Testbericht

Online-Fitness: Anbieter im Vier-Wochen-Check

Online-Fitness-Anbieter versprechen professionelle Work-outs bei voller Flexibilität und niedrigen Beiträgen. eVivam-Autorin Anna Brüning hat drei Anbieter getestet.

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Training im Wohnzimmer? eVivam-Autorin Anna Brüning sieht aus, als würde es Spaß machen!

Keine lästige Fahrerei zum Fitnessstudio, keine festen Kurszeiten und geringe monatliche Beiträge: Auf den ersten Blick sind die Online-Fitness-Angebote echte Alternativen für alle, die flexibel trainieren und hochwertige Kursangebote nutzen wollen.
Ich mache vor allem Lauftraining draußen und freue mich über ein Zusatztraining, das kein riesiges Loch ins Portemonnaie reißt. Allerdings bin ich kritisch, ob das Training zu Hause effektiv ist und so viel Spaß macht, dass ich mich auch auf Dauer motivieren kann.
Getestet habe ich die bekanntesten Anbieter: Gymondo, Fitnessraum und NewMoove.

Online-Fitness: Ab 4,99 Euro im Monat trainieren

Alle Anbieter bieten eine kostenlose Testwoche. Danach sind die Preismodelle nach Laufzeiten gestaffelt.
NewMoove bietet zurzeit drei Monate für 12,90 Euro, sechs Monate für 9,90 Euro und ein Jahr für 8,90 Euro pro Monat. Wer auch das Ernährungsprogramm nutzen möchte, zahlt allerdings fast doppelt so viel. Im Fitnessbereich stehen über 400 Kursvideos in 13 Kurskategorien zur Verfügung.
Gymondo kostet 8,99 pro Monat, wer sich aber gleich für ein halbes Jahr anmeldet, zahlt 6,99 Euro pro Monat (41,94 Euro Einmalzahlung), bei einem Jahr sind's 4,99 Euro pro Monat (59,88 Euro Einmalzahlung). Damit ist dieser Online-Fitness-Anbieter der günstigste, er bietet bisher aber „nur“ 144 Work-outs an. Dafür gibt es Ernährungspläne, Rezepte und Infovideos zum Thema Ernährung kostenlos.
Fitnessraum ist der teuerste Anbieter. Eine Monats-Mitgliedschaft kostet 16,90 Euro, bei drei Monaten sind es 14,90 Euro und bei einem Jahr 9,90 Euro pro Monat. Hier ist die Kursauswahl am umfangreichsten: Über 700 (!) Kurse aus mehr als 20 Sportarten stehen zur Verfügung. Auch ein Ernährungsprogramm ist bei Bedarf inklusive. Damit sind alle Anbieter sehr günstig und unterbieten selbst Discout-Fitnessstudios wie McFit.

Die ersten Online-Fitness-Schritte

Gymondo legt sofort ein Fitness-Profil mit Größe und Gewicht für mich an, auf dem ich später meine Fortschritte festhalten kann. Nicht nur deshalb fühle ich mich auf der Seite sofort gut aufgehoben. Die Bedienung ist einfach, die Seite sehr übersichtlich und logisch aufgebaut. Moderne Optik, intuitive Navigation, ich bin begeistert.
Bei NewMoove und Fitnessraum fühle ich mich zuerst etwas verloren. Bei Fitnessraum dauert es eine Weile, bis ich die Struktur des Angebots kapiere, dann finde ich auch die Analyse-Tools, Trainingspläne und Programme. Bei NewMoove hingegen ist der Aufbau auch nach einigen Minuten noch verwirrend. Wo ist der Unterschied zwischen individuellem Problemzonentraining und individuellem Trainingsplan? Wo finde ich meinen Trainingsplan? Wozu brauche ich den Personal Trainer? Hier fehlt eine klare Struktur.
Wie viel Vorerfahrung ich mitbringe, fragt keiner der Online-Fitness-Anbieter. Alle bieten aber Kurse unterschiedlicher Intensität an, sodass ich mich selbst einschätzen kann. Die fertigen Programme sind praktisch: Hier finde ich komplette Trainingspläne mit verschiedenen Schwerpunkten, etwa Muskelaufbau, Bikini-Figur, Abnehmen, Yoga, Pilates, Rückentraining oder andere Spezialprogramme, bei denen der Babybauch oder die letzten Pfunde vor der Hochzeit verschwinden sollen.
Oft sind die Namen der Standardprogramme aber etwas schwammig: „Bikini Body“, „Bauch Beine Po“, „Fit ins Frühjahr“, „Schlank in 6 Wochen“, „Bikini Turbo“ oder „Fat Burner“ – im Grunde versprechen alle Trainingspläne das gleiche: einen trainierten, fitten, schlanken Körper. Hier hilft nur ausprobieren.
Bei NewMoove und Gymondo kann ich meine Trainingstage frei wählen, bei Fitnessraum sind diese leider vorgegeben und ich kann nur die geplante Uhrzeit verändern. Schade, so geht Flexibilität verloren.

Online-Fitness: Training nur mit stabilem Internet

Eine stabile Internetverbindung ist Pflicht für das Training – sonst laden die Videos nicht, es ruckelt und stoppt. Das ist wenig effektiv und nervt. Meine Standard-WLAN-Verbindung hat aber meist gut funktioniert.
Technische Probleme traten nur bei NewMoove auf. Die Seite lud teilweise extrem langsam, Bilder wurden nicht angezeigt, Videos stürzten anfangs nach den ersten Sekunden ab. Nach einigen Tagen liefen die Videos flüssiger, die Seite hatte trotzdem oft Ladeprobleme.
Ein Download der Trainingsvideos ist bei keinem Anbieter möglich, sonst würde wohl niemand monatliche Gebühren zahlen. Dafür sind alle Videos bei allen Anbietern in HD-Qualität verfügbar. Bei NewMoove gibt es sogar eine App für Smart-TVs, sodass sich die Kurse auch direkt auf dem Fernseher anschauen lassen, ohne den Laptop anzuschließen.

Galerie: Online-Fitness: Anbieter im 4-Wochen-Check

Das Online-Training: Trainer, Kurse, Spaßfaktor

Der wichtigste Test: das Training. Ich habe auf allen Plattformen mehrere Videos ausprobiert und war positiv überrascht. Die meisten Trainingseinheiten waren wirklich effektiv und haben den einen oder anderen Muskelkater verursacht.
Das Gymondo-Training wirkt am modernsten. Fast alle Kurse finden in einer klassischen „Sporthalle“ statt, einige Body-&-Mind-Kurse in einem sehr cleanen, weißen Raum. Die meisten Kurse kommen ohne Hilfsmittel aus und setzen moderne Trainingsmethoden um, etwa das High-Intensity-Training. Auch Fortgeschrittene fühlen sich hier wohl; kein Chichi, sondern effektive Trainingseinheiten. Yoga, Pilates und Kampfsport werden ebenfalls angeboten und machen Spaß, hier könnte es aber mehr und längere Trainingseinheiten geben. Weniger überzeugend finde ich die Dance-Kurse, die eher nach Aerobic mit Hüftschwung aussehen.
Begeistert war ich von dem anspruchsvollen Gymondo „Burn“-Programm, bei dem die meisten Trainingseinheiten gerade mal elf Minuten lang sind. Die vielleicht sportlichsten elf Minuten, die ich je absolviert habe – totale Erschöpfung und drei Tage Muskelkater, das hatte ich nicht erwartet. Vor der Kamera stehen sympathische Trainer, die fit und professionell wirken.

Mal Strand, mal Sporthalle

Die Trainer überzeugen auch bei Fitnessraum, der Anbieter arbeitet mit sehr bekannten Fitnessgrößen zusammen, die einigen von euch von Fitness-DVDs, aus dem Fernsehen oder aus Magazinen bekannt sein dürften. Zudem sind viele Videos an Urlaubslocations gedreht, vor wunderschönen Ausblicken in Südafrika und Südeuropa. Im Gegensatz zu NewMoove ein echter Pluspunkt, da dieser Anbieter seine Filmchen auf einem schlichten Boden dreht, in dessen Hintergrund künstliche Bilder oder Videos eingeblendet werden. Im direkten Vergleich wirkt somit Fitnessraum sehr viel hochwertiger, schöner und motivierender. Gymondo bewegt sich mit der Sporthallen-Atmosphäre dazwischen.
Bei NewMoove fällt auf, dass häufiger als bei den Konkurrenz-Anbietern Hilfsmittel wie Hanteln, Springseile oder Bälle genutzt werden. Kein Wunder: NewMoove bietet im zugehörigen Shop gleich die passenden Produkte zum Verkauf an.
Insgesamt sind alle Kurse, die ich ausprobiert habe, effektiv, professionell und entsprachen etwa dem angegebenen Schwierigkeitslevel. Die große Kursauswahl bei NewMoove und Fitnessraum ist toll – hier schwächelt Gymondo.
Eine sehr positive Überraschung waren die Dance-Kurse bei Fitnessraum. Wer gerne tanzend trainiert, findet hier richtig anspruchsvolle Choreografien, die auch geübte Tänzer fordern. Bei NewMoove hingegen gibt es negative Ausreißer im Bereich Tanz: Tänzer in glitzernden Pailletten-Outfits wie vom Flohmarkt, die bei einem „Disco Fever Workout“ ihre Kleidchen fliegen lassen, wirken auf mich so abschreckend, dass ich den Kurs gar nicht erst starte.
Positiv anzumerken ist aber, dass NewMoove als einzige Plattform auch englischsprachige Trainer dabei hat.

Der Schweinehund-Faktor

Der natürliche Feind von Online-Fitness ist das Sofa, das gleich neben dem Trainingsplatz so verlockend einen gemütlichen Abend verspricht. Es fällt schwer, sich zu motivieren, wenn du in einer Umgebung trainieren musst, in der du sonst einfach nur abhängst. Ins Fitnessstudio gehst du zum Trainieren, um dich herum schwitzen die Leute, es bleibt fast keine andere Wahl als mitzumachen. In „echten“ Kursen kontrolliert der Trainer, ob du die Übungen korrekt ausführst, und die Mit-Trainierenden sorgen für die nötige Motivation. Das gibt es online nicht.
Zwar helfen die Trainingspläne, um am Ball zu bleiben, doch niemand sieht, ob du den Kurs auch wirklich mitmachst. Fitnessraum verschickt auf Wunsch augenzwinkernde Schweinehund-Mails, und auch NewMoove erinnert bei Bedarf an das Training. Zu beiden Anbietern gibt es auch eine App, Gymondo bietet diese Funktionen (noch) nicht an.
Übrigens: Ich habe Glück und wohne im Erdgeschoss. Wer geräuschempfindliche Nachbarn unter sich hat, sollte sich gut überlegen, ob Kurse mit Hüpfbewegungen nicht zu einem Nachbarschaftsstreit führen.

Ernährung, Communitys und Magazine rund um die Online-Fitness-Kurse

Wer eine Community zur Motivation braucht, wird bei Gymondo und NewMoove fündig; bei Fitnessraum bleiben die Nutzer nur über die Kommentarfunktion mit anderen in Kontakt. Alle Anbieter präsentieren auch ein Magazin mit Artikeln rund um Fitness, Ernährung und Gesundheit, alle sind interessant und können sich sehen lassen.
NewMoove und Fitnessraum bieten zudem einen Shop an; bei NewMoove gibt es Trainings-Kleingeräte, Fitnessraum verkauft vor allem DVDs des Mutterkonzerns mit den Trainern, die auch die Online-Kurse leiten.
Beim Thema Ernährung sind die Anbieter sehr unterschiedlich aufgestellt. Bei Fitnessraum finde ich einen normalen und einen Veggie-Ernährungsplan, der grundsätzlich eine gesunde, eiweißreiche Ernährung empfiehlt. Hier lerne ich nicht viel Neues – diese Grundregeln sind allen bekannt, die sich ansatzweise mit gesunder Ernährung beschäftigen. Ein paar leckere Rezepte sind aber dabei.
Strikter sind die Ernährungspläne von Gymondo: Hier gibt es je nach Zieldefinition verschiedene Phasen der Ernährung, bei denen ich teilweise komplett ohne Kohlenhydrate auskommen soll. Mit verschiedenen Regeln kann ich mir die Mahlzeiten selbst zusammenbasteln – puh, das sieht nach einem harten Ernährungsplan aus. Das teste ich lieber nicht am eigenen Leib, ich will schließlich keine Bodybuilderin werden.
Bei NewMoove kostet das Ernährungsprogramm extra, ist aber auch sehr umfangreich und flexibel. Hier lassen sich – ganz klassisch – alle Speisen in ein Ernährungstagebuch eintragen und Kalorien zählen. Die Ausgewogenheit wird anhand einer Nährstoffanalyse kontrolliert, dazu gibt es Rezepte und Kochvideos. Ein echtes Ernährungs-Coaching, das Disziplin erfordert!

Fazit

Am wenigsten überzeugend war NewMoove. Die Kurse sind zwar inhaltlich hochwertig und abwechslungsreich, aber optisch ein Flop. Die Seite lädt langsam, ist unübersichtlich, und das Ernährungsprogramm kostet extra.
Fitnessraum ist übersichtlicher, gerade die große Vielfalt an Kursen überzeugt. Von Yoga bis Hip-Hop sind alle Kurse auf einem hohen Niveau, die Trainer wirken extrem kompetent, die Urlaubsstimmung ist ansteckend. Ärgerlich sind nur die unflexiblen Trainingspläne. Zudem ist Fitnessraum der teuerste Anbieter.
Mein Preis-Leistungs-Testsieger: Gymondo. Für sehr wenig Geld gibt es anspruchsvolle Kurse, eine übersichtliche, sehr cleane Seite, leckere Rezepte und eine nette Community. Zwar gibt es weniger Kurse als bei der Konkurrenz, dafür haben die es in sich. Bei Gymondo werde ich privat weitertrainieren – für mich die perfekte Ergänzung zum Lauftraining.
Anna Brüning

von

Mit guter Musik auf den Ohren am Wasser entlang joggen – der perfekte Ausgleich zum Alltag. Ich liebe es, aktiv zu sein, gesund zu leben und, na klar, darüber zu schreiben.

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