Interaktive Therapie mit Unterhaltungswert?

Dig Rush soll Sehschwäche spielerisch verbessern

Neue Behandlungsmethode bei Amblyopie: Patienten mit dieser Augenkrankheit könnten bald dank eines medizinischen Videospiels mit einer kürzeren Behandlungszeit rechnen. Dig Rush soll zudem alle Funktionen der Augen verbessern; zurzeit erfolgt die Therapie-Freigabe in den USA.

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Screenshot des Dig-Rush-Videospiels

Das Videospiel Dig Rush für Amplyopie-Patienten soll die Kombinationsfähigkeit beider Augen wiederherstellen sowie dreidimensionale Wahrnehmung und die Sicht des schwachen Auges verbessern.

Eine Kooperation zwischen den amerikanischen Unternehmen Ubisoft und Amblyotech bringt Bewegung in die konventionelle Behandlung von Amblyopie. So heißt die Schwachsichtigkeit eines organisch eigentlich gesunden Auges – oder auch Sehschwäche, häufig durch Schielen hervorgerufen.
Damit du räumlich sehen kannst, müssen deine Augen auf dieselbe Stelle gerichtet sein. In beiden Augen entsteht dabei jeweils ein geringfügig anderes Bild. Dein Gehirn verwebt normalerweise beide zu einem Eindruck und ermöglicht so das räumliche 3D- oder auch Tiefensehen. Schwachsichtigkeit kann zum Beispiel bei Menschen entstehen, die als Kind auf einem Auge geschielt haben: Ihre Sehachsen treffen nicht auf dieselbe Stelle. Das Gehirn kann sie nicht richtig miteinander verweben; eine räumliche Wahrnehmung ist nicht mehr möglich. Stattdessen entstehen störende Doppelbilder.

Videospiel Dig Rush: Schnelles Fördern der Augenfunktionen

Bislang müssen Patienten mit dieser Erkrankung zum Beispiel eine Augenklappe auf dem schwachen Auge tragen. Joseph Koziak ist CEO bei Amblyotech. Das Unternehmen hat sich auf die Entwicklung und Vermarktung neuer medizinischer Behandlungsmethoden via Smartphone und Tablet spezialisiert. Koziak: „Die aktuellen Behandlungsmethoden schaffen nur begrenzt Abhilfe und werden aufgrund mangelnden Komforts und sozialen Stigmas nur selten eingehalten."
Das kooperierende Unternehmen Ubisoft, das das Videospiel produzieren wird, verweist auf Studien mit Kindern und Erwachsenen: Bei etwa vier Stunden Behandlungszeit pro Woche hätten sich die Augenfunktionen der Patienten bereits nach vier Wochen deutlich verbessert.

Konventionelle Behandlungsmethoden und die Zukunft

Zum Vergleich: Beim Abdecken des Auges seien nach Angaben von Ubisoft erste Erfolge erst nach bis zu vier Monaten erkennbar. Auf die Augenabdeckung sollen Patienten mithilfe des Videospiels ganz verzichten können. Dabei tragen sie eine 3D-Brille, während sie versuchen, verschiedene Kontraststufen zu unterscheiden. Erfolge erzielten sie nur, wenn sie beide Augen einsetzten. Das Therapie-Spiel läuft interaktiv auf einem Tablet, medizinisches Fachpersonal wie Augenärzte und Optiker unterstützen die Patienten bei der Anwendung.
Nach Angaben des Spielproduzenten Ubisoft sei zur Therapieeinführung in den USA nur noch die Freigabe der Food and Drug Administration nötig – die Lebensmittelüberwachungs- und Arzneimittelzulassungsbehörde der Vereinigten Staaten. Sobald alle Genehmigungen eingeholt seien, werde diese Behandlung weltweit zur Verfügung stehen.

Über die Augenerkrankung

Wie viele Menschen an Amblyopie leiden, ist nicht genau bekannt: Die Angaben reichen von drei bis fünf Prozent der weltweiten Bevölkerung. Ungefähr vier bis sechs von 100 Kindern seien nach Angaben der Techniker Krankenkasse in europäischen Ländern wie Deutschland davon betroffen. Die Folgen, wenn die Erkrankung nicht behandelt wird: Erwachsene erhalten möglicherweise keine Fahrerlaubnis und können Berufe, die räumliches Sehen erfordern, nicht ausüben.
Wibke Roth

von

Wenn ich Texte verfasse, erfasse ich die Welt. Wenn ich laufe, erlebe ich sie. Ich arbeite als freischaffende Journalistin und Texterin sowie Fitness-, Reha- und Yoga-Trainerin im Herzen des Ruhrgebiets, oder manchmal auch auf Mallorca.

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