Mike Kleiß – das neue Laufen

Was wir von Managern lernen können

Wie bei Profifußballern, wird Fitness im Alltag für uns alle immer wichtiger. Laufexperte Mike Kleiß verrät, was wir von den ganz großen Geschäftsleuten lernen können.

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Mike Kleiß Laufen Manager

Laut Laufexperte und Autor Mike Kleiß sind die erfolgreichsten Geschäftsleute leidenschaftliche Läufer.

Wir leben in einer Leistungsgesellschaft, das ist so. Und egal, wer welchen Beruf macht, der Leistungsdruck betrifft uns alle. Und es wird immer schwerer, im Dschungel der Ellenbogengesellschaft zu bestehen. Und wir können uns schon mal daran gewöhnen, dass sich das nicht ändert. Im Gegenteil. Damit man mit diesem Druck besser klarkommt, entstehen seit Jahren neue Wirtschaftszweige. Es werden Seminarzentren aus dem Boden gestampft, in denen Kurse angeboten werden, wie man sich besser im Berufsalltag durchsetzt. Führungskräfteseminare gehören mittlerweile genauso zu einem Unternehmen wie Bleistift und Papier. Psychologen haben sich darauf spezialisiert, Menschen fit für den Alltag zu machen. Die Lebensmittelindustrie bastelt „gesundes“ Essen, damit wir leistungsfähiger durchs harte Leben gehen, damit wir gesund bleiben.
Alle, ja wirklich alle Werbeagenturen Deutschlands schrauben an Werbekonzepten, um uns Produkte näherzubringen, die uns fitter, wacher, besser, konzentrationsfähiger machen. Sodass wir als gestählte Maschinen erfolgreich bleiben oder noch besser werden. Und immer mehr Menschen suchen das perfekte Erfolgsrezept, um nachhaltig bestehen zu können. Und kein Weg ist dafür zu weit, kein Geld, das nicht ausgegeben würde. Alle suchen nach dem Geheimnis der inneren Stärke. Auch ich habe lange danach gesucht und den Schlüssel unter anderem vor fast 3 Jahren bei Deutschlands Topmanagern gefunden. So streitbar sie auch sind, ich finde: Von ihnen kann man einiges lernen. Gerade als Normalo, der die Realität auf dem Radar hat, und hungrig ist.

Fit wie die Profis! So geht es!

Bei vielen von uns, wie auch bei fast allen Topmanagern, kommt die Erkenntnis, etwas für sich tun zu müssen, um weiter fit und erfolgreich zu sein, zwischen 34 und 45. Nicht zu verwechseln mit der bösen Midlife Crisis. Die ist ein übles Ding, keine Frage, aber das ist ein ganz anderes Thema. Ich habe in der letzten Zeit oft mit Profifußballern zu tun, und was auffällig ist: Die erfolgreichsten Kicker sind wahre Fitnessjunkies. Ob Andre Schürrle, Lukas Podolski, Mats Hummels und viele andere, sie alle sind nur deshalb so erfolgreich, weil sie sich nicht nur mit Technik und Flanken beschäftigen, sondern den großen Teil des Trainings mit Fitnessübungen verbringen. „Seit wir Fitness und Stabilisationsübungen fest ins Training aufgenommen haben, ist unsere Mannschaft die mit den wenigsten Verletzungen der letzten Saison innerhalb der ersten und zweiten Bundesliga“, sagt der Arzt des 1.FC Köln, Paul Klein. Das „Prinzip Fitness“ haben Deutschlands Topmanager für sich ganz anders übersetzt. Viele von ihnen laufen täglich.

Diese Manager laufen. Und du kannst es auch!

Wer deutsche Spitzenmanager nach ihren Hobbys befragt, kommt auf eine lange Liste von Dauerläufern. Bahn-Boss Rüdiger Grube, BASF-Manager Kurt Bock, Commerzbank-Chef Martin Blessing, der Geschäftsführer von Brooks Running Bastian Hübschen und viele andere schöpfen ihre Kraft aus dem Laufen. Aber wie ist das zu erklären?
Andreas Butz ist ehemaliger Bankmanager. Durch seinen Job erlitt er gleich zwei Hörstürze. Er kehrte der Bank den Rücken und ist heute Lauftrainer. Er ist der Meinung: „Marathonerfolge sind nicht nur gut für Körper und Seele, sie sind außerdem gut für die eigene Marke. Signalisieren sie doch, wer solche Strapazen auf sich nimmt, ist willensstark und hat den inneren Schweinehund im Griff. Der Marathon wird Teil der Vita und das verschafft Wettbewerbsvorteile, auch im Berufsleben.“ Das klingt nicht nur logisch, hier ist der erste Teil des Geheimnisses des nachhaltigen Erfolgs im Berufsleben manifestiert, die der Opel-Chef Karl-Thomas Neumann noch ein wenig besser auf den Punkt bringt: „Wer Marathon laufen will, braucht bei der Vorbereitung eine Menge Disziplin. Im Wettkampf kommt es eher auf Durchhaltewillen an. Und auch wenn es manchmal richtig wehtut: Aufgeben ist keine Alternative. Das gilt für jeden Marathon und jeden Top Job.“

Achtsam oder Vollgas? Das ist hier die Frage!

Nun könnt ihr sagen: Entschleunigung ist das Zauberwort. Und: Wollen wir wirklich das Rad immer schneller drehen? Müssen wir die Ellenbogengesellschaft mit neuem Futter, also uns selbst, weiter befeuern? Müssen wir immer mehr erreichen, immer besser werden? Müssen wir uns deutsche Topmanager wirklich zum Vorbild nehmen? Können wir nicht die Spitze der Spitze überlassen und in Frieden auch im Mittelmaß leben? Klare Antwort: Natürlich geht das. Nur leider bricht das mittlere Maß, die Mittelschicht immer mehr weg. Ich möchte an dieser Stelle nicht philosophisch werden und die politische gesellschaftliche Grundsatzfrage stellen. Dennoch finde ich es gut und richtig, das Laufen als eine Art Motor zu sehen. Sich an den Besten zu orientieren, kann meiner Meinung nach nicht falsch sein. Weder an den besten Läufern noch an denen, die mit dem Laufen faktisch besser geworden sind.

Zu den Fakten

Bereits vor 5 Jahren wurde eine repräsentative Umfrage veröffentlicht, die ziemlich viel aussagt. Die Auswertung von Daten von rund 3900 Teilnehmern des Frankfurt Marathon ergab: Wer im Job zu den Erfolgreichsten gehört, läuft top Marathonzeiten. Diese Untersuchung ist bisher die einzige, die einen direkten Zusammenhang zwischen beruflichem Aufstieg und persönlichen Bestzeiten auf der Langstrecke verlässlich aufzeigt. Sie zeigt unter anderem auch, dass Spitzenmanager mit einem Jahreseinkommen von mehr als 500.000 Euro durchschnittlich 16 Minuten schneller ins Ziel kommen.
All diese Zahlen und Statements sind mir wichtig. Nicht weil ich genauso werden will, nicht weil ich den Anspruch habe, einer dieser deutschen Topmanager zu werden. Aber ich habe versucht, diese Fakten für mich in meinen Alltag zu übersetzen. So halte ich in der Tat – da wo es passt – Meetings beim Laufen ab. Treffe ich einen dieser Topmanager, ist die erste Frage, die mir gestellt wird: Wollen wir das bei einem Lauf besprechen oder bei mir im Büro? Und keiner dieser Manager meint die Frage ernst. Es ist nur noch der Rest Höflichkeit, dass er sie mir stellt. Jedes Mal, wenn ich Thomas Seifert, den CEO von Polar Deutschland treffe, stellt er mir lächelnd die Frage: „Und? Warst du heute schon deine 18 Kilometer laufen?“ Immer nicke ich mit dem Kopf und wir beide freuen uns auf den gemeinsamen Frankfurt Marathon im Oktober. Nicht weil wir gegeneinander antreten. Sondern miteinander. Er, der Ex-Procter&Gamble-Mann, Manager durch und durch, und ich eben. Der Laufirre. Und wir werden mächtig Spaß haben.
Mike Kleiss

von

Mike Kleiß ist gelernter Journalist und arbeitete 20 Jahre für den Hörfunk. Er entwickelte und optimierte erfolgreiche Radiomarken innerhalb der ARD. Er ist Gründer der Kommunikationsagentur Medienhafen Köln.

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