Weltnichtrauchertag und Trojaner in E-Zigaretten

Dicke Luft: Allianz und BSI warnen vor E-Zigaretten

Zum Weltnichtrauchertag am 31. Mai zeigt die Allianz nicht nur allen Rauchern die rote Karte, sondern auch den E-Zigarettenkonsumenten.

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E-Zigaretten sind schädlich

E-Zigarettenkonsum gilt als schädlich. Die Frage ist: Um wieviel schädlicher?

Die gesundheitlichen Folgen, die Rauchen hat sind nicht wegzudiskutieren. Mit dem Rauchen aufhören ist alles andere als leicht. Die E-Zigarette gilt als Alternative, aber ohne Gefahren ist diese Art des Rauchens beileibe nicht. Die neueste Hiobsbotschaft kommt vom Bundesamt für Sicherheit und Informationstechnik (BSI). Demnach könnte sich auf einer E-Zigarette ein Trojaner verstecken, der beim Laden per USB den Rechner befällt. Und auch die Allianz lässt kein gutes Haar an der E-Zigarette und feuert den E-Zigaretten-Rauchern einen Warnschuss vor den Bug der Raucherlunge. Sie werden genauso teuer abgerechnet wie Raucher von üblichen Zigaretten.

Die Allianz rechnet vor

Ein 30-jähriger kaufmännischer Angestellter muss als Nichtraucher für eine Risikolebensversicherung der DLVAG mit 20 Jahren Laufzeit und einer Versicherungssumme von 100.000 Euro rund 6 Euro im Monat aufwenden. Mehr als drei Mal so viel werden für den rauchenden Vergleichskunden fällig: Der Monatsbeitrag steigt dann auf über 20 Euro im Monat.
Rechnen wir das kurz aus:
  • Ein Nichtraucher zahlt über 20 Jahre: 1.440 Euro
  • Ein Raucher / E-Zigarettenraucher zahlt: 4.800 Euro
  • 20 Jahre interessieren sowieso niemanden.
  • Also anders gerechnet: Bei einem monatlichen Preisunterschied von rund 14 Euro macht das für einen Raucher lediglich zwei Päckchen à 7 Euro oder rund fünf übliche Tankladungen für die E-Zigarette à 5 Euro aus.
  • Schreckt das nun Raucher ab, nur weil die Allianz mit einer höheren Risikoprämie droht?

Wann ist man Raucher?

Versicherungstechnisch gesehen spricht die Allianz von: „...gilt als Nichtraucher, wer in den letzten zwölf Monaten vor Antragsstellung auf eine Versicherung aktiv kein Nikotin durch Rauchen zu sich genommen hat und auch beabsichtigt, in Zukunft Nichtraucher zu bleiben. Der Begriff Rauchen meint hier das Konsumieren von Tabak unter Feuer, beispielsweise den Genuss von Zigaretten, Zigarillos, Zigarren oder Pfeifen. Aber auch die Zuführung von Nikotin unter Verwendung von elektronischen Verdampfern, also der Konsum sogenannter E-Zigaretten, wird vom Raucherbegriff erfasst, denn Nikotin ist ein Körpergift.
Ergo (hach, ein Wortwitz)? Wer seine E-Zigaretten mit Liquiden befüllt, die kein Nikotin enthalten, gilt als Nichtraucher!

Sind E-Zigaretten schädlich?

Wie schädlich die Liquids einer E-Zigarette sind, steht noch nicht fest. Langzeitstudien liegen bislang keine vor. Trotz dieser unbekannten Risiken glauben einige Wissenschaftler, dass sie weniger schädlich sind als Tabak. Mediziner um den Pharmakologen David Nutt vom Imperial College in London kamen im Fachmagazin „European Addiction Research“ zu dem Ergebnis, dass das gesundheitliche Risiko bei der E-Zigarette im Vergleich zu normalen bei rund vier Prozent liegt. Nikotinersatztherapien mit Kaugummi, Pflaster oder Sprays liegen bei zwei Prozent.
Wie erklären sich diese Zahlen? Das Imperial College hat diverse Arten von Tabakkonsum nach gewichteten Risikofaktoren (Suchtgefahr, Inhaltsstoffe, Schaden für die Umwelt, Sterblichkeitsraten, und andere Faktoren) bewertet. Auf einer relativen Skala haben handelsübliche Zigaretten den Maximalwert von 100 Risikopunkten. E-Zigaretten kamen auf einen Risikowert von vier Punkten relativ zu den Zigaretten (100 Punkte). Nikotinpflaster waren mit zwei Risikopunkten bewertet worden.
Risikotabelle

Die Risikobewertung des Imperial College in London von Tabakkonsum, auf einer relativen Skala von 100 Risikopunkten (=Zigaretten) bis herunter zu E-Zigaretten („ENDS“) und Nikotinpflastern („Patch“).

Quelle: Fachmagazin „European Addiction Research“, Vol. 20, No. 5, 2014

Andere sind von der Harmlosigkeit der E-Zigarette weniger überzeugt. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung warnt, dass bereits wenige Züge die Lunge schädigen können. Die Risiken reichen von „trockenem Husten“ bis hin zu „ausgeprägten Atemwegsreizungen“. Forscher der Portland State University im US-Bundesstaat Oregon stellten fest, dass die empfohlenen Höchstwerte für Aromastoffe auch bei normalem Gebrauch von E-Zigaretten deutlich überschritten werden, was zu Atemwegsbeeinträchtigungen führt.

Ist die Warnung der Allianz fair?

Wenn das gesundheitliche Risiko bei E-Zigaretten tatsächlich deutlich niedriger liegen sollte, wäre eine solche Prämienfestsetzung der Allianz (6 gegenüber 20 Euro) ungerecht! Aber gut, wir haben einen freien Markt. Niemand ist gezwungen, das Angebot der Allianz anzunehmen, wenn man E-Zigaretten mit Tabakliquiden konsumiert.

Raucher, das gejagte Völkchen

Ärgerlicher ist dann schon die Entscheidung des Gesetzgebers, dass von nun an Schockbilder auf den Zigarettenpackungen abzubilden sind. Früher wollte uns die Werbung weismachen, dass Kinder ihren Papas im Chefsessel die Kippe anzünden. Das war einmal. Heute würde die werbende Firma von Medien und der Gesellschaft dafür verprügelt werden. So ändern sich die Zeiten eben. Überall sind Nichtraucherzonen eingerichtet, damit Raucher ihre Umgebung nicht einnebeln. Selbst auf der Arbeit gehen immer mehr Firmen dazu über, Raucherpausen von der Arbeitszeit abzuziehen.
Letztlich gibt es nur einen Weg, jeder Raucher weiß das: „Nikotinentzug: Das passiert beim Rauchstopp im Körper“.

Galerie: Fünf beliebte Apps, um mit dem Rauchen aufzuhören

Nikotinpflaster

Robert Basic

von

Seine Passion sind Menschen, sein Antrieb ist die Neugier.

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