EKG im Smartphone

Unregelmäßiger Herzschlag: App "Heartbeats" deckt ihn auf

Ein unregelmäßiger Herzschlag bleibt oft unentdeckt. Manchmal mündet das Herzstolpern in einen Schlaganfall. Die App „Preventicus Heartbeats“ prüft, ob das Herz außer Takt geraten ist.

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EKG mit Zacken

Unregelmäßiger Herzschlag: Die App "Heartbeats" spürt Herzrhythmusstörungen auf

Das Herz schlägt nicht immer wie ein Uhrwerk. Bei fast jedem Menschen gerät der Körpermotor im Lauf des Lebens einmal außer Takt. Stress, Aufregung, Angst oder Freude lassen das Herz schneller schlagen. Meist ist ein unregelmäßiger Herzschlag harmlos. Wenn Sie sich wieder beruhigen, pocht auch das Herz weniger stark. Manchmal ist ein unregelmäßiger Herzschlag jedoch gefährlich. So gehört das Vorhofflimmern – eine wichtige Form von Herzrhythmusstörungen – zu den häufigen Gründen für den Schlaganfall. Oft kommt das Herzstolpern aus heiterem Himmel und bleibt unbemerkt, bis es zu spät ist. Denn das Vorhofflimmern begünstigt die Entstehung von Blutgerinnseln. Diese blockieren und verschließen möglicherweise ein Gefäß – ein Hirninfarkt entsteht. Die App „Preventicus Heartbeats“ des Jenaer Startups Preventicus will das jetzt verhindern. Sie prüft innerhalb von Minuten, ob das Herz aus dem Rhythmus geraten ist.

Galerie: Pulsmesser-Apps

Unregelmäßiger Herzschlag: Ampel zeigt "„rot“"

App Preventicus Heartbeats

Wie regelmäßig ist Ihr Herzrhythmus? Das Ampelsystem hilft bei der Einordnung

Nutzer überprüfen mit der App überall und zu jeder Zeit den eigenen Herzrhythmus mit dem Smartphone. Der Blitz der integrierten Kamera strahlt in die Fingerkuppe ein und die Kamera filmt die Pulswelle. Preventicus Heartbeats erstellt daraus eine Analyse des Herzrhythmus. Anhand der aufgezeichneten Pulskurven erkennen Sie und Ihr Arzt mögliche Herzrhythmusstörungen. Die Anwendung arbeitet mit einem Ampelsystem mit Grün für „alles in Ordnung“, Gelb für „leicht unregelmäßiger Herzschlag, mehr als fünf Prozent Extraschläge, gelegentlich beim Arzt abklären lassen“ und Rot für „äußerst unregelmäßiger Herzschlag, Verdacht auf Vorhofflimmern“. In diesem Fall lautet die Handlungsempfehlung: Ohne Behandlung haben Sie ein hohes Risiko für einen Schlaganfall – gehen Sie zeitnah zum Arzt! Ergänzend sagt Ihnen das Smartphone, wenn Ihre Herzrate dauerhaft zu niedrig oder zu hoch ist.
Damit die Nutzer keinen Daueralarm erhalten und nervös werden, zeigt die App zwar gelegentliches Herzstolpern an, aber die Ampel bleibt trotzdem grün. Nur wenn der unregelmäßige Herzschlag tatsächlich medizinisch relevant ist, sagt Ihnen die App, was zu tun ist. Gedacht ist die App für Personen, die schon einmal Herzrhythmusstörungen hatten.

Herzrhythmusstörungen: EKG aus Smartphone als PDF verschicken

Die Preventicus Heartbeats-App gibt es als kostenlosen Schnelltest, der eine Minute dauert. Die Vollversion ist dagegen kostenpflichtig (ca. 28 Euro pro Jahr). Sie beinhaltet einen präzisen Test des Herzschlags über fünf Minuten sowie die Dokumentation der Pulskurven. Auffälligkeiten verschickt sie per PDF an den behandelnden Arzt. Dieser bekommt schon optisch anhand der Kurven einen Eindruck, wie gefährlich die Herzrhythmusstörung ist. Im Anschluss entscheidet er, ob weitere Maßnahmen und Behandlungen notwendig sind. Die Universität Basel hat die Wirksamkeit der Herz-App in einer Studie getestet und nach Aussagen des Unternehmens gezeigt, dass sie Herzrhythmusstörungen zuverlässig erkennt. Sie ist als Medizinprodukt zertifiziert.

Unterschied: Herz-App und Fitnesstracker

Gängige Fitnesstracker, Smartwatches und Herz-Apps messen den durchschnittlichen Puls, also die Herzrate oder Herzfrequenz. Diese Angabe besagt nur, wie oft Ihr Herz pro Minute schlägt. Sie sagt aber nichts darüber aus, wie regelmäßig das Herz schlägt. Die App Heartbeats ermittelt dagegen den Herzrhythmus. Auch ein Elektrokardiogramm (EKG) beim Arzt zeichnet diesen auf. Das EKG im Smartphone arbeitet nach Firmenangaben ähnlich genau. Der Vorteil ist, dass Sie Ihren Herzrhythmus genau dann aufzeichnen, wenn Sie spüren, dass das Herz außer Takt geraten ist. Noch besser ist es, wenn sie den Herzrhythmus regelmäßig und vorbeugend messen, empfehlen die Entwickler. Denn Herzrhythmusstörungen bleiben oft unbemerkt und sind deshalb so gefährlich.

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Vorhofflimmern als wichtige Schlaganfall-Ursache

Etwa ein Prozent der Menschen in Deutschland leidet an Vorhofflimmern, berichtet die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG). Etwa 20 Prozent aller Schlaganfälle sind auf das Vorhofflimmern zurückzuführen – das sind rund 50.000 Schlaganfälle pro Jahr. Beim Vorhofflimmern bilden sich manchmal Blutgerinnsel in einer Herzkammer. Lösen sie sich ab, gelangen sie über die Halsschlagader ins Gehirn und verschließen dort ein Blutgefäß. Das Ergebnis ist ein Schlaganfall. Viele Patienten mit Vorhofflimmern schlucken deshalb Medikamente, welche die Blutgerinnung hemmen. So lässt sich das Schlaganfallrisiko senken.
Die App gibt es bei iTunes oder Google Play. Sie funktioniert für alle iPhones (ab Version 4s) sowie alle gängigen Smartphones mit dem Betriebssystem ab Android 5.0. Auch andere Apps bieten ein mobiles EKG an.

Mobile EKGs

Ingrid Müller

von

Journalismus, Medizin und Gesundheit sind echte Faibles. Es geht immer darum, medizinisches Kauderwelsch für Patienten und medizinische Laien verständlich, aber auch spannend zu machen.