Lidl und Kaufland ziehen nach

Aldi Süd dreht Lebensmittel-Zulieferern den Öl-Hahn zu

Aldi ist für seine Marktmacht und Preisdiktate bei seinen Zulieferern bekannt. Der Lebensmitteldiscounter Aldi Süd dreht jetzt der Lebensmittelwirtschaft den Öl-Hahn zu. Er verlangt von Lieferanten Lebensmittel ohne Mineralölverunreinigungen – und andere Handelsketten folgen.

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Aldi Süd dreht Lebensmittel-Eigenmarken Öl-Hahn zu

Aldi Süd verlangt von seinen Lebensmittel-Zulieferern für Eigenmarken, dass Lieferungen frei von Mineralöl-Rückständen sind.

Alle Lebensmittel, die als Eigenmarke von Aldi Süd verkauft werden, müssen in Zukunft frei von gefährlichen Mineralölverunreinigungen sein. Das hat der Discounter schriftlich von seinen Zulieferbetrieben verlangt. Der Konzern begründet das in einem Schreiben an eben diese unter anderem damit, dass ihnen die gesundheitliche Unbedenklichkeit von Lebensmitteln ein zentrales Anliegen sei.

Aldi Süd macht damit ein großes Fass auf

Der Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde e.V., kurz BLL, fordert Aldi Süd als Lobbyverband auf, seine Forderungen zurückzunehmen. Die Begründungen: U.a. seien bereits Materialverbesserungen vorgenommen worden.
Mit seiner Forderung widerspricht der Verband aber prinzipiell auch der Risikoeinschätzung der Europäischen Lebensmittelsicherheitsbehörde EFSA und dem deutschen Bundesinstitut für Risikobewertung BfR, die auf das krebserregende und erbgutschädigende Potenzial gewisser Mineralölverunreinigungen verweisen. Die Bedeutung des Aldi-Süd-Schreibens liegt aber auch darin, dass Edeka, Rewe und Co. folgen könnten. Die Verbraucherschutzorganisation foodwatch fordert das sogar. Sie hatte beide Schreiben zum Wochenende öffentlich gemacht.

Update (27. Juli): Auch Lidl und Kaufland machen mit!

Lidl und Kaufland sind die ersten, die Aldi Süds Vorbild folgen und ihren Herstellern ebenfalls den Ölhahn zudrehen. Beide Konzerne akzeptieren in Zukunft keine bestimmbaren Verunreinigungen aromatischer Mineralöle in ihren Eigen-Produkten. Lieferanten der Eigenmarken unterliegen nun strikten Vorgaben, erklärten Sprecherinnen der Händler gegenüber foodwatch.

Hintergrund: MOSH und MOAH

Bestimmte Mineralölbestandteile wie gesättigte Mineralölkohlenwasserstoffe (MOSH) und zu einem geringeren Anteil aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe (MOAH) können sowohl in pflanzliche als auch in tierische Lebensmittel gelangen; etwa beim Anbau, bei der Ernte, während der Lagerung, der Verarbeitung oder der Produktion. Sie können über den Karton in die Lebensmittel gelangen. eVivam hatte vor ein paar Monaten bereits berichtet, dass Foodwatch in eigenen Analysen Mineralöl in deutschen Lebensmitteln wie Cornflakes und Reis nachgewiesen und funktionelle Barrieren in Umverpackungen gefordert hat.

Galerie: Lebensgefährliche Lebens- und Genussmittel

So viel Mineralöl hast du in deinem Körper

Experten, so ein Hintergrundbericht von Foodwatch, gingen davon aus, dass jeder Mensch im Durchschnitt etwa ein Gramm Mineralöl im Körper trägt. Mineralöle stellten somit die mengenmäßig größte Verunreinigung im menschlichen Körper dar. Altpapier-Verpackungen seien eine der Hauptquellen für den Übergang von Mineralöl auf Lebensmittel.
Wibke Roth

von

Wenn ich Texte verfasse, erfasse ich die Welt. Wenn ich laufe, erlebe ich sie. Ich arbeite als freischaffende Journalistin und Texterin sowie Fitness-, Reha- und Yoga-Trainerin im Herzen des Ruhrgebiets, oder manchmal auch auf Mallorca.

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