Was bewirkt der „Freuden-Chip”?

Depressionen: Letzte Hoffnung Hirnschrittmacher

Depressionen – und dann? Ein experimentelles Verfahren könnte selbst therapieresistenten Patienten helfen. Dabei sorgt ein „Hirnschrittmacher“ für eine tiefe Hirnstimulation mithilfe von Elektroden.

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Depressionen mit Hirnschrittmacher heilen

Der Gedanke an einen Hirnschrittmacher macht vielen Depressiven Angst. Doch es könnte die Lösung ihrer Probleme sein.

Als „potentiell revolutionär” sehen Experten das experimentelle Verfahren an, dass selbst scheinbar untherapierbar Depressiven helfen soll. Hierbei wird Betroffenen ein „Hirnschrittmacher” eingesetzt, der Depressionen „wegstimulieren” soll. Das Verfahren ist nicht ganz neu. Doch nun gibt es erste verlässliche Resultate.

Hirntiefenstimulation gegen Depressionen

Wer an Depressionen leidet und als „auskuriert” gilt, ist auch bereit für Experimente. Derzeit noch in der Studien-Phase: die tiefe Hirnstimulation. Dabei werden Patienten elektronische Neurostimulatoren tief ins Gehirn eingebettet. Die Elektroden werden durch kleine Löcher in den Schädel eingesetzt. Von dort aus werden feine Kabel verbunden mit dem chipgesteuerten Impulsgeber, dem eigentlichen „Hirnschrittmacher”. Er ist batteriebetrieben und wird unter der Haut (meist) im Brustbereich platziert. Der Hirn-Chip sendet nun dauerhaft elektrische Impulse, wodurch die anvisierte Hirnregion stimuliert oder deaktiviert wird.

Hilft der „Hirnschrittmacher” wirksam gegen Depressionen?

Zum Einsatz kam die tiefe Hirnstimulation erstmals bei Parkison- und Tourette-Erkrankten. Aber auch bei Depressionen wird das Verfahren inzwischen eingesetzt. Wie der „Hirnschrittmacher” im Detail wirkt, ist noch unklar. Doch es gibt bereits positive Resultate bei kleineren Gruppen Patienten, die als „auskuriert” galten. Auch Epilepsie, Zwangsstörungen und Cluster-Kopfschmerzen könnten damit jedoch wirksam behandelt werden.

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Depressionen behandeln mit alternativen Hirn-Chips

Laut einer aktuellen Studie im Fachmagazin „American Journal Psychiatry”, könnte auch ein anderer „Freudenschrittmacher” Depressiven helfen. Hierbei handelt es sich um ein ganz ähnliches Verfahren. Allerdings wird dabei der Vagus-Nerv stimuliert. Als einer der Hauptnerven in unserem Gehirn steht er unter anderem in Verbindung mit dem „Fight or Flight”-Modus und sorgt dafür, dass unser Körper negative Emotionen mit den Stresshormonen Adrenalin und Cortisol befeuert. Ebenso verhält sich der Vagus-Nerv aber auch bei psychophysiologischen Reaktionen auf positive Gefühle, also zum Beispiel einem Sicherheitsgefühl.

Therapie wird sich durch „Hirnschrittmacher” radikal verändern

Selbst wo traditionelle Therapieformen nicht helfen, zeigen Tiefenhirnstimulation und Vagus-Nerv-Stimulation positive Resultate. Experten setzen daher große Hoffnungen in die „Hirnschrittmacher”. Sie sollen nicht nur die Auswirkungen von Depressionen drosseln, sondern Patienten auch wieder empfänglicher für klassische Therapien machen. Denkbar ist sogar eine Behandlung ganz ohne Medikamente. Und das nicht nur bei Depressionen, sondern zum Beispiel auch Alzheimer, Migräne oder Morbus Crohn.

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Anja Schmidt

von

Redakteurin Connected World. Die 156 Apps auf meinem Smartphone nutze ich wirklich. Meine Schwäche: Gadgets und smarte Technik.