Meine Erstdiagnose war leider falsch

Hauptsache Diagnose: Magen, Galle, egal? Krankenhaus!

Diagnosen stellen sich schnell. Aber sind es immer die richtigen Diagnosen? Meine Erstdiagnose war leider falsch.

Datum:
Krankenhausaufenthalte

Meine Infusion, mein Essen, meine Hand.

Erinnert Ihr euch? Ich hatte in „Angst vor Magenspiegelung: Betäuben lassen oder nicht?“ über meine persönlichen, „inneren“ Erfahrungen berichtet. Schön und gut, nur war die Diagnose des Gastrologen so nicht ganz komplett oder sagen wir ruhig, vorbei an des Pudels Stein!
Wie es sich leider akut herausstellte, kamen meine Beschwerden nicht von Magenproblemen, sondern schlicht und einfach von einem Gallensteinchen. Das mich irgendwann gelb anlaufen ließ und nicht gerade für Jubelsprünge sorgte. Sowas tut weh! Ab ins Krankenhaus zur Notaufnahme. Ein gründlicher Check des Arztes ergab am Ultraschall, dass der Gallenausgang von einem kleinen Gallenstein blockiert war. Das war auch letztlich der Grund für die immer wiederkehrenden, im Oberbauch diffusen Schmerzsignale.

Eigentlich Diagnose Magen

Ich hatte zuerst den Magen im Verdacht, vor Wochen. Denn die Schmerzen deuteten zunächst im Bereich des Solar Plexus auf diese Lokalisierung hin. Der Gastrologe machte sich zwar ein Bild und gab mir einen Befund inklusive Säurehemmern. Aber das brachte natürlich nichts, denn die Schmerzen kamen in kürzeren Abständen wieder bis hin zur akuten Gelbfärbung. Dann war es im Grunde schon fast klar, was Sache sein könnte.

Ab auf den OP-Tisch ohne Schnippelei

Einen Tag nach der Notaufnahme wurde auf endoskopischem Wege (sprich, eine Art erneute Magenspieglung) der Gallenausgang direkt untersucht. Hierbei werden Kontrastmittel in die Gallenwege verabreicht, sodass sich der Chefarzt nicht nur ein Bild anhand der Minikamera machen, sondern auch die gesamten Kanalstrukturen am Röntgengerät überschauen konnte. Mittels eines Körbchens wurde das Gallensteinchen entfernt und fertig war die Geschichte. Von wegen, Bauch aufschneiden wie früher. Die Eingriffe sind heutzutage dermaßen minimal-invasiv, dass man dem Fortschritt nur dankbar sein kann. Hier war kein Schnitt nötig. Glück gehabt, denn man kommt nicht immer um eine echte OP herum. So war ich bereits nach einem Tag gefühlt fit, ganz ohne Schmerzen oder Komplikationen. Drei Tage später waren auch die entsprechenden Blutwerte wieder auf dem Sinkflug gen Normalbereich. Die Entlassung kam gefühlt sehr schnell.

Narkose und Blackout

Ach ja, eine Sache war wirklich ulkig! Nicht einmal eine Stunde nach dem Eingriff wachte ich auf und erblickte meinen Doc, wie er am PC seinen Behandlungsbefund dokumentierte. Eigentlich war ich voll da, ohne Wehwehchen noch Kopfschmerzen. Die erste halbe Stunde war alles gut. Danach hatte ich eine Art Blackout für wohl rund 60 Minuten. Was auf die Narkose zurückzuführen ist. So wusste ich nicht mehr, dass ich meine Familie angerufen hatte, um sie über den Verlauf zu informieren. Angeblich sei ich mental klar wie Hühnerbrühe gewesen, erzählten sie mir auf Nachfrage. Kein schleppendes Wort, nichts. Aber ich konnte mich partout nicht mehr daran erinnern. Das Telefonprotokoll am Smartphone sagte mir aber, dass ich drei Anrufe getätigt hatte. Witzig!

Hauptsache richtige Diagnose, nicht irgendeine

Wie dem auch sei, nicht nur mein Chefarzt wunderte sich, auch ich fragte mich, warum mein Gastrologe nicht mehr diagnostische Obacht hatte walten lassen? Immerhin verfügt auch er über die notwendigen Gerätschaften, um eine Lokalisierung vorzunehmen. Gerade weil der Bauch ein komplexes Nervensystem besitzt, kann der Patient sehr oft keine genaue Verortung der Schmerzquelle vornehmen. Zumal im Rahmen der Gemeinschaftspraxis des Gastrologen sämtliche Diagnose-Angebote für den Bauchbereich abgedeckt werden.
Nein, ich bin nicht wirklich sauer. Ich hätte mir nur die Warterei bis zum akuten Einliefern ins Krankenhaus schenken können. Wäre ich selbst nach dem Ausschlussverfahren vorgegangen, was Ursache der diffusen Schmerzen sein könnte und was nicht. Ich werde noch mit dem Gastrologen reden, sobald er aus dem Urlaub zurück ist. Vielleicht hilft es anderen Patienten, damit eine erweiterte Diagnostik gefahren werden kann.

Krankenhäuser – Schreckenshäuser?

Ich muss eines vorwegschicken: Ich war nach 49 Lebensjahren erstmalig im Krankenhaus! Daher beschränken sich meine Erfahrungen als Patient auf die wenigen Tage. Was soll ich sagen? Ich war sehr angetan, sowohl vom Service, dem Essen, dem wirklich sehr freundlichen Personal, von angehenden Ärzten (denen ich gerne beim Pieksen behilflich war, wenn sie nicht gleich die passende Vene zwecks Blutabnahme finden konnten) zu den praktizierenden Ärzten bis hin zu dem Pflegepersonal. Absolut 1a! Klar, natürlich hatte ich das Glück, nicht in den Genuss einer echten OP zu kommen. Dank Technik scheint sich hier irre viel getan zu haben. Riesige Narben adé! Auch was die Gefahr von Komplikationen angeht, ist es schön zu sehen, dass mehr und mehr Behandlungsmethodiken Einzug halten, die mit weniger Risiken auskommen. Gott, nein! Ich wäre nicht gerne länger geblieben. Draußen ist es schöner. Dennoch, ich war rundum versorgt, zufrieden und happy mit all den Umständen.

Damals

Das habe ich ganz anders in Erinnerung. Denn schon als Kind wuselte ich gerne im Krankenhaus zwischen den Beinen der Ärzte und Krankenschwestern herum. Meine Mutter war Krankenschwester, direkt daneben war mein Kindergarten. Es war mir ein Abenteuer und ich war unfassbar neugierig auf das Wissen der Ärzte und der Pfleger. Ich war von den Abläufen regelrecht fasziniert. Natürlich war damit mein Wunsch schon als Kind geprägt, unbedingt Arzt zu werden. Was ich aber sagen will: Die Technik war damals – vor rund 45 Jahren – auf einem anderen Stand. Die Zimmer waren mit sechs Personen standardmäßig belegt. Von wegen, zwei Personen pro Zimmer wie heute. Das Essen war eine andere Nummer. Heute erscheint mir alles meilenweit professioneller. Vielleicht hätte ich doch Arzt werden sollen, wer weiß. Als ich erwachsener wurde, erschien mir sowohl die Lehre, die Technik aber auch die Art von Personalführung (sagen wir ruhig, dass es damals sehr militärisch zuging) nicht meinem Verständnis von Medizin und Pflege zu entsprechen. Nur, wer kann schon so weit in die Zukunft blicken? Mit 18 Jahren vermochte ich das nicht so optimistisch zu sehen. Damals sagten mir alle Ärzte, dass ich lieber die Finger davon lassen soll. Es wäre ein beinharter Job, eine ewig lange Ausbildung, miese Aussichten und miese Bezahlung obendrauf. Tja. Aufs Herz oder auf den Verstand hören?
Robert Basic

von

Seine Passion sind Menschen, sein Antrieb ist die Neugier.

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