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Yogamatten im Test: Namaste und Schadstoffe ...

Beim Yoga dem Stress des Alltags entfliehen – mit welcher Unterlage das am besten klappt, zeigt der große Yogamatten-Test.

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Yogamatten Test

Wie die Prinzessin auf der Erbse – unsere Redakteurin hat zehn Yogamatten getestet.

Woran erkennt der Prinz im Märchen von Hans Christian Andersen die richtige Frau zum Heiraten noch mal? Richtig: Die kann nicht schlafen, weil sie unter ihrem Matratzenturm eine Erbse spürt. Ähnlich sensibel wie „Die Prinzessin auf der Erbse“ hat man zehn Yogamatten mit Yogalehrern getestet: Wo liegt es sich gut? Welche ist rutschfest? Die Experten prüften unter anderem auch, ob die Matten Schweiß und Reibung standhalten. Und weil es nicht nur auf das gute Gefühl ankommt, kamen auch die inneren Werte auf den Prüfstand. Chemiker untersuchten die Matten in aufwendigen Tests auf 14 giftige Stoffe – und wurden fündig!

Galerie: Test Yogamatten: Die Ergebnisse

Wann ist eine Yogamatte eine Yogamatte?

Wer im Internet nach einer Yogamatte sucht, bekommt auch Fitness- und Pilatesmatten angezeigt. Der Unterschied? Sie sind dicker und weicher als Yogamatten. Yoga lässt sich auf Fitnessmatten oder selbst auf einem Handtuch üben. Aber: Wer mit der richtigen Matte praktiziert, macht sich das Yoga-Workout nicht zusätzlich schwer und kann sich auf sich selbst konzentrieren – das ist schließlich das Ziel beim Yoga. Grundsätzlich ist es besser, wenn eine Yogamatte dünn ist, sodass die Füße bei Gleichgewichtsübungen im Stand nicht einsinken. Wer Yoga-Anfänger ist oder Knieprobleme hat, für den kann eine weichere Matte vorteilhaft sein. Ob die Yogamatte geeignet ist, hängt auch davon ab, welche Yogaform ihr Besitzer ausübt.
Yogamatten Test Knie

Knie-Prüfung: Eine Yogamatte muss nicht grundsätzlich knieschonend sein – wenn die eigenen Knie gesund sind.

Der Praxistest im Yogastudio

Neben den zehn Testkandidaten haben die Tester einen Sonderfall außerhalb der Konkurrenz überprüft: eine Yogamatte aus Schurwolle und Latex. Im Yogastudio „Flying Yogi“ in Hamburg haben Yogalehrer Nils Schröder und sein Kollege Jens Barth mit Test-Expertin Julia Struck jede Matte ausprobiert. Im ersten Eindruck haben die Yogis Aussehen, Haptik und Geruch der Matte bewertet. Damit es dabei fair zugeht, hat man alle Matten vor dem Praxistest 24 Stunden ausgelüftet. Danach haben die Lehrer jede Matte beim Praktizieren von vier unterschiedlichen, dynamischen Posen bewertet: Auf den Knien und im Liegen haben sie getestet, wie bequem die Matten sind. Übungen im Stehen gaben darüber Aufschluss, wie einfach es ist, auf der Matte das Gleichgewicht zu halten.
Yogamatte Knitter Test

Knitter-Check: Die Matte soll am Boden haften und formstabil bleiben, auch wenn man sie knautscht.

Eine Erkenntnis aus dem Praxistest: Matten, auf denen es sich weich liegt, geben bei Gleichgewichtsübungen weniger Halt. In der Standard-Übung „Herabschauender Hund“ haben die Experten schließlich geprüft, ob die Matten am Boden haften und rutschfest sind. In dieser Position stehen die Hände vor den Füßen auf dem Boden und das Gesäß ist in die Höhe gestreckt. Für den Schweiß-Test wendeten die Tester einen Trick an: Sie befeuchteten ihre Hände mit einem Waschlappen. „Es ist unerlässlich, dass die Matte rutschfest ist“, sagt Schröder. Wer schon einmal in den „Herabschauenden Hund“ gegangen ist, weiß, was er meint.

Die Matten im Chemie-Labor

Wer Yoga übt, verbringt eine lange Zeit auf der Matte. Dabei besteht Hautkontakt mindestens mit Händen und Füßen. Und beim Atmen gelangen über die Nase flüchtige Stoffe in den Körper. Deshalb überprüften die Tester, ob die Yogamatten mit Schadstoffen aus der Produktion belastet sind. Die Redaktion hat alle Kandidaten im Labor untersuchen lassen. Welche gesundheitsschädlichen Bestandteile in den Matten stecken können, hängt vom Material ab: Die meisten Matten bestehen aus Kunststoffen, einige Testkandidaten aus Naturkautschuk oder Latex. Folgende Stoffe fand das Labor in den verschiedenen Mattentypen:
Yogamatte Test Geruch

Riech-Test: Die Yogalehrer hielten ihre Nase über jede Matte und überprüften ihren Geruch.

  • Alle Matten: In allen Matten kamen polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) vor. Hier gilt ein EU-Grenzwert. Und der ist wichtig: PAK gilt als potenziell krebserregend. Bei der Liforme-Matte stellte das Labor erhöhte Werte fest, die zur Abwertung auf die Note „mangelhaft“ führten.
  • Kunststoff: Die Experten haben unter anderem auf Weichmacher und fortpflanzungsschädigende Stoffe untersucht. Für Yogamatten ist zwar keine spezielle Grenze vorgeschrieben. Das Labor hat sich daher an den Grenzwert für Schuhe (Dimethylformamid) beziehungsweise Baby-Puzzlematten (Formamid) angelehnt.
  • Naturkautschuk/Latex: Hier lauern krebserregende Nitrosamine und allergieauslösende Latexproteine. Für beide gibt es keinen spezifischen gesetzlichen Grenzwert. Die Tester orientierten sich an einem üblichen Richtwert (Latex) beziehungsweise dem Grenzwert für Kinderspielzeug (Nitrosamine). Eine starke Überschreitung des Nitrosamin-Wertes führte zur Abwertung – wie bei der Matte von Lulu Lemon, in der giftige Stoffe in hoher Menge steckten.
Beim Testsieger von Bodhi ist hier alles im grünen Bereich. Zudem ist die Matte die zweitgünstigste im Vergleich und somit auch Preis-Leistungs-Sieger.
Yogamatte Design Test

Design-Test: Damit Hände und Füße gerade stehen, hat Liforme Hilfslinien aufgedruckt – das überzeugte im Test.

Fazit: Yogamatten im Test

Nicht überall, wo „Natur“ draufsteht, ist auch gesund drin. Aus je mehr Materialien die Matten in unserem Test bestanden, umso besser schnitten sie im Praxistest ab. Trotzdem sind die besten aus dem Bereich Zweckmäßigkeit, Liforme und Lulu Lemon, nicht zu empfehlen. Zu Produkten mit so vielen krebserregenden oder fortpflanzungsgefährdenden Stoffen greifen Sie besser nicht. Egal, welche Matte Sie nehmen: Sie sollten sie vor der ersten Benutzung zwingend abwischen und auslüften. So verringern Sie die Gefahr für Ihre Gesundheit. Was sich mal wieder bewahrheitete: Teuer heißt nicht automatisch gut. Die Luxus-Matte Liforme verlässt das Yogastudio abgeschlagen hinter der Konkurrenz. Die Bodhi Asana Mat dagegen fuhr als eine der günstigsten den Testsieg ein. Viele der Matten gibt es übrigens ganz nach Geschmack in verschiedenen Dicken und Größen – so wie die Jade-Matte auf Platz zwei. Die Testergebnisse finden Sie in der Fotostrecke.

Yogamatten