Druckwarnung am Fuß

Diabetisches Fußsyndrom: Schlauer Messstrumpf schützt!

Ein diabetisches Fußsyndrom ist unter Diabetikern und Ärzten extrem gefürchtet, weil die Amputation droht. Ein intelligenter Strumpf mit Sensoren will das jetzt verhindern.

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Mann mit bunten Strümpfen

Sind smarte Socken für Diabetiker der Fuß-Schutz der Zukunft?

Bei Diabetikern sind die Füße in Gefahr. Aufgrund der Nervenschädigungen, die im Lauf der Zuckerkrankheit entstehen, ist das Schmerzempfinden herabgesetzt und Diabetiker spüren selbst kleinste Verletzungen am Fuß nicht mehr. Diese entstehen zum Beispiel, wenn sie sich beim Barfußlaufen Wunden zuziehen oder zu enge Schuhe tragen und sich so Druckstellen bilden. Gefährlich wird es, wenn Keime in die Wunde eindringen und Entzündungen auslösen. Forscher des Center Smart Materials CeSMa des Fraunhofer-Instituts für Silicatforschung in Würzburg entwickelten jetzt einen smarten Messstrumpf, der den Druck im Fuß kontinuierlich misst und Diabetiker vor der drohenden Gefahr im Fuß warnt. Ziel ist es, den Alltag der Zuckerkranken zu erleichtern und ihre Lebensqualität zu verbessern.

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Diabetischer Fuß: Sensoren übernehmen den Job der Nerven

Diabetes-Messstrumpf

Diabetes-Messstrumpf mit Sensoren misst die Druckverhältnisse

Der schlaue Strumpf besitzt insgesamt 40 dünne Sensoren, welche die Druckverhältnisse am Fuß messen und konstant überwachen. So übernehmen die Sensoren die Aufgabe der Nerven, die normalerweise Druck und Schmerz registrieren. Der Druckmessstrumpf schlägt Alarm, wenn etwa die Schuhe zu eng sind oder Patienten mit Diabetes ihre Füße zu stark belasten. Bisherige Systeme nehmen nur den Druck auf der Unterseite des Fußes wahr. Der neue Strumpf besitzt aber Sensoren an der Sohle, der Ferse, dem Spann und dem Knöchel. Die Druckmessung erfolgt also dreidimensional, was herkömmliche Produkte nach Angaben der Entwickler bislang nicht leisten.
Die Sensoren bestehen aus einer stark dehnbaren, weichen Silikonfolie. Diese ist auf beiden Seiten mit Elektroden aus Graphit oder Ruß beschichtet. Die Folie lässt sich leicht durch Kleben in Textilien integrieren. Außerdem ist sie so dünn, dass sie den Tragekomfort nicht einschränkt und der Patient sie kaum spürt. Silikon ist zudem ein sehr hautfreundliches Material und übersteht Waschen und Desinfektionsmittel problemlos.

Diabetisches Fußsyndrom: Sensoren messen Druck am Fuß

Verformt sich die Folie bei Druck oder Dehnung, wird sie dünner und vergrößert gleichzeitig ihre Fläche. Dann erhöht sich die sogenannte elektrische Kapazität, die als Messgröße dient. Steht der Diabetiker beispielsweise längere Zeit auf einer Stelle, steigt die Druckbelastung. Sensoren erkennen das und schicken diese Information über leitfähige Fäden an eine Elektronik zur Auswertung. Sie ist wiederum drahtlos mit einem Smartphone oder Tablet verbunden und sendet ein Warnsignal. Alle Daten lassen sich speichern und grafisch darstellen. Auch für Ärzte ist der Messstrumpf von Vorteil, weil sie damit ein Diabetisches Fußsyndrom schneller erkennen und frühzeitig behandeln.
Der Strumpf hat 2017 den SilverStar Förderpreis für besondere Projekte erhalten, die für Diabetiker hilfreich sind. Das Geld fließt in die Weiterentwicklung des Strumpfes. Die Forscher haben das Ziel, die Sensoren noch dünner und damit bequemer für die Diabetes-Patienten zu machen. Zudem ist es geplant, die Elektronik zu miniaturisieren und zu optimieren: Sie wird abnehmbar sein und mit einem integrierten Akku eine längere Laufzeit von einigen Tagen besitzen.

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Diabetisches Fußsyndrom hat ernsthafte Folgen

Dauerhaft erhöhte Blutzuckerwerte bei Diabetikern schädigen nicht nur die Gefäße an den Nieren, Augen oder dem Herz, sondern auch an den Füßen – sie „verzuckern“ regelrecht. Auch viele Nerven am Fuß nehmen Schaden. Das diabetische Fußsyndrom bedeutet chronische Wunden oder Wundbrand am Fuß, verbunden mit Nerven-und Durchblutungsstörungen. Bis zu 40 Prozent der Patienten mit einem diabetischen Fußsyndrom haben eine Nervenerkrankung (Polyneuropathie). Die Betroffenen nehmen Schmerzen an den Füßen gar nicht oder nur eingeschränkt wahr. So führen schon kleine unebene Stellen oder der Druck des Schuhs auf den Fuß unbemerkt zu Druckgeschwüren, offenen Wunden oder Gewebeschäden.
Diabetes ist der häufigste Grund für eine Amputation der Zehen oder sogar des ganzen Fußes. Das diabetische Fußsyndrom ist eine gefürchtete Komplikation bei Diabetes, die den Gesundheitszustand der Patienten meist immer weiter verschlechtert und die Sterblichkeit stark erhöht. Der Schutz vor dem diabetischen Fußsyndrom ist deshalb enorm wichtig.

Blutzucker-Messgeräte

Ingrid Müller

von

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