Kreativer Smartphone-Einsatz in der Forschung

Cell Scope: Das iPhone als Mikroskop für die Blutanalyse

Forscher machen das iPhone mittels eines kleinen Kastens zum Mikroskop. Die sogenannte „Cell Scope“-Technologie soll so in Blutproben bald selbstständig Parasiten und bestimmte Arten von Würmern erkennen.

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iPhone als Mikroskop für Blutproben

Das iPhone als Mikroskop-Ersatz: Mit Cell Scope sollen Forscher Blut-Parasiten schneller finden.

Spätestens seit dem Sommer 2014 ist Gesundheit für den iPhone-Hersteller Apple ein wichtiges Anliegen: Mit der Vorstellung von Health Kit wollte der Konzern die Datenerhebung der medizinischen Forschung erleichtern, indem er Forschern Zugriff auf die von Apple-Geräten gesammelten und anonymisierten Gesundheitsdaten von Millionen von Nutzern gab. Dass sich Apples Geräte auch ganz ohne Health Kit als medizinische Instrumente nutzen lassen, zeigt nun eine Gruppe von Wissenschaftlern. Sie bastelten aus einem herkömmlichen iPhone ein Mikroskop – und lassen es selbstständig Parasiten in Blutproben finden.

Per Bluetooth zum Mikroskop

Die von den Wissenschaftlern der Universität Berkeley „Cell Scope“ genannte Technologie soll vor allem in Afrika dabei helfen, schnelle Analysen von Blutproben zu ermöglichen, ohne auf ein vollständiges Labor angewiesen zu sein. Dafür spannt man das iPhone an einen aus einem 3D-Drucker stammenden Kasten. Er enthält eine Schiene zum Eingeben des Schlittens mit der Blutprobe, eine einfache Mechanik zum Scharfstellen sowie einen USB-Port. Per Bluetooth verbindet sich Cell Scope mit dem iPhone.

Automatische Analyse

Eine eigens entwickelte App lässt das iPhone einerseits die Mechanik des Kastens steuern, um ein klareres Bild zu erzeugen. Andererseits übernimmt sie auch die Analyse der Probe. Die App misst Bewegungen innerhalb der Blutprobe und erkennt so, wenn sich Parasiten im Blut befinden – etwa bestimmte Arten von Würmern. Die ganze Prozedur soll ab der Eingabe der Probe nur knapp zwei Minuten dauern.

Mehr Sicherheit bei der Diagnose

In seinem ersten großen Testlauf mit bis zu 40.000 Teilnehmern soll Cell Scope nun in Kamerun bei der Bekämpfung der Onchozerkose helfen. Die chronische Krankheit führt bei etwa 10 Prozent der Betroffenen zur Erblindung, der sogenannten Flussblindheit. Die Krankheit lässt sich gut behandeln, die Medikamente haben aber zum Teil starke Nebenwirkungen – eine Behandlung auf Verdacht ist also nicht ungefährlich. Die bisherige Methode, Krankheitsfälle zu erkennen, beruhte darauf, die Blutprobe unter einem Mikroskop zu betrachten und die Würmer selbst zu finden. Cell Scope erscheint als vielversprechende Möglichkeit, die hohe Fehleranfälligkeit der manuellen Zählung zu verringern.

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