Mike Kleiß – das neue Laufen

„Ich weiß, was ich trinke! Ich trinke genug!“ – Was wir von Großmüttern lernen können

Das Thema Trinken ist sicher eines der wichtigsten, wenn es um das Laufen geht. Und auch hier gilt: Es gibt keine goldene Regel. – von Mike Kleiß

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Mike Kleiß trinken

Viel trinken ist wichtig, besonders für Läufer.

Es war wieder Oma-Tag. Wie alle sechs bis sieben Wochen. Und es ist unser Ritual geworden, das meiner Großmutter, meines Vaters und mir. Es ist entweder ein Samstag oder ein Sonntag. Oma kocht. Das lässt sie sich nicht nehmen. Rouladen, Salzstücke, Kohlrabi in ordentlich Mehlschwitze. Manchmal wird die Roulade durch Koteletts ersetzt. Samstag war es – völlig verrückt – Hähnchen. Und Reis. Und es stand ein volles Wasserglas neben Omas Teller. Das war neu. Oma hat nie etwas zum Mittagessen getrunken.

Oma trinkt nicht

Ich bin die ersten Jahre bei Großmutter und Großvater aufgewachsen. Großvater ging sehr früh. Zu früh. Vor fast 25 Jahren schon. Rituale gehörten stets zu unserer Familie, wie jede Familie sie hat. Oma trank schon immer viel zu wenig. Das war ihr „Ritual“. Im Alter trinken Menschen oft viel zu wenig. Das Durstgefühl ist verringert und die Anpassungsfähigkeit der Nieren reduziert. Bei Oma führte das wenige Trinken bereits zu Krankenhausaufenthalten. Und Vater und ich haben noch nicht so recht eine Lösung gefunden, damit es bei Oma mit dem Trinken besser läuft.

So trinken Profis

Kaum ein Thema wird so oft besprochen wie das Trinken. Wer läuft muss viel trinken. Wer läuft muss mehr trinken. Soviel steht fest. Profis wie Florian Neuschwander nehmen zum Beispiel zusätzlich Salztabletten, um Mineralien wieder aufzutanken. Denn unstrittig ist: Wer extreme Läufe absolviert, dem reicht schnödes Wasser nicht um den Mineralhaushalt zu regulieren. Die Tipps der Experten sind recht wild. Dabei ist der Rat vieler Ärzte, Schorlen zu trinken, noch recht harmlos. Bernd Heinrich beschreibt in seinem Buch „Laufen – Geschichte einer Leidenschaft“, seine Experimente zur Vorbereitung für einen Ultramarathon. So kippte er sich einen ganzen Liter Honig vor dem Lauf in den Magen. Ein anderes Mal eine ähnliche Menge Olivenöl, bei Versuch drei alle sechs bis sieben Kilometer eine Dose Bier. Auch ich habe experimentiert. Magnesium in 1,5 Litern Wasser aufgelöst nach dem Laufen. Während des Marathons 2 Aspirin Tabletten, verteilt auf drei Trinkflaschen. Heute trinke ich 4 Liter Ingwertee mit Limetten. Und weitere zwei Liter Wasser. Auch ich mache mir oft einen Kopf darüber, ob ich genug trinke. Und vor allen Dingen welche Flüssigkeit ich zu mir nehme.

Selbstbestimmung bei der Gesundheit

Zurück an Omas Mittagstisch. Die Diakonie kommt zwei Mal am Tag. Um ihr ihre Tabletten zu geben. „Die haben die Wasserflaschen mit einem Datum versehen. Um zu kontrollieren, ob ich auch zwei Flaschen trinke.“, erzürnt sich Oma. Und dann sagt sie einen Satz, der mich sehr demütig macht. Einen Satz für alle Läufer. Und für alle, die Erdung brauchen. „Mein Körper gehört immer noch mir“.
Gestern schrieb ich an meinen Vater: So wie sie den Satz gesagt hat, das hat bei mir etwas verändert. In diesem Satz steckte: ICH entscheide. Ob ich lebe, wie ich lebe, und wie das hier weitergeht. Und auch wie es endet.
Das hat niemand zu entscheiden. Nur ich ganz alleine. Und ich verbitte mir jeden Eingriff in meine Freiheit. Für mich war das sehr eindeutig. Und sehr klar. Und das löst nun zwei Gefühlsstränge in mir aus: Der eine ist mit einer gewissen Traurigkeit belegt. Weil klar ist: Da ist nix zu machen. Und die Konsequenz ist recht deutlich. Der andere heißt schlicht Freiheit.
Man muss sie freigeben. Ihrem eigenen Schicksal. Und das gibt Raum. Für alles was für uns noch kommt.

Motivation, Tipps und Laufweisheiten von Mike Kleiß

Buch „Laufen – Geschichte einer Leidenschaft“

Mike Kleiss

von

Mike Kleiß ist gelernter Journalist und arbeitete 20 Jahre für den Hörfunk. Er entwickelte und optimierte erfolgreiche Radiomarken innerhalb der ARD. Er ist Gründer der Kommunikationsagentur Medienhafen Köln.

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