Rockige Fitness aus den USA

Cardio-Training mit Drumsticks: Das Pound-Workout im Test

Es rockt in deutschen Fitnessstudios: Das neue Konzept „Pound“ ist seit März 2017 auch in Deutschland zu erleben. Das Workout verknüpft Cardio-Training und Jam Session – eVivam-Autorin Wibke Roth hat die Drummsticks wirbeln lassen!

Datum:
Pound

„Pound“ heißt ein neues Fitnessformat aus den USA. Jetzt ist es auch in Deutschland angekommen.

Einschätzung
der Redaktion

Fazit: Das müssen Sie wissen

Pound ist ein nützliches Fitnessformat, um Bewegung in die Trainingsroutine zu bringen. Besonders geeignet ist es für Menschen, die es lieben, sich rhythmisch zu bewegen, die gern mal in der Disco die Luftgitarre herausholen oder die zu Rockmusik tanzen wollen.

Pro

  • Isometrische Muskelarbeit
  • Training der Flexibilität
  • Mitreißende Musik
  • Motivierte Übungsleiterin

Kontra

  • Keine Korrekturen oder Altervativansagen für Anfänger
Jennifer Lopez wartet heute Abend auf mich. Sie weiß es aber noch nicht, schließlich komme ich unangemeldet zu ihrem ersten Auftritt. Erster Auftritt? Jawohl, denn diese Jennifer Lopez-Varas ist Trainerin für Pound: ein Fitnesskurs, bei dem ich heute mitmischen möchte. Oder besser: mitdrummen. Das Workout ist nämlich vom Trommeln mit Drumsticks inspiriert: Mit den beiden Stöcken trommelt man auf dem Boden oder in der Luft und kombiniert so Cardio mit Jam. Der Ursprung des rockigen Kursformats liegt, wie bei so vielem, in den USA. Nach Firmenangaben unterrichten mittlerweile 10.000 Trainer weltweit dieses Kursformat – nun hält Pound auch hierzulande Einzug. Einer der ersten Orte in Deutschland, der das neue Format im Programm hat, ist ein Verein in Duisburg.
PR für Pound: Cristina Peerenboom und Kirsten Potenza

Die beiden Pound-Gründerinnen Cristina Peerenboom und Kirsten Potenza stellen ihr Konzept im Fernsehen vor (v. l.).

Was ist Pound?

Pound geht zurück auf die zwei US-amerikanischen Drummerinnen Kirsten Potenza und Cristina Peerenboom, die das Format 2011 erfanden. Auf Nachfrage beim europäischen Marketingbüro in den Niederlanden heißt es, dass Pound eine „Full-body Cardio Jam Session“ sei: Es kombiniert Ausdauertraining (cardio) mit konstanter Drumming-Simulation (jam session), was leichten Widerstand ergibt und dadurch den ganzen Körper trainiert (full body). Ebenfalls in das Format fließen folgende Trainingselemente ein:
  • Pilates (Ganzkörpertraining zur Kräftigung der Muskulatur),
  • Plyometrie (Schnellkrafttraining),
  • Isometrisches Training (Form des Krafttrainings).
Versprochen sind 15.000 Drum-Schläge pro Unterrichtsstunde, die für 45 Minuten konzipiert ist. Eine Gruppen-Fitnessstunde, die – wie in der Branche oft üblich – für alle Fitnesslevel geeignet sein soll. Ich bin gespannt: auf die Trainerin und die Übungen, aber auch auf die Fitness der anderen Teilnehmer und den Spaßfaktor.
Pound Grundhaltung

eVivam-Autorin Wibke Roth im Pound-Selbstversuch: Trainerin Jennifer demonstriert die richtige Stick-Haltung.

Der Kurs fängt an: Ripstix statt Drumsticks

Dass Jennifer ihre zweitägige Pound-Fortbildung erst vor wenigen Wochen gemacht hat, merkt man ihr nicht an. Die 30-Jährige kommt aus dem Kampfsport, ist trainiert und hat schon Kurserfahrung. Die heutigen 15 Teilnehmer warten länger als geplant, bis sie drummen: Es gibt organisatorische Problemchen. Doch keiner der Anwesenden beschwert sich oder fängt an, mit den Sticks die Sekunden zu zählen. Zu den Teilnehmern zählt übrigens ein einziger Mann, sonst sind alle weiblich. Mit zehnminütiger Verspätung geht es dann los und Jennifer erläutert der Gruppe erst einmal die richtige Haltung der Drumsticks. Die heißen hier „Ripstix“ und sind recht leicht – zumindest nicht schwerer als echte Schlagzeugschlägel.
Pound_ Goup-Fitness-Konzept

Pound verspricht einen Verbrauch von 800 Kalorien pro Kurs – das entspricht vier großen Bananen.

Rockstar-Workout: Rhythmus plus Koordination

Beim Warm-up grooven wir uns ein. Dafür gibt es an Musik Rock und Pop, Rap und Old School. Erst schlagen wir die Sticks über dem Kopf zusammen. Das macht Spaß – es vermittelt so ein cooles Rockstar-Gefühl. Dann schlagen wir den Takt auf dem Boden, was fast allen gelingt. Was allerdings nicht alle haben, ist die dazu erforderliche Flexibilität, also sich nach vorne oder zur Seite zu neigen. Es folgen Kniebeugen, Ausfallschritte, „Rainbows“ (bei Pound verstehen die Trainer darunter Seitneigen aus dem Rumpf im Stand). Dann noch – aufgrund der verlorenen Zeit – nur zwei von vier „Core Strength“-Übungen (für eine starke Mitte) auf dem Boden und ein klein wenig dehnen. Die Kunst bei alledem ist, neben Muskelarbeit und erhöhter Herzfrequenz auch die Sticks auf den richtigen Seiten und im richtigen Rhythmus zu bewegen. Kein Wunder, dass Pound einen Verbrauch von 800 Kilokalorien pro Kurs verspricht! So viele Kalorien stecken etwa in vier großen Bananen. Letztendlich hängt der Verbrauch allerdings von vielen individuellen Faktoren ab, z. B. von der körperlichen Konstitution und der persönlichen Anstrengung.
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Du wolltest immer schon einmal Drummer spielen? Pound bietet dir die Möglichkeit dafür.

Was ist verbesserungswürdig?

Mir selbst fehlen teils – wie oft bei Fitnesskursen mit vorgegebenen Übungen – Alternativen zu bestimmten Ausführungen, etwa für Personen mit verkürzter Rückenmuskulatur. Und bei den Körperkern-Übungen am Boden (auf dem Po sitzend, mit aufgestellten Füßen) spüre ich, dass meine Hüftbeugemuskulatur stark mitarbeitet. Ob das wirklich gewollt ist? Zwar gibt es am Ende eine kleine Dehnungseinheit, aber sie berücksichtigt eben diese Muskeln kaum, sondern kräftigt mehr den vierköpfigen Oberschenkelmuskel.

Fazit: Gute Laune und breites Lächeln

Die Menschen heutzutage bewegen sich nicht genug, und bloß bei wenigen gehört sportliche Betätigung zur Alltagsroutine. Dass sich das ändert, gelingt meiner Meinung nach nur über Freude an Bewegung. Und die scheinen die Kursbesucher um mich herum zu haben: Durch die Motivation der Kursleiterin sowie die Musik wollen augenscheinlich alle die Lizenz zum Rockstar erhalten – oder zumindest wollen sie einfach mitmachen und am besten durchhalten. Dabei bringen die Kursteilnehmer ganz unterschiedliche körperliche Voraussetzungen mit: Die einen sind flexibel, die anderen tragen einen sichtbaren Bauch mit sich, noch andere setzen irgendwann aus und später wieder ein. Das tun sie, weil sie Freude an dem gesamten Format haben. Das Indiz? Das Grinsen im Gesicht der Teilnehmer.
Wibke Roth

von

Wenn ich Texte verfasse, erfasse ich die Welt. Wenn ich laufe, erlebe ich sie. Ich arbeite als freischaffende Journalistin und Texterin sowie Fitness-, Reha- und Yoga-Trainerin im Herzen des Ruhrgebiets, oder manchmal auch auf Mallorca.