Mike Kleiss – Das neue Laufen!

Warum es Sinn macht, Ultramarathon zu laufen

Mike Kleiss – der eVivam Laufexperte und Kolumnist – hat einige Gründe gefunden, warum die Königsklasse des Laufens durchaus eine gute Idee sein kann. Wenn man es kann! Ultramarathon ist Championsleague. Auch für Dich?

Datum:
Marathonlauf

Warum nicht mal einen Ultramarathon angehen? Experte Mike Kleiss findet keinen Grund dagegen.

Als ich vor drei Jahren meinen ersten Ultramarathon in Rodgau bei Frankfurt gelaufen bin, da fragten mich Freunde und Teile der Familie: Warum? Warum machst Du das? Wovor läufst Du denn jetzt schon wieder weg? Du bist doch Marathon gelaufen, mehrere, aber jetzt einen Ultramarathon?
Ich hatte damals keine Antwort für meine Leute. Auch bei der „Umlaufung“ der Insel Fehmarn, einige Zeit danach, da wurde ich das wieder gefragt. Warum muss ein Mensch 63 Kilometer um eine Insel laufen? Ich musste gar nichts. Ich wollte! Und tat es auch für einen guten Zweck. Ohne zu wissen, ob ich je ankommen würde. (http://www.welt.de/sport/fitness/article131471515/Laufen-fuer-meine-Lieblingsinsel-Fehmarn.html)

Lange laufen ist natürlich

Ich hätte all die Fragen durchaus wissenschaftlich begründen können. Ich hätte sagen können: Wir Menschen sind dazu gemacht, lange Strecken zu laufen. Wir sind auf der Kurzstrecke im Vergleich zu vielen Tieren, ziemliche Nieten. Nur wenige Menschen schaffen es, die 100 Meter in 10 Sekunden zu rennen. Ein Gepard schafft das in 5 Sekunden. Pferde und Windhunde halten über mehrere Minuten die doppelte Höchstgeschwindigkeit menschlicher Läufer. Aber Obacht! Dann geht ihnen die Luft aus. Auf der Langstrecke sind Menschen Weltklasse! Der Biologe Daniel Liebermann von der Harvard University und sein Kollege Dennis Bramble veröffentlichten im Fachblatt „Nature“ eine Studie. Sie nannten sie „Born to run“. Sie schreiben darin unter anderem: „Fossilienbelege sprechen dafür, dass Dauerlaufen eine abgeleitete Fähigkeit der Spezies Homo ist, die vor zwei Millionen Jahren entstand und womöglich zur Evolution des menschlichen Körpers beitrug“. Die ganze Studie ist recht umfangreich. Aber unglaublich spannend! (http://www.geology.upol.cz/Soubory/texty/Bramble.pdf) Und doch wird aus ihr eines klar. Es ist ziemlich einfach. Sehr bildlich und schlau hätte ich all meinen Fragern sagen können: Einen Ultramarathon zu laufen, das ist etwas ganz natürliches, Freunde. Es steckt in unseren Genen. Wir Menschen sind nicht so schnell wie ein Gepard. Er kann schnell rennen, schneller als alle, aber er muss auch schnell seine Beute schlagen. Denn ihm geht Ruckzuck die Puste aus. Quick and dirty muss er sein Essen besorgen. Sonst bleibt er hungrig. Wir Menschen sind laut Studie dazu gemacht, unsere Beute totzuhetzen. Wenn wir „damals“ Fleisch wollten, mussten wir die Tiere über weite Strecken verfolgen. Die Tiere mussten Pausen einlegen. Wir trabten als Dauerläufer einfach weiter. Und irgendwann konnten wir sie einholen. Und zuschlagen. So einfach ist meine Dauerlauferei zu erklären. Wenn wir mal bei der wissenschaftlichen Begründung bleiben wollen. Und da ich dann doch kein Veganer geworden bin, muss ich für mein Stück Fleisch eben sehr sehr lange laufen. Dazu kommt, dass das Laufen meine Form der Meditation ist. So siehts mal aus. Und damit kommen wir auch schon zur sehr menschlichen Erklärung warum es ratsam ist, einen Ultramarathon zu laufen.

Laufen statt Leistungsdruck

Jeder, der einen Marathon gelaufen ist, kennt das. Man wird nicht danach gefragt wie es war. Wie man sich fühlt. Ob alles in Ordnung ist. Die erste Frage ist meist: „Und? In welcher Zeit bist Du angekommen?“. Und diese Fragerei wird auch nicht besser. Denn wer immer mehr 42iger läuft, der wird auch immer öfter und fordernder gefragt: „Bei letzten Mal bist Du doch soundso gut gelaufen. Und dieses Mal doch sicher schneller, oder?“ Und wenn es nicht so gut lief, wenn man tatsächlich langsamer als zuvor war, dann kennt jeder diese mitleidsvollen Blicke. Nach dem Motto „Alles über 3 Stunden ist eine Niederlage“. Fürchterlich.
Tut Euch diesen Stress einfach nicht an. Lauft Ultramarathon. In der Regel interessieren hier keine Zeiten. Denn es geht einfach darum, irgendwie durchzukommen. Und wenn möglich so, dass man hinterher nicht die Treppe nur noch rückwärts hinabsteigen kann. Dazu kommt, dass die Ultramathon-Strecken meist die wesentlich schöneren Laufrouten sind. Ich habe mich zum Beispiel dazu entschieden, in meinem ganzen Leben nicht unbedingt den legendären New York Marathon zu laufen. Am 26.März werde ich mich den 56 schönsten Kilometern der Welt stellen. So sagt man. Beim Two Oceans Marathon in Kapstadt (http://www.twooceansmarathon.org.za/events/ultra-marathon) Bei diesem Lauf geht es nicht um Zeiten, bei diesem Lauf geht es nicht um Religion oder um Politik. Dieser Ultramarathon läuft unter dem Motto „Run as One“. Es geht alleine darum, auf 56 Kilometern das Wunder der Natur zu genießen. Und in den Körper hineinzuhören. Es geht darum, die Stille des Windes und des Ozeans zu spüren. Und es geht darum, nicht gegen die Uhr, sondern mit anderen Läufern zu laufen. Es ist nicht so, dass dieser Ultramarathon einfach nur eine Kuschelstrecke ist. Wer nach sieben Stunden das Ziel nicht erreicht, hat Pech. Denn dann wird das Ziel mit Gittern abgesperrt, und wer exakt nach sieben Stunden nicht über die Linie kommt, muss leider draußen bleiben. So wie der Two Oceans Marathon ist jeder Ultramarathon eine Herausforderung. Für den Kopf und für den Körper. Das Training für eine solche Strapaze ist besonders. Und grundliegend anders als für einen schnöden Marathon. (http://www.ultra-marathon.org/duv-sport/training) Eine gute Vorbereitung ist ein absolutes Muss, und dazu sei jedem wirklich ausdrücklich geraten. Wer aber sorgfältig und achtsam trainiert, wird nicht nur wesentlich fitter als ein Marathon Läufer. Sondern auch sehr entspannt.
Mike Kleiss

von

Mike Kleiß ist gelernter Journalist und arbeitete 20 Jahre für den Hörfunk. Er entwickelte und optimierte erfolgreiche Radiomarken innerhalb der ARD. Er ist Gründer der Kommunikationsagentur Medienhafen Köln.

Kommentare

Die Technik der Kommentarfunktion „DISQUS“ wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.