Hände waschen, bitte!

Elektronische Nase gegen Krankenhauskeime

MRSA verbreiten sich in Kliniken und kosten einige Menschen mit geschwächtem Immunsystem das Leben. Dabei dämmt die richtige Handhygiene die Bakterien ein. Eine elektronische Spürnase hilft jetzt dabei.

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Arzt wäscht sich die Hände

Kampf den gefährlichen MRSA-Bakterien: Öfters die Hände waschen!

Krankenhauskeime sind für Menschen gefährlich, deren Immunsystem wegen einer Krankheit oder Operation geschwächt ist. Gefürchtet ist vor allem MRSA – der Methicillin-resistente Staphylococcus aureus. Gegen diese Bakterien sind viele gängige Antibiotika machtlos, sie wirken nicht mehr. Dabei haben es Ärzte und medizinisches Personal in Krankenhäusern selbst in der Hand, die Verbreitung der Keime einzudämmen. Die einfachste Maßnahme: Hände waschen! Das Frankfurter Startup „"HyHelp“" entwickelte jetzt eine elektronische Nase, welche die Händehygiene in Kliniken überwacht und verbessert. Ein Sensor erkennt, wie häufig sich Mitarbeiter die Hände desinfizieren, und dokumentiert, wenn es um die pflegenden Hände schlecht bestellt ist. Ärzte des Heliosklinikums Wuppertal testen die Spürnase für Keime derzeit in einem Pilotprojekt.

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MRSA-Schutz: Bessere Handhygiene dank elektronischer Supernase

Klinikmitarbeiter tragen tagsüber ein kleines Gerät bei sich. Über einen Alkohol-Sensor erkennt es, zu welchem Zeitpunkt die Hände eine Keimdusche bekommen haben. Desinfiziert sich ein Mitarbeiter die Hände, beginnt ein grünes LED-Licht zu blinken. Eine Sekundenanzeige zählt hoch, bis 30 Sekunden erreicht sind. So lange sollte die Händedesinfektion nämlich dauern, rät die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Ist dies geschafft, leuchtet die LED-Anzeige dauerhaft grün.
Zudem bekommen die Mitarbeiter eine Rückmeldung, wenn die Handhygiene stimmt: Im Display erscheint ein Lob "good", also gut gemacht. Auch die Anzahl der täglichen Desinfektionen ist im Fenster sichtbar. Die elektronische Nase ermuntert und motiviert Ärzte, Krankenschwestern und Pfleger, besser auf die Handhygiene aufzupassen. Erst danach widmen sie sich ihren Patienten, jetzt aber mit sauberen Händen ohne Bakterien und andere Keime.

Bei der Hygiene zählt der Teamgedanke

Nur der Anwender selbst bekommt eine individuelle Auswertung über die Anzahl des Händewaschens, denn die Supernase setzt auf Eigenverantwortung. Dennoch spielt der Gemeinschaftsgedanke eine wichtige Rolle. Die Statistik zeigt, wie gut eine Station jeweils abgeschnitten hat, und diese Daten kommunizieren Ärzte im Team. So steht nicht ein einzelner Mitarbeiter am Pranger, sondern der Erfolg der gesamten Stationsmannschaft zählt. Die elektronische Nase schärft die Wahrnehmung aller, dass keimfreie Hände für andere lebensrettend sind.
Vielleicht ist das Pilotprojekt wegweisend für andere Kliniken, hoffen die Initiatoren. Dann schlägt Technik die gefährlichen Krankenhauskeime, nicht mehr der Mensch alleine. Forscher haben ausgerechnet, dass eine verbesserte Händehygiene in Kliniken die Ansteckung mit multiresistenten Keimen um bis zu 40 Prozent reduziert. Damit wären die geschwächten Patienten besser vor Infektionen geschützt.

Viele Antibiotika sind gegen MRSA wirkungslos

Staphylococcus aureus kommt auf der Haut vieler gesunder Menschen vor. Manchmal entwickeln diese Bakterien eine Unempfindlichkeit gegenüber dem Antibiotikum Methicillin und vielen anderen Antibiotika – sie werden resistent. Methicillin-resistente Staphylococcus aureus, kurz MRSA, sind weltweit verbreitet. Sie besiedeln auch gesunde Menschen, die allerdings nicht erkranken, weil ihr Immunsystem die Bakterien in Schach hält. Ärzte schätzen, dass es sich bei etwa 20 Prozent aller in Krankenhäusern untersuchten Staphylococcus aureus um MRSA handelt. Als Ursache für die steigenden Zahlen resistenter Keime machen Forscher den hohen Antibiotikaeinsatz verantwortlich.
Gefährlich sind MRSA vor allem für Patienten in Kliniken, deren Immunsystem geschwächt ist. Dort stecken sich auch die meisten Menschen mit dem Keim an, wenn Kliniken Patienten aufnehmen, die mit MRSA infiziert sind. Die Bakterien übertragen sich von Mensch zu Mensch über die Hände, etwa beim Kontakt mit medizinischem Personal. Auch verunreinigte Gegenstände, etwa Türkliniken, Handläufe oder Katheter, sind potenzielle Infektionsherde. Träger von MRSA infizieren sich manchmal sogar selbst, zum Beispiel, wenn sie offene Wunden mit kontaminierten Händen berühren.

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Darum sind MRSA so gefürchtet!

MRSA bewohnen vor allem die Nase und den Rachen, aber auch die Achseln oder die Leistengegend. Die Bakterien sind äußerst widerstandsfähig und überleben Monate, wenn sie sich einmal eingenistet haben. Die resistenten Keime befallen die Haut und rufen Geschwüre, eitrige Abszesse oder Wundinfektionen hervor, besonders nach Operationen. Zudem verursachen sie eine Harnwegsinfektion, Lungenentzündung oder Blutvergiftung (Sepsis). Nach Angaben des Robert Koch-Instituts infizieren sich jährlich in Deutschland 400.000 bis 600.000 Patienten im Krankenhaus mit verschiedensten Keimen - etwa 10.000 bis 15.000 sterben an der Infektion.
Schon gewusst? Kliniken in den Niederlanden haben ein verblüffend einfaches Rezept gegen Klinikkeime: Sie testen alle eingelieferten Patienten zuerst auf MRSA. Ist ein Mensch infiziert, isolieren ihn die Ärzte von anderen und verhindern so, dass sich die Keime ausbreiten.

Desinfektionsmittel

Ingrid Müller

von

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