Tückische Zuckerkrankheit

Diabetes – was du über die süße Gefahr wissen solltest

Kaum eine Zivilisationskrankheit breitet sich dermaßen drastisch aus wie Diabetes. Zum Weltgesundheitstag 2016 wurde darum Diabetes in den Vordergrund gestellt. Hier steht, was man unbedingt über Diabetes wissen sollte.

Datum:
Stethoskop

Diabetes ist eine schleichende Erkrankung, die schwere Folgen nach sich ziehen kann.

Die im Volksmund auch als Zuckerkrankheit bezeichnete Störung des Stoffwechsels ist sehr häufig eine schleichende Erkrankung, die man erst sehr spät diagnostiziert. Was sie zu einer tückischen Erkrankung macht, die schwere Folgen nach sich ziehen kann. In manchen Fällen erfolgt die Diagnose erst ein Jahrzehnt nach Ausbruch der ersten Stoffwechselprobleme. Daher ist auch die Dunkelziffer wie bei kaum einer anderen Krankheit unfassbar hoch. Diabetes-Forscher sind sich auf Basis von Studien einig, dass rund ein Drittel aller Diabetiker nichts von ihrem zunehmenden Problem wissen.

400 Millionen und kein Ende in Sicht

Schätzungen zufolge sind weltweit über 400 Millionen Menschen an Diabetes erkrankt, wovon rund ein Drittel nicht einmal etwas über ihren heimlichen Begleiter weiß. In Deutschland geht man von einer ähnlichen Relation aus. Unterschiedliche Studien kommen auf 5-8 Millionen Menschen, die unter der Zuckerkrankheit leiden. 1-2 Millionen wissen nichts davon. Und erfahren es leider erst dann, wenn die Krankheit einen schwereren Verlauf angenommen hat.

Galerie: Diabetes: Alles Wichtige rund um die Volkskrankheit

Gesundheitskosten explodieren

Natürlich geht die Zunahme dieser Volkskrankheit auch mit immens steigenden Kosten für die Gesundheitssysteme einher. Laut Untersuchungen der International Diabetes Federation (einer weltweiten Dachorganisation) beliefen sich die Ausgaben im Jahr 2015 alleine in Europa für rund 60 Millionen Diabetiker auf 140 Milliarden Euro. Allerdings beziehen sich diese Kosten auf 40 Millionen Diabetiker. 20 Millionen blieben unbehandelt. Da haben wir erneut das Dunkelzifferproblem.
Früher oder später werden auch diese 20 Millionen beim Arzt aufschlagen und sich über spürbare gesundheitliche Probleme beklagen, bis die Diagnose dann endgültig feststeht. Für das Gesundheitssystem bedeutet das nichts anderes, als für weitere 20 Millionen Diabetiker Kosten abdecken zu müssen. Untersuchungen haben hierbei ergeben, dass sich je nach europäischem Land die durchschnittlichen Behandlungskosten von wenigen Hundert Euro bis auf 10.000 Euro pro Jahr und Patient (in Luxemburg) hochschrauben können.
in Deutschland beliefen sich die Kosten der gesetzlichen Krankenkassen auf rund 20 Milliarden Euro im Jahr 2010. Auch hier ist eine deutliche Zunahme der Ausgaben zu verzeichnen. Warum aber nimmt diese Krankheit derart zu?

Diabetes ist eine Wohlstandskrankheit

Leider muss man das so sagen, ohne den Hauch einer Stigmatisierung gegenüber den Erkrankten aufkommen zu lassen. Sie ist der Preis für ein gemütlicheres Leben. Wir achten eben nicht immer auf unsere Ernährung. Die Lebensmittel, die wir zu uns nehmen, haben viel zu oft Unmengen an Zucker und anderen Stoffen in sich, die zu Übergewicht führen. Zucker versteckt sich in Brot, Zucker versteckt sich in Milchprodukten, Zucker versteckt sich in Müsli und auch Fruktose ist nicht gesund. Den Verlockungen der Werbeindustrie und der Discounter kann man sich kaum entziehen. Und wie viele Eltern haben wohlgemeint ihren Kinder den ach so gesunden Pausensnack zur Schule mitgegeben? Ohne den Namen in den Mund zu nehmen, aber welche Art von Flüssigschokolade preisen unsere Fußballnationalspieler seit Jahren in einem Werbespot an? Und welche Brause ist die mit Abstand bekannteste Produktmarke überhaupt? Bekannter sogar als Jesus? In der Tat!
Auf der anderen Seite sprechen wir nicht nur von Ernährungsproblemen. Auch ein eklatanter Mangel an Bewegung führt zu einem Diabetes fördernden Effekt. Das bequeme Leben am Computer für Kopfarbeiter? Das lange Sitzen im Büro? Das Entspannen vor der Glotze? All dies sind Faktoren, vor die uns Mediziner seit Jahren und Jahrzehnten warnen.
Aber kann das sein, dass alle Menschen mit Bewegungsmangel und Übergewicht Diabetes bekommen? Natürlich ist das keine eingebaute Automatik. Zu unterschiedlich ist der Körper und Geist eines jeden Menschen. Aber es gibt deutliche Anzeichen, wie Diabetes in einer bestimmten Form ursächlich entsteht und wie man die Krankheit sogar wieder stoppen kann. Was sehr eng mit Übergewicht und Bewegung gekoppelt ist!

Gibt es die eine Diabetes-Form?

Es gibt nie die eine Erkrankung. Ebenso wenig gibt es den Krebs, die Grippe, die Epilepsie. Die Krankheitsbilder, Diagnosen und Behandlungs- sowie Vorbeugemaßnahmen sind höchst unterschiedlich.
Was wir aber auf alle Fälle sagen können, ist, dass die eine Form von Diabetes tatsächlich und offen als Wohlstandserkrankung bezeichnet werden kann! Nicht etwa, um die Erkrankten bloßzustellen, sondern um die Möglichkeiten der vorbeugenden Maßnahmen aufzuzeigen, aber auch um das Bewusstsein dafür zu wecken, dass wir alle mehr tun können. Damit nicht wie im Jahr 2015 über 600.000 Menschen in Europa an den Folgen einer Diabetes sterben müssen.
Die Diabetes namens Typ 2 ist diejenige Form, die in über 90 Prozent aller Fälle diagnostiziert wird. Auffällig ist genau das, was wir bereits mehrfach deutlich angesprochen haben: Die meisten Patienten mit Typ 2 leiden an Übergewicht, Bewegungsmangel und Bluthochdruck. Die Forscher sind sich über diese Zusammenhänge einig. So zumindest der aktuelle Stand der Forschung. Nicht unerwähnt sei, dass über 60 Prozent der an Typ-2-Diabetes erkrankten Menschen über 60 Jahre und älter sind. Es ist demnach auch eine mit der steigenden Lebenserwartung einhergehende Krankheit. Doch die Zahl der Patienten, die jünger als 60 sind, nimmt stetig zu. Es ist demnach schon lange keine Alterskrankheit mehr. Ein Ratgeber auf eVivam zeigt, wie du die Symptome von Diabetes erkennst.
Was aber tun dagegen?

Heilungschancen und Vorbeugung

Es ist schon sehr erstaunlich, aber eine Gewichtsreduktion einhergehend mit einer Umstellung Richtung gesünderes Essen und mehr auf den Patienten abgestimmte Bewegungsaktivitäten führen tatsächlich zu einer Reduktion der Diabetes-Typ-2 Erkrankungen in rund 50 Prozent aller Fälle. Keine OPs, keine Medikamente? Nein, mit den modernen Behandlungsmethoden wird versucht, so lange es geht und natürlich je nach Stadium und Zeitpunkt der Diagnose auf Medikamente oder gar operative Eingriffe zu verzichten.
Gesünderes Essen, mehr Bewegung? Das ist schon alles? In vielen Fällen ja! In anderen Fällen wird auf eine geeignete Medikation zurückgegriffen, um den Heilungsprozess zu unterstützen oder wenn notwendig den Patienten so einzustellen, dass er wieder vernünftig leben kann. Denn auch darin ist man sich einig: Die Diabetes ist nicht nur eine Problematik des Stoffwechsels, sondern hat schwerwiegende Folgen für den Körper, wenn sie unbehandelt bleibt.

Weitere Diabetes-Formen

Auch bei den anderen Diabetes-Formen, wie der Typ-1-Erkrankung, ist man weltweit an breiter Front am Forschen. Im Gegensatz zur Typ-2-Diabetes macht diese nur rund 5 Prozent aller Diabetes-Erkrankungen aus. Die Typ-1-Diabetes tritt vor allem in jungen Jahren auf und begleitet die Betroffenen ein Leben lang. Daher ist hier der prozentuale Anteil der Kinder und Jugendlich deutlich höher als bei Typ 2. Soweit eine gesicherte Aussage überhaupt möglich ist, gilt bei Typ 1 die genetische Veranlagung als eine der Hauptursachen und ist damit auch als Folge von Erbkrankheiten zu betrachten. Wie genau welche Faktoren eine Rolle spielen, ist leider noch lange nicht geklärt. Solange gilt der Typ 1 als unheilbar und die Patienten müssen ihr Leben lang mit Medikamenten, wie beispielsweise Insulin, eingestellt werden. Dank der Erfindung der Insulin-Pumpe haben die Betroffenen ein großes Stück Lebensqualität zurückerhalten.
Die Gestationsdiabetes, umgangssprachlich auch Schwangerschaftsdiabetes genannt, ist eine der häufigsten Begleiterscheinungen einer Schwangerschaft, von der ungefähr zwei bis 12 Prozent aller Schwangeren betroffen sind. Die genaue Zahl der Betroffenen kann nur geschätzt werden, da auch diese Diabetes-Form oft unerkannt bleibt und dadurch eine Gefahr für die Mutter und das ungeborene Kind bedeutet. Glücklicherweise verschwindet diese Art Diabetes nach der Schwangerschaft meist wieder von allein.

Zusammenfassung

Diabetes ist eine der häufigsten Krankheiten weltweit. Die Zahl der daran Erkrankten nimmt weiterhin zu. Faktoren wie steigende Lebenserwartung, Übergewicht und Bewegungsmangel spielen eine große Rolle. Heilungschancen bestehen leider noch nicht für alle Patienten. Diagnoseproblematiken führen zu einer extrem hohen Dunkelziffer und damit zu verspäteten Behandlungen. Die Kosten für die Gesundheitssysteme nehmen durch die Zunahme der Erkrankungen deutlich zu. Das wäre die Sollseite.
Auf der Habenseite steht? Die Diagnostik wird verbessert, die Mediziner werden besser geschult, die Behandlungsmethoden werden ausgefeilter, moderne Techniken ermöglichen eine zunehmend schonende Überwachung der Erkrankungsverläufe und die Aufklärung der Bevölkerung wird immer besser. Das Bewusstsein ob des eigenen Körpers nimmt zugleich zu. Als Ergebnis beobachten wir weltweit eine Zunahme an Verkäufen von Fitnesstrackern und Fitness-Apps. Ebenso ist der Bedarf an gesunden Ernährungs- und Fitnessmöglichkeiten dramatisch gestiegen.
Was stets und immer gilt: Bleibt gesund. Und wenn nicht, werdet wieder gesund!

Bücher über Diabetes

Robert Basic

von

Seine Passion sind Menschen, sein Antrieb ist die Neugier.

Kommentare

Die Technik der Kommentarfunktion „DISQUS“ wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.