Willensstärke statt Wohlfühlzone

Für harte Hunde mit Herz: Tough Mudder und andere Top-Hindernisläufe

Du willst Tough Mudder, Spartan-Racer, Strongman oder Xletix-Läufer sein? Um bei einem der beliebten Hindernisläufe hierzulande mitzumachen, musst du raus aus deiner Wohlfühlzone. Um dich einen harten Hund nennen zu dürfen, brauchst du Willensstärke, Konzentration, Teamgeist, Kraft und Ausdauer.

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Teamgeist, Kraft und Ausdauer

Du brauchst für Hindernisläufe Mut, Teamgeist, Kraft und Ausdauer. Der erste Schritt beginnt aber beim eigenen Willen.

Hindernisläufe und Abenteuer-Rennen boomen gerade in Deutschland. Was dabei zählt, sind Willensstärke, Konzentration, Teamgeist, Kraft und Ausdauer. Du musst aber auch leidensfähig sein. Schließlich sollen dich die Barrieren und Hürden daran hindern, die Strecke durch die Natur, Flughafenareale oder City einfach so abzulaufen. Du musst sie überwinden. Und die Überwindung beginnt im Kopf.

Eine Frage der Haltung: Alle für einen, einer für alle

Vielleicht wirst du zwischendurch weinen, weil dir beim dritten Versuch, die steile Wand hochzuklettern, die Kraft ausgeht. Du wirst zwischendurch zittern, weil du in das eiskalte Wasser unter dem Schwebebalken über dem Schlammloch fällst. Und du wirst die Zähne zusammenbeißen, wenn du durch den Lkw-Container mit Eiswürfeln waten und unter Holzbalken hindurchschwimmen musst.
Die gute Nachricht: Du entscheidest, ob du starten willst. Du bestimmst, wie weit du gehst. Du justierst während des Laufs deine Grenze. Erreichst du dein Limit, reicht dir bestimmt jemand seine Hand: sei es aus deiner eigenen Gruppe oder ein unbekannter Mitläufer. Zum Konzept zählt nämlich auch die Erkenntnis, dass du Leute brauchst, die dir helfen, so wie sie dich brauchen.

Galerie: Tough Mudder, Spartan Race & Co. in der Übersicht

Ein Überblick: Entstehung und Entwicklung

Die Obstacle-Races, auf Deutsch Hindernisrennen, haben ihren Ursprung in England, genauer in Wolverhampton bei Birmingham. Dort findet seit 1987 das Tough-Guy-Race statt. Das Harte-Kerle-Rennen geht auf Billy Wilson zurück: Er hat einst Trainingscamps für die königlichen Grenadier Guards entwickelt.
Auf der Webseite schreibt er: „Fear joins up the Family of Man. (...) when materialism has gone, fear sets each group in a concrete form to join the journey into the unknown. " Angst, so Wilson, sei Teil der Menschheit. Sobald du keine Besitztümer mehr hast, beginne die Reise ins Ungewisse. Im Prinzip geht es also darum, deiner Angst zu begegnen.
Das Tough-Guy-Setting ist die Natur auf dem immerselben Landstrich. Die ersten Tough Guys sind durch eiskalte Gräben geschwommen und danach über ursprüngliche Hindernisse wie brennende Strohballen gesprungen. Das ist immer noch so. Berüchtigt ist das Rennen aber auch für den Elektro-Drahtzaun, unter den die Teilnehmer hindurchkriechen müssen. Heute gibt es hier nach Veranstalterangaben über 250 Hindernisse – Patina inklusive.

Hindernisläufe: Wer darf mitmachen?

Die meisten Veranstalter in Deutschland stellen Grenzerfahrung und Teamerlebnis in den Mittelpunkt ihrer Hindernisläufe. Schnelligkeit und Leistungsvergleich stehen nicht im Vordergrund. Den Wettbewerb im Race oder Rennen bestreitest du gegen deinen inneren Schweinehund.
Und auch, wenn sich einige Veranstalter bemühen, Spitzenathleten und somit auch der Stoppuhr Platz einzuräumen, sollen sich augenscheinlich alle zum Mitmachen eingeladen fühlen, die willens genug und körperlich fit sind. Die Veranstalter sichern sich in der Regel mit einem Haftungsausschluss ab. Einige Veranstalter bieten sogar Läufe für Kinder und Jugendliche an.

Konzept und Vorbereitung

Einige Veranstalter richten die Events nicht mehr nur in Deutschland, sondern über Ländergrenzen hinaus aus. Tough Mudder macht das weltweit. Spartan Race und den Fisherman´s Strongman Run gibt es in einigen Teilen Europs. Die meisten Veranstalter stellen dir auf ihrer Webseite Trainingspläne zur Vorbereitung zur Verfügung.
Du kannst dich auch Gruppen anschließen, um dich vorzubereiten. Du findest so vielleicht auch direkt dein Team, mit dem du dich gemeinsam an den Start begibst. Es bereitet zudem mehr Spaß, sich so vorzubereiten.
Aus so einer Laufvorbereitung ist übrigens die Xletix-Challenge entstanden, mit dem ersten Lauf im Mai 2014 die jüngste unter den großen Veranstaltungen. Aus der einstigen Laufgruppe mit 14 Teilnehmern ist nun ein kleines Unternehmen mit rund 20 Mitarbeitern geworden. Veranstaltungen gibt es in ganz Deutschland und in Tirol. Für den Hindernislauf am 30. und 31. Mai 2015 in Berlin erwartet Gründer Jannis Bandorski zwischen 9.000 und 10.000 Läufer.
Bis März dieses Jahres war die Veranstaltung übrigens noch unter dem Namen Krassfit-Challenge bekannt. Der Veranstalter legt besonders viel Herzblut in die Entwicklung und den Bau der Hindernisse. Schließlich sei die Vision, diese Hürden für den eigenen Anspruch zu erschaffen, auch einer der Hauptmotivationen gewesen, überhaupt Veranstalter zu werden, erklärt Organisator Jannis Bandorski sein Engagement
Wibke Roth

von

Wenn ich Texte verfasse, erfasse ich die Welt. Wenn ich laufe, erlebe ich sie. Ich arbeite als freischaffende Journalistin und Texterin sowie Fitness-, Reha- und Yoga-Trainerin im Herzen des Ruhrgebiets, oder manchmal auch auf Mallorca.

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