Weiße und rote Muskeln

Muskelfasertypen: Nicht nur eine Frage der Haltung

Gibt es rote und weiße Muskeln überhaupt? Fakt ist: Es gibt verschieden Fasertypen. Die zucken langsam oder schnell. Wie auch sonst im Leben gibt es auch Typen dazwischen.

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Muskelfasertypen: Nicht nur eine Frage der Haltung

Muskeln sind eine Welt für sich: Das zeigen auch die umstrittenen Werke von Gunther von Hagens.

Ethisch gesehen hat Gunther von Hagens Grenzen überschritten, weil er ein Tabu gebrochen hat. Im Prinzip hat er dem Tod Körper und Gesicht gegeben. Dem Wissenschaftler und Unternehmer ist mithilfe der Plastination gelungen, tote Körper dauerhaft zu konservieren und das anatomische Innenleben nach außen zu kehren; so auch die Muskeln.
Im Prinzip gibt es Halte- und Bewegungsmuskeln. Die Haltemuskulatur heißt tonisch und die Bewegungsmuskulatur phasisch. Die tonische Muskulatur
  • ist evolutionär gesehen älter,
  • ist besser durchblutet und ausdauernder,
  • schwächt langsamer ab,
  • neigt aber zu Verkürzungen.
Tonisch: Kapuzenmuskel

Da der Haltemuskel M. Trapezius – hier zwischen Hals und Schulter – ein tonischer Muskel ist, neigt er dazu, zu verkürzen. Du solltest ihn dehnen, indem du zum Beispiel dein Ohr Richtung Schulter neigst.

Die Bewegungsmuskulatur heißt phasisch. Diese Art
  • ermüdet schneller.
  • neigt zwar nicht dazu, zu verkürzen,
  • schwächt aber leider ab, wenn du sie nicht regelmäßig trainierst.
Phasisch: Bauchmuskeln

Deine Bauchmuskulatur neigt dazu, abzuschwächen, wenn du sie nicht regelmäßig trainierst. Gezielte Kräftigungsübungen helfen, dass dieser Bewegungsmuskel als Gegenspieler deines Rückens in seiner Funktion bleibt.

Ob ein Muskel zur phasischen oder tonischen Muskulatur zählt, hängt davon ab, wie die Fasertypen innerhalb des Muskels verteilt sind. Insgesamt gibt es drei Typen:
  • die schnellen Zuckungsfasern,
  • die langsamen Zuckungsfasern und
  • der Zwischentyp, der auch Intermediärtyp heißt.

Weiß oder Rot: Bist du eher Springer oder Marathoni?

Der Anteil schneller und langsamer Muskelfasern ist von Muskel zu Muskel unterschiedlich. Du ahnst es: Als Athlet, der Sportarten mit zeitlich begrenzter und schneller Muskelarbeit betreibt, hast du – vermutlich genetisch bedingt – mehr schnellere Zuckungsfasern. Als Ausdauerathlet indes einen größeren Anteil roter Zuckungsfasern.

Deine Muskeln und ihre Zuckungsfasern: Wer sind sie und wenn ja wie viele?

Es ist übrigens kein Muskel bekannt, in dem ausschließlich ein Fasertyp vorkommt: Während zum Beispiel in deinem äußeren Oberschenkelstreckmuskel etwa gleich viele schnelle und langsame Fasern vorkommen, kann der Anteil der langsamen Zuckungsfasern in deinem Rückenstrecker bis zu 95 Prozent betragen.
Tonisch: Rückenstrecker LWS und HWS

Der Rückenstrecker im Bereich der Hals- und der Lendenwirbelsäule neigt dazu, zu verkürzen. Du solltest ihn regelmäßig dehnen. Häufiges Sitzen wie im Büro verstärkt die Verspannungen.

Fazit: Wenn du deine zu Verkürzung neigenden Muskeln regelmäßig dehnst und die leicht abschwächenden kräftigst, bleibt deine Muskulatur im Gleichgewicht.
Dehnen tonischer Muskeln

Du kannst deine Innenschenkelmuskulatur beispielsweise im Schneidersitz schön dehnen.

An dieser Stelle gilt der Dank den Menschen, die willens waren, ihren Körper für dieses Projekt zur Verfügung zu stellen. Durch die Fotos hast letztendlich auch du einen anschaulichen Einblick in ihre Körperwelten.
Wibke Roth

von

Wenn ich Texte verfasse, erfasse ich die Welt. Wenn ich laufe, erlebe ich sie. Ich arbeite als freischaffende Journalistin und Texterin sowie Fitness-, Reha- und Yoga-Trainerin im Herzen des Ruhrgebiets, oder manchmal auch auf Mallorca.

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