem Hut oder Mütze, einer Sonnenbrille und Sonnenschutzmitteln. Achten Sie auf den richtigen Lichtschutzfaktor. Dann hat der Hautkrebs weniger Chancen!

Sonnenschutzmittel

Ingrid Müller

von

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