Mike Kleiss – Das neue Laufen

Nur echte Läufer laufen ohne Alkohol – Frohe Weihnachten!

Mike Kleiss – der evivam Laufkolumnist und Experte, kommt mir einer sehr steilen These daher. Dabei hat er auch noch Angst vor Weihnachtsfeiern. Was stimmt nicht mit ihm? Lest selbst!

Datum:
eihnachtsfeier

Feiern zu Weihnachten sind schön, Alkohol nicht – zumindest nicht fürLäufer, findet Experte Mike Kleiss.

Jetzt, an den letzten Tagen vor Weihnachten, da könnte ich einfach nur laufen. Weit, lang, und noch viel weiter. Hauptsache weg. Es ist nicht der Einkaufsstress, völlig überfüllte Städte, zu viele Menschen. Alleine davor könnte ich natürlich flüchten, und jeden Tag einen Marathon laufen. Um so einfach Ruhe zu haben, Stille. Das einzig schnelle sind die Hasen, die vor mir auf der Laufstrecke flüchten, wenn ich mich durch den Acker pflüge. Es ist so gut.
Was mir wirklich Angst macht, sind Weihnachtsfeiern!
Ich habe in den letzten 4 Jahren in Summe ca. 8 Gläser Alkohol getrunken. Und jedes Mal habe ich mich am nächsten Morgen dafür gehasst. Es war einfach keine ordentliche Leistung abrufbar. Der Morgenlauf wurde zur Qual. Denn ich spürte den Alkohol in jeder Zelle meines Körpers. Je weniger man trinkt, desto empfindlicher wird der Läufer. Und auch sensibler für Gifte. Alkohol bezeichne ich mittlerweile als Gift. Weil es im Läuferkörper nichts, aber auch gar nichts zu suchen hat. Das sehen die Gastgeber der Weihnachtsfeiern allerdings ganz anders.
Saufen, abschleppen, und die dicke Quittung
Jede ordentliche Weihnachtsfeier startet mit dem Welcome Drink. Schließlich muss man sich gleich am Anfang ordentlich Mut antrinken, wenn man die Sekretärin des Chefs später noch erlegen will. Oder auch den Chef selbst nach der Veranstaltung verhaften mag. Will man beides nicht, ist man verdächtig. Noch viel verdächtiger aber ist man, wenn man nicht nach dem Begrüßungs-Sekt greift, sondern...Wasser verlangt. Jeder echte Läufer der den Alk-Spaß nicht mitmacht, kennt die darauf folgenden Blicke. Ungläubig, betroffen, mitleidsvoll. Man steht sofort unter Generalverdacht. Und wird automatisch bei den trockenen Alkoholikern einsortiert. Ich hatte gerade gestern wieder diese Situation. Mit letzter Kraft schleppte ich mich gegen halb drei morgens zur Türe raus. Dem Alkohol zu entkommen, war ein echter Erklärungsmarathon. Aber ich wusste, wofür ich es tat. Für genau zwei wunderbare Momente. Und ich war mir dieser Momente schon vor der Weihnachtsfeier sehr sehr sicher. Sie waren mein Lohn. Nach genau einem Kilometer im Auto wurde ich bereits das erste Mal entlohnt.
Gut geblasen ist schlecht gelaufen
In der allgemeinen Verkehrskontrolle setzte die Chefsekretärin gerade zum Blasen an. Sie steuerte den Wagen des Marketingchefs, der sich genüsslich anschaute, wie die Assistentin des Chefs sanft das Röhrchen zwischen die Lippen packte. Ein letztes Mal, bevor der Lappen weg war. Ich selbst wurde nicht einmal aufgefordert den Test zu machen. Mein Atem war klar und rein. Wie nach einem langen Morgenlauf. Ich wurde durchgewunken, durch das Schlachtfeld der nun Führerscheinlosen. Wie ich diesen Moment feierte. Ebenso wie meinen Morgenlauf heute Morgen. Selten bin ich besser und schneller gelaufen auf 21 Kilometern. Während ich den Marketingchef erst völlig verkatert gegen Nachmittag erreichte, war mein Tag eigentlich schon durch. Gesund, fit, happy. Und nicht einmal neugierig, was das Blasen der Assistentin denn nun genau für ein Ergebnis ausgespuckt hatte.
Nun werden einige sagen: Was ist dieser schreibende Weihnachtsmann für ein Langweiler. Wie unentspannt ist der denn? Er ist tiefenentspannt. Und will gerne aufzeigen, warum es neben meinen beiden beschriebenen Lieblingsmomenten klare Fakten gibt, die alle dazu führen dass ich gerne sage: Echte Läufer trinken nicht!
Gründe für das trockene Laufen
Alkohol verlangsamt unter anderem die Regeneration. Und genau diese ist ebenso wichtig wie das Laufen selbst. Denn die Regeneration ist ein wesentlicher Bestandteil des guten Trainingseffekts. Sportmediziner in Berlin und Dresden haben herausgefunden, dass Alkohol vor allen Dingen die Regeneration der Muskeln hemmt, somit hat der Läufer weniger Kraft beim Laufen. Grund hierfür ist das Absinken des Testosteronspiegels. Testosteron ist aber unter anderem für den Muskelaufbau zuständig.
Dazu kommt, dass Alkohol den Körper entwässert, indem neben Flüssigkeit auch wichtige Salze mit dem Urin ausgeschieden werden. So kommt es leicht zur Dehydrierung, was das Risiko von Krämpfen erhöht. Alkohol stört den Schlafrhythmus und die Schlafqualität; dadurch werden viele wichtige Reparaturmechanismen gestört, die automatisch ablaufen, während wir ruhen. Außerdem ist der Körper schlechter in der Lage, Glykogen zu speichern. Glykogen ist gerade bei Ausdauersport ein wichtiger Baustein - es stellt gespeicherte Energie dar, die bei Anstrengung kurzfristig freigesetzt werden kann. Zwei letzte Fakten, die meine These weiter untermauern:
Nach Alkoholkomsum wird jede Menge Cortisol ausgeschüttet. Das Stresshormon befeuert Entzündungs – und verlangsamt Heilungsprozesse. Erhöhte Werte kann man nach dem letzten Wein noch 6 Stunden lang nachweisen. Ebenso stört Alkohol den Proteinhaushalt der Knochen. Während sie es sich auf der Weihnachtsfeier ordentlich besorgen, wird dieser bis zu einem Drittel heruntergefahren. Ich spreche bewusst nicht das Suchtthema an. Und stelle bewusst nicht die Frage, ob Alkohol eine legale Droge ist. Ich werde in diesem Leben sicher kein Weihnachtsengel mehr werden, damit wir uns nicht falsch verstehen. Wer aber glaubt, dass eine Weihnachtsfeier mit Alk mehr Spaß macht, der möge es mal ohne versuchen. Mehr Spaß machen meine beschrieben Lieblingsmomente nach beinahe jeder Weihnachtsfeier.
Frohe Weihnachten!
Mike Kleiss

von

Mike Kleiß ist gelernter Journalist und arbeitete 20 Jahre für den Hörfunk. Er entwickelte und optimierte erfolgreiche Radiomarken innerhalb der ARD. Er ist Gründer der Kommunikationsagentur Medienhafen Köln.

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