Brust, Handgelenk, Ohr – wo denn jetzt?

Herzfrequenz messen: Gibt es irgendwo eine perfekte Stelle?

Wo und mit welcher Technik macht es Sinn, deinen Herzschlag zu messen? eVivam hat bei Dr. med. Joachim Latsch nachgefragt, Oberarzt im Institut für Kreislaufforschung und Sportmedizin der Sporthochschule Köln.

Datum:
Pulsmessen

Herzfrequenz messen: Wo ist es am genauesten?

Herr Dr. Latsch, Sie sind Oberarzt in der Sport- und Präventionsmedizinischen Praxis im Institut für Kreislaufforschung und Sportmedizin der Sporthochschule Köln. An Ihrem Institut geben Sie sowohl Olympioniken also auch ambitionierten Freizeit- und Gesundheitssportlern wie zum Beispiel Herzpatienten Trainingsempfehlungen. Womit überprüfen Sie die Herzfrequenz Ihrer Patienten?
Dr. Latsch: Mit EKG und Brustgurt. „Betrachtet man die Beat-to-Beat-Rate, also wie viele Herzschläge von 100 tatsächlich aufgenommen werden, liegt der Brustgurt nach wie vor ganz weit vorn: Damit werden – im Gegensatz zu anderen Verfahren – am meisten Schläge aufgenommen: 100.“
Dr. med. Joachim Latsch

Dr. med. Joachim Latsch ist Oberarzt in der Sport- und Präventionsmedizinischen Praxis im Institut für Kreislaufforschung und Sportmedizin der Sporthochschule Köln. Sportmedizinische Diagnostik und Therapie stehen hier seit über 50 Jahren im Fokus. Das Ziel der Experten: sowohl Leistungssportler als auch Freizeit-Breiten- und Gesundheitssportler dabei zu unterstützen, ihre Ressourcen auszuschöpfen.

Mit welcher Technik arbeitet man bei Ihnen? Doch nicht mit Pulsuhren, oder?
Dr. Latsch: „Doch. Auch. In unserem Reha-Herz-Sport-Gruppen, zum Beispiel, tragen die Patienten Pulsuhren – und natürlich Brustgurte. Die genauesten Herzfrequenz-Ergebnisse erhalten Mediziner nach wie vor mit einem EKG, das auch direkt am Brustkorb misst. Hochleistungsportler werden zum Beispiel über die Brustgurte und das EKG mit Teilgeräten der Spiroergometrie* verbunden.
Was halten Sie von In-Ear-Messungen und Wearable-Messungen am Handgelenk, also Verfahren ohne Brustgurt
Dr. Latsch: Nun: Beide messen keine elektrophysiologischen Ströme direkt am Herzen bzw. des Herzens. Die In-Ear-Methoden misst nicht die Durchblutung, sondern vermutlich den Rhythmus des Herzens im Trommelfell über einen Lichtimpuls. Mich persönlich würde es zum Beispiel stören, wenn ich einen Stopfen im Ohr hätte und nichts mehr von meiner Umgebung mitbekommen würde. Und Messungen am Handgelenk werden allein durch Schweiß ungenauer. Das macht einem Brustgurt nichts. Mit dem kann man zum Beispiel auch Schwimmen gehen.
Also alles doof außer Brustgurte?
Dr. Latsch (lacht): Nein, natürlich nicht. Einem gesunden Hobbysportler kann es doch egal sein, ob die Messung des Pulses am Handgelenk drei Sekunden lang aussetzt. Und es gibt Läufer, die lieben es, während ihres Runs Musik zu hören. Die können doch ruhig mit einer – vermutlich ebenso etwas ungenaueren Messung – laufen.
Gibt es darüber eigentlich wissenschaftliche Erhebungen?
Dr. Latsch: Die sind mir nicht bekannt.
Was glauben Sie, wo es mit solchen Messungen hingehen wird?
Dr. Latsch: Ich glaube, dass es zunehmend immer mehr Textilien geben wird, die den gesamten Körper mit Sensoren überziehen. Da gibt es noch eine Menge Potenzial.
Vielen Dank für das Interview, Herr Dr. Latsch.
*Spiroergometrie bedeutet Atemgasanalyse.

Galerie: Drei Techniken für Messungen

Wibke Roth

von

Wenn ich Texte verfasse, erfasse ich die Welt. Wenn ich laufe, erlebe ich sie. Ich arbeite als freischaffende Journalistin und Texterin sowie Fitness-, Reha- und Yoga-Trainerin im Herzen des Ruhrgebiets, oder manchmal auch auf Mallorca.

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