Zitterpartie

iPROGNOSIS: Parkinson-App erkennt Schüttellähmung früher

Bei Menschen mit Parkinson gehen Nervenzellen im Kopf zugrunde, die den Botenstoff Dopamin produzieren. Die App iPROGNOSIS erkennt die Erkrankung in einem frühen Stadium. Das erleichtert die Therapie.

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Lachender Mann mit 40

Die Parkinson-App iPROGNOSIS richtet sich an gesunde Männer und Frauen ab 40!

Zittern, steife Muskeln und langsame Bewegungen: Diese typischen Parkinson-Symptome zeigen sich meist erst, wenn die Schüttellähmung fortgeschritten ist. Zu diesem Zeitpunkt ist aber schon ein Großteil jener Nervenzellen im Gehirn zugrunde gegangen, die den Botenstoff Dopamin herstellen. Diese Nervenzellen befinden sich in der Schwarzen Substanz, der Substantia nigra. Die Parkinson-App iPROGNOSIS möchte Patienten mit Schüttellähmung in Zukunft früher ausfindig machen. Damit seien Behandlungen möglich, welche die Nervenzellen schützen und deren Untergang bremsen, hoffen die App-Entwickler der Hochschulmedizin Dresden. Die App, die Teil eines europäischen Forschungsprojektes ist, richtet sich an alle gesunden Männer und Frauen ab 40 Jahren. Auch Patienten, die Parkinson im Frühstadium haben, sind angesprochen.

iPROGNOSIS: App analysiert Sprache und Bewegungen

iPROGNOSIS

Bewegen und sprechen: So funktioniert die Parkinson-App iPROGNOSIS

Parkinson beginnt meist schleichend mit unspezifischen Beschwerden, bei denen wohl die meisten nicht gleich an Parkinson denken. Bekannt ist, dass Patienten schon viele Jahre vor dem Ausbruch des Parkinson unter einer Vielfalt an Symptomen leiden: Störungen des Geruchsempfindens, Stimmungsschwankungen, Schlafstörungen, Albträume, leise Sprache, Magen-Darm-Probleme wie Verstopfung, Müdigkeit und Abgeschlagenheit. Diese Parkinson-Anzeichen, die nichts mit gestörten Bewegungsabläufen zu tun haben, sind für eine frühe Diagnose entscheidend.
Die App iPROGNOSIS sammelt zunächst mit der Zustimmung der Nutzer jede Menge Daten, die sie über den Umgang der Anwender mit dem Smartphone generiert. Sie analysiert zum Beispiel verschiedene Bewegungsmuster und die Sprachqualität. Stellt die App Auffälligkeiten fest, sagt sie dem Nutzer Bescheid und ermuntert ihn, möglichst zeitnah einen Arzt aufzusuchen. Die App bietet zudem an, mit einem Parkinson-Spezialisten der Universitätsklinik Dresden Kontakt aufzunehmen und sich auf die Schüttellähmung hin untersuchen zu lassen. Ziel ist es, potenzielle Parkinson-Kandidaten schneller als bisher zum Arzt zu lotsen. Nur dann sei es möglich, die Nervenzellen bis zu einem gewissen Grad vor dem Untergang zu schützen, sagen die Forscher.

Parkinson lässt sich bremsen

Wenn Menschen aufgrund motorischer Probleme einen Arzt aufsuchen, sind schon 60 bis 80 Prozent der dopaminproduzierenden Nervenzellen in der Schwarzen Substanz abgebaut. Dopamin ist ein Nervenbotenstoffe, der für den reibungslosen Ablauf von Bewegungen unabdingbar ist. Die häufigsten Symptome des entstandenen Dopaminmangels sind Zittern in Ruhe, Muskelsteifigkeit, verlangsamte Bewegungen und Bewegungsarmut. In diesem Parkinsonstadium versuchen Neurologen, die Beschwerden durch verschiedene Therapien zu lindern. Am wichtigsten sind Medikamente wie L-Dopa, aber auch Sport, Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie. Vielen Patienten gelingt es, noch lange selbstständig zu bleiben und ihren Alltag zu bestreiten – und das bei guter Lebensqualität. Parkinson ist ein lebenslanger Begleiter und nicht heilbar, aber das Fortschreiten der Krankheit lässt sich bremsen.

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Schüttellähmung trifft auch Jüngere

Nach Alzheimer ist Parkinson die wichtigste neurodegenerative Erkrankung. In Deutschland leiden schätzungsweise 250.000 Menschen an der Schüttellähmung. Männer und Frauen erkranken etwa gleich oft. Meist tritt die Krankheit nach dem 55. Lebensjahr auf. Etwa zehn Prozent der Patienten bekommen Parkinson allerdings schon vor dem 40. Lebensjahr. Allgemein klettert das Erkrankungsrisiko mit zunehmendem Alter. Aufgrund der steigenden Lebenserwartung prognostizieren Ärzte, dass sich die Zahlen der Parkinson-Patienten bis zum Jahr 2030 verdoppeln wird.
Tipp! Die App iPROGNOSIS gibt es für Android-Smartphone. Laden Sie diese kostenlos im Google Play Store herunter.

Parkinson-Bücher

Ingrid Müller

von

Journalismus, Medizin und Gesundheit sind echte Faibles. Es geht immer darum, medizinisches Kauderwelsch für Patienten und medizinische Laien verständlich, aber auch spannend zu machen.