Fitnessstudio als Lebenswelt?

Rezept oder nicht? Zahlt Sport bald die Kasse?

Stell dir vor, du gehst ins Fitnessstudio und die Krankenkasse bezahlt das. Würdest du das dann noch wertschätzen? Und wer sagt, dass ein Studio so gut ist, dass es Krankheiten vorbeugen kann? Ein Erklärungsversuch.

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Fitness auf Rezept?

Rehakurse bezahlt die Krankenkasse. Geht das nicht auch für Spinning, Bodypump & Co.?

Du wünschst dir von deiner Krankenkasse, dass sie dir den Beitrag für dein Fitnessstudio bezahlt, oder dass du einmal ein Rezept von deinem Arzt in Händen hältst, mit dem du auf Lebenszeit ein Fitnessstudio deiner Wahl besuchen kannst? Und das vollkommen kostenfrei?

Es könnte alles so einfach sein – ist es aber nicht

Beides ist relativ unwahrscheinlich. Du fragst dich warum? Schließlich spräche das doch für gesundheitsbewusstes und proaktives Verhalten, das letztendlich auch dem Gesundheitssystem zugute käme, weil du ja vorbeugend, neudeutsch präventiv, handeln würdest. Wie könnte es anders sein: So einfach ist es nicht.

Prävention: das Gesetz

Bevor das Präventionsgesetz in Kraft trat, hatte auch die Fitnessbranche die Hoffnung, dass gesundheitsbewusstes aktives Verhalten von der Krankenkasse bezuschusst wird. Das scheint – zumindest laut Gesetz – vom Tisch. Ärzte dürfen, wie zuvor, Präventionsempfehlungen geben, zum Beispiel auf Bewegungsangebote von Sport- und Fitnessstudios aufmerksam machen.

Schließ deine Augen und atme tief

Selbst bei Präventionskursen wie Rückenschule, Aqua-Fitness, Yoga & Co., die von Sport- und Fitnessstudios durchgeführt werden, weil sie von der Zentralen Prüfstelle Prävention zertifiziert sind, sei laut Bundesgesundheitsministerium die Ermessensentscheidung der Krankenkasse, hinsichtlich der Frage, ob ein Bedarf besteht, eingeschränkt. Eine Übernahme der monatlichen oder jährlichen Mitgliedsbeiträge durch die Krankenkassen kommt laut Bundesministerium für Gesundheit jedenfalls nicht in Betracht.

Handlungsleitfaden Prävention

Was können und dürfen Krankenkassen tun, um dir entgegenzukommen? Per Gesetz sind mehr als 90 Prozent gleich. Die Angebote richten sich nach dem Handlungsleitfaden Prävention des Gesetzgebers. Prävention müsse demnach in verschiedenen Lebenswelten der Bundesbürger stattfinden: also in der Kita, in der Schule und in einem Betrieb.

Von welchen Lebenswelten ist die Rede?

Krankenkassenvertreter besprechen beispielsweise mit den Firmenverantwortlichen, mit welchen Programmen sie ihren Mitarbeitern helfen können, einen präventiv gesunden Lebensstil zu führen. Ein Flughafenmitarbeiter muss beispielsweise lernen, Koffer richtig zu heben. Der Mitarbeiter eines Autowerks, wie er langes Stehen sinnvoll nutzen kann.

Prävention für dich

In einem anderem Beitrag erfährst du noch mehr über allgemeine Präventionsangebote der Krankenkassen. Du kannst natürlich auch jede Menge für dich selbst tun:

Was nichts kostet, ist auch nichts

Und was heißt das für dich? Dass es nichts wird mit einem Fitnessrezept für lau. Einige wenige Krankenkassen haben zwar schon Kooperationen mit ausgewählten Studios, damit du etwa deinen Rücken trainieren kannst. Allerdings sind die in sich geschlossen. Sie dauern dann zum Beispiel zehn Einheiten. Studios und Trainer, die so einen Kurs anbieten dürfen, müssen etwa von der Zentralen Prüfstelle Prävention zertifiziert sein.

Vielleicht entwickeln sich in Zukunft ja noch Konzepte, in denen sich zum Beispiel Arbeitgeber, Krankenkasse und du als Nutzer solcher Angebote die Beiträge teilen. Vielleicht können qualifizierte Sport-/Yoga-/Pilates- und Fitnessstudios mit eigenen Angeboten irgendwann die Lebenswelten Kita, Schule und Betrieb ergänzen? Was dein Bewegungsverhalten betrifft: Lass ruhig etwas für deine Gesundheit springen; wertschätzen solltest du sie jeden Tag, schließlich hast du nur eine.

Galerie: Zuhause trainieren – worauf muss ich achten?

Wibke Roth

von

Wenn ich Texte verfasse, erfasse ich die Welt. Wenn ich laufe, erlebe ich sie. Ich arbeite als freischaffende Journalistin und Texterin sowie Fitness-, Reha- und Yoga-Trainerin im Herzen des Ruhrgebiets, oder manchmal auch auf Mallorca.

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