Mike Kleiss – Das neue Laufen

Mike Kleiss: Laufen im Herbst – so lauft Ihr sicher!

Unser Kolumnist und Laufexperte Mike Kleiß hat sich kürzlich ziemlich zum Affen gemacht. Gut, es ist bald Weihnachten. Aber muss man deshalb auch so aussehen? Und leuchten wie ein Weihnachtsbaum? Er findet schon!

Datum:
frau joggt im schnee

Mike Kleiss findet, dass Sichtbarkeit im WInter für Läufer lebensrettend sein kann.

Frau Budde ist 93 Jahre alt. Frau Budde läuft. Mit dem Rollator. Aber es läuft bei ihr. Frau Budde ist meine Nachbarin. Frau Budde sieht kaum noch etwas. Deshalb ist es ihr egal, ob es früher dunkel wird, im Herbst. „Wenn Sie mir Hallo sagen wollen, wenn ich an Ihnen vorbei rolle, dann sagen Sie wer Sie sind, Herr Kleiss. Sonst erkenne ich sie nicht. Ich will Sie doch so gerne begrüßen, wissen Sie?“. Sagte Frau Budde vor einem Jahr. Es war zu Herbstbeginn. Neulich traf ich sie wieder. Und sagte wer ich bin. Es ist nicht heller um Frau Budde geworden, aber sie ist noch immer sehr helle im Kopf. Es war kurz vor halb sieben am Abend: „Ah, Sie gehen wieder laufen. Ist es schon richtig dunkel? Sind Sie auch warm angezogen? Haben Sie Taschentücher dabei? Haben Sie eine Taschenlampe? Und essen Sie genug Vitamine?“, fragte Frau Budde. Nichts davon hatte ich. Und hatte ein schlechtes Gewissen. „Alles tip top, Frau Budde. Ich muss los, es wird dunkel“, sagte ich, drückte ihre Hand, und mogelte mich in den dunklen Wald, in dem mir andere Läufer entgegen stolperten. Immer wieder tauchten sie aus dem Nichts auf. Nicht ungefährlich. Und ich ärgerte mich. Über mich selbst. Ich war sowas von unequipped! Unfassbar!
Mal kurz nachdenken! Haben wir eigentlich was am Kopf?
Wir reden von Laufschuhen, die Füsse und Gelenke schonen. Wir reden von gesunder Ernährung, wir reden von atmungsaktiver Kleidung. Davon, genug Flüssigkeit zu uns zu nehmen. Um dann in der Dunkelheit mit den Köpfen aneinander zu knallen, um uns wegen schlechter Kleidung eine Grippe einzufangen, am Ende werden wir von Autos platt gefahren, weil uns niemand sieht. Aber Hauptsache darüber diskutieren, ob man abends nun Kohlehydrate isst oder nicht. Noch krasser ist es bei Radfahrern. Wenn Menschen in den Skiurlaub fahren, tragen sie einen Helm. Nun ist das Skifahren nicht unbedingt eine tägliche Beschäftigung. Viele fahren aber mit dem Rad. Täglich. Ohne Helm. Erklärt mir mal die Logik?
laufen dunkelheit

Ob andere Verkehrsteilnehmer diesem Läufer wohl sehen? Kleiss hat seine Zweifel...

Vom eitlen Läufer zum Weihnachtsbaum
Es gibt keine Logik. Radfahrer sind auch nur Radfahrer und eitel. Läufer sind auch nur Läufer. Und eitel. Und wer will schon eine unsexy Stirnlampe tragen, um auszusehen wie ein Bergarbeiter? Und wer will schon blinkende Reflektoren tragen, und aussehen wie ein fleischgewordener Weihnachtsbaum? Und eine gelbe Warnweste anziehen, und aussehen wie eine Reifenpanne? Wer? Ich! Vor ein paar Tagen. An der Alster in Hamburg. Und ich kann Euch sagen, ich war sowas von uncool zwischen all den Lauf-Hipstern. Und wisst Ihr was? Es war zunächst mal ein Riesenspaß. Ich hatte an der total Jogger-überfüllten Alster Platz. Richtig viel Platz zum Laufen.
Für rund 70 Euro Spaß und Sicherheit. So geht das.
Ich hatte mir für knappe 30 Euro das Modell Neo von Led Lenser gekauft (https://www.facebook.com/LedLenser?fref=ts) , dazu eine sehr sehr schöne grelle Streak Warnweste von Nathan (https://www.facebook.com/NathanPerformanceGear) für 25 Euro, und ein paar blinkende Reflektoren von SeeYu für die Arme für je 13 Euro (http://seeyu-reflectives.com/). Die Massen waren geblendet von mir. Und ich teilte den Weg, wie sich einst das Wasser teilte. Ein Traum. Ich wurde gesehen. Und ich konnte sehen. Ein Invest von rund 70 Euro brachte im ersten Moment jede Menge Ärger der anderen Läufer. Im zweiten Moment unglaublich viel Spaß. Ich gestehe, es ist ein anderes Lauferlebnis, wenn man mit Stirnlampe läuft. Es hat einen gewissen „Wow“ Effekt. Der Lichtkegel schafft einen kühlen und doch angenehmen Sichtbereich.
Dennoch nehmt Ihr den Weg außerhalb dieses erleuchteten Radius durchaus wahr. Skuril und schön zugleich. In jedem Fall ein Erlebnis, und plötzlich macht es richtig Spaß in der Dunkelheit zu laufen. Die LED Kirmesbeleuchtung an den Armen hat zunächst etwas sehr Kindliches. Aber endlich rempelt euch niemand mehr an. Weniger blaue Flecken, mehr Freiheit. Das Kindliche wird durch die Warnweste wieder wettgemacht. Sie steht für männlich, Schrauber, Öl, Stahl und Motoren. Echte Läufer können sowas tragen.
Wichtig ist, dass Ihr bei der Auswahl dieser Sicherheitselemente darauf achtet, dass gerade die Reflektoren den europäischen Sicherheitsstandart erfüllen, und eine DIN EN 471 Zertifizierung haben.
Für rund 70 Euro kann man sich nicht nur jede Menge Spaß kaufen. Man erkauft sich auch Freiheit. Denn endlich ist der Druck weg. Ihr müsst Euch nicht mehr abhetzen, um noch im Hellen nach dem Job laufen zu können. Im Gegenteil, Ihr freut Euch auf den Nachtlauf. Wichtig ist: Es gibt endlich keine Ausreden mehr. „Es ist noch/ es ist dann doch schon dunkel, ich kann nicht laufen“, ein für alle mal zählt das nicht mehr. Entscheidend aber ist: Für wenig Geld bekommt Ihr maximale Sicherheit. Dabei schützt Ihr nicht nur euch selbst. Andere Läufer mögen vielleicht genervt sein, aber sollten euch dankbar sein. Denn Zusammenstöße können recht schmerzhaft sein und böse enden.
Der allerwichtigste Grund für mich diese Tools zu benutzen, und nur noch im Dunkeln zu laufen, ist jedoch: Ich muss Frau Budde nicht mehr sagen, dass ich es bin. Selbst sie erkennt den irren Laufkleiss in Zukunft schon von Weitem. Irgendwas ist ja immer.
Mike Kleiss

von

Mike Kleiß ist gelernter Journalist und arbeitete 20 Jahre für den Hörfunk. Er entwickelte und optimierte erfolgreiche Radiomarken innerhalb der ARD. Er ist Gründer der Kommunikationsagentur Medienhafen Köln.

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