Goldene Hilfe für die Haut

Hautkrankheiten: Gold in Klamotten statt Kortison?

Kleider aus Gold helfen vielleicht bald Menschen mit Hautkrankheiten, etwa Akne oder Neurodermitis. Sie reduzieren Keime und wirken entzündungshemmend. Wie teuer ist die goldene Kleiderhilfe?

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Manfred Sietz mit Goldlösung

Goldgelber Ausgangsstoff: Welche Goldgröße ist optimal für Haut-Behandlungen?

Akne, Neurodermitis, Schuppenflechte: Bei manchen Menschen rebelliert die Haut. Gegen den Hautausschlag mit Pusteln und Knötchen, die Hautrötungen und den oft quälenden Juckreiz helfen meist nur Medikamente als Tabletten, Salben oder Cremes. Forscher von der Hochschule Ostwestfalen-Lippe arbeiten jetzt an einer natürlichen Alternative zu herkömmlichen Arzneien gegen häufige Hautkrankheiten: Gold in Form von Nanopartikeln. Mit bloßem Auge sind die winzigen Goldteilchen nicht sichtbar, weil sie 100-mal dünner als ein menschliches Haar sind. Gold macht sich dann nicht mehr nur als Ring, Piercing oder Kettchen gut. Vielmehr besitzt das Edelmetall ähnliche Eigenschaften wie das entzündungshemmende Medikament Kortison, sagt Manfred Sietz, ein Professor, der schon seit mehr als zehn Jahren an Nanogold forscht.

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Gold gegen Hautkrankheiten

Gold ässt sich nicht nur in Form von Schmuck verarbeiten, sondern ist auch in der Medizin einsetzbar. So senkt es beispielsweise die Konzentration des Immunglobulin E, den IgE-Wert. IgE ist ein Eiweiß, das bei Allergien eine wichtige Rolle spielt. Der Körper schüttet es verstärkt beim Kontakt mit dem individuellen Allergieauslöser aus. IgE ist für die überschießende Histaminproduktion verantwortlich, in deren Folge Beschwerden wie Juckreiz und Augenbrennen entstehen. Die Idee der Forscher ist es nun, Kleider mit winzigen Goldteilchen – dem Nanogold - zu beschichten. Wer sie direkt auf der Haut trägt, lindert die Hautreizungen.
Mit Hilfe eines besonderen Verfahrens stellen die Forscher Nanogold aus Goldsalzen her. In der Natur kommt Gold natürlich vor, zum Beispiel schwimmt es seit Jahrmillionen im Meerwasser, weil es aus Goldsalzen herausgewaschen wird. Untersuchungen zeigten, dass Gold in einer Größe von fünf und zehn Nanometern besonders gute therapeutische Wirkungen erzielt. Nanogold besitzt andere Eigenschaften als das herkömmliche Edelmetall: Es bindet an Eiweiße bestimmte Bausteine des Erbguts (Nukleinsäuren), Kunststoffe, Arzneistoffe, aber auch an Textilfasern. Nanogold trägt andere Stoffe im Huckepack, erklärt Chemiker Seitz. Selbst hohe Temperaturen lösen die feste Liaison zwischen dem Gold und Textil nicht. So bleiben Klamotten, die mit den winzigen Goldpartikeln veredelt wurden, auch nach einer Kochwäsche noch therapeutisch wirksam.

Akne: Goldkleider beseitigen Keime

Erste Versuche führten die Forscher an Baumwollfasern durch, die mit Nanogold beschichtet worden waren. Die Textilien zeigten eine keimreduzierende Wirkung gegenüber dem Bakterium, das Akne verursacht – dem Propionibacterium acnes. Tragen Patienten mit Akne solche veredelten Kleider aus Baumwolle, sollten Hautentzündungen deutlich geringer werden, hoffen die Wissenschaftler. Auch Menschen mit Neurodermitis helfen die goldenen Klamotten vielleicht in Zukunft. Allerdings sei eine höherer Goldkonzentration notwendig, um eine vergleichbare Wirksamkeit zu erzielen.

Teures Gold-Hemd gegen Akne?

Goldkleider sind in allen Varianten denkbar – von der Unterwäsche über T-Shirts bis hin zur Bettwäsche, aber auch in Form von Pflastern, die ein Patient direkt auf die Haut klebt. Der hohe Preis für mit Gold beschichtete Kleider rechnet sich trotzdem, weil sich Patienten nur einmal im Leben ein solches Kleidungsstück anschaffen. Ein Hemd gegen Akne sei rund 100 Euro teurer als die herkömmliche Version, schätzen die Wissenschaftler. Ein Kleidungsstück gegen Neurodermitis taxieren sie auf rund 200 Euro. Wer sich schon im beeindruckenden Gold-Hemd in der nächsten Kneipe sieht: Ein mit Nanogold veredelter Baumwollstoff ist lila, nicht goldfarben.

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Gold nicht nur gegen Hautkrankheiten

Nanogold setzen Ärzte schon länger in der Diagnostik und Therapie ein, zum Beispiel in der Krebstherapie bei der Behandlung von Gehirntumoren. Auch in Schwangerschaftstests, Kosmetika und Nahrungsergänzungsmitteln ist es manchmal enthalten. Viele weitere Anwendungsmöglichkeiten für das Gold sind denkbar, etwa in Sonnencremes. Nanogold gilt als natürliches Sonnenschutzmittel, weil es die komplette UV-Strahlung absorbiert. Wegen seiner Wirkung gegen Keime ließen sich Lebensmittel, aber auch Medikamente durch Verpackungen mit Nanogold länger haltbar machen. Forscher Sietz testete Kaubonbons aus Mutterkraut und Nanogold im Selbstversuch gegen Migräne - mit Erfolg, wie er sagt.
Ingrid Müller

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