Mike Kleiß – das neue Laufen

Hör auf deinen Körper: Gentle Running – achtsames Laufen

Es ist nicht mehr angesagt, hart zu sich selbst zu sein. Die Ellenbogen aus dem Arbeitsalltag haben beim Laufen nichts zu suchen, findet Autor und Laufexperte Mike Kleiß.

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Mike Kleiß Neues Laufen achtsam

Beim Laufen sollte man nur auf seinen eigenen Körper hören, meint Laufexperte Mike Kleiß.

Gestern erreichte mich die Nachricht einer ehemaligen Radiokollegin. Sie steht mittlerweile vor der TV-Kamera und hat drei Kinder zur Welt gebracht. TV-Menschen haben einen besonderen Blick auf ihre Figur. Sie liest auf meinem privaten Facebook Account mit, sie liest die Kolumne. Sie kommentierte stets nicht, sie hat die Laufgeschichten einfach aufgesogen. Und obwohl sie das Laufen nie mochte, hat sie sich motivieren lassen. Ein kleines Laufwunder ist da passiert.
Es ist der fünfte Tag, an dem sie läuft. Und – auch ich bekam das oft zu hören – sie erfährt die ganze Wucht der Laufexperten. Sie schrieb mir: „Deine Läufer-Geschichte(n) haben mich inspiriert und ich war auch heute wieder laufen. Ich bin sehr langsam und jogge 25-30 Minuten und bin dann zwar fertig, aber wirklich glücklich. Ich würde gerne auch morgen wieder laufen, von links und rechts bekomme ich jetzt aber gesagt: Pause machen, ausruhen, weil Zerrung. Was hältst Du davon?“. Meine Antwort war klar und deutlich: „Hör nicht auf die Leute. Hör auf Deinen Körper. Und wenn Du laufen willst, lauf“.

So geht Gentle Running

Ein grob fahrlässiger Rat an die Kollegin? Nein. WENN man die neue Haltung beim Laufen unterschreibt. Und die gibt es. Und sie setzt sich als eine Art Trend immer mehr durch. Die zentrale Frage ist NICHT mehr: „Was oder wieviel leiste ich beim Laufen“, sondern: „Was leistet das Laufen für mich? Was macht es mit mir? Was kann es für mich tun?“. Es ist die Philosophie des „Gentle Runnings“, des achtsamen Laufens. Hierbei spielt nicht etwa die Zeit eine Rolle. Hier geht es darum, dass der Läufer losläuft und beobachtet, was in seinem Inneren passiert. Dabei hört er auf seinen Atem, er spürt jede einzelne Bewegung, nimmt die Natur bewusst wahr, was gerade im Frühling besonders intensiv sein kann.

Wenn das Laufen zur Meditation wird

So erlangt selbst der Laufanfänger eine Art meditative Ebene, und kann den Alltag vergessen. Und der Läufer entscheidet spontan, wie lange er läuft. Und wie oft. Und wie intensiv. Vor allen Dingen aber hört man in den Körper hinein, und nicht auf das, was das Umfeld rät. Freunde, Familie, Bekannte haben sicher Sorge. Oft jedoch ist es für gerade die schwer einzuschätzen, ob nicht einfach ein liebgewonnener Mensch davonläuft. Wer sich plötzlich bewegt, macht anderen oft Angst. Gerade denen, die stehenbleiben. Und gerade dann ist es wichtig, sich aus schlechtem Gewissen nicht stoppen zu lassen.
Das mag esoterisch klingen. Ist es jedoch nicht. Das Gentle Running deckt sich mit vielen klugen Stimmen aus der Sportmedizin. Dr. Paul Klein von der Orthopädie der Mediapark Klinik in Köln und Vereinsarzt des 1.FC Köln sagt dazu: „Der Sportler kann sich in der Tat gut vor Verletzungen schützen, und vor Überbelastung. Wenn er wieder lernt, auf den eigenen Körper zu hören, Signale zu deuten. Und mit etwas Übung kann das jeder.“ Hart zu sich selbst zu sein macht nie wirklich Sinn. Und beim Laufen keinesfalls. Heute erreichte mich wieder eine Message der Ex-Kollegin: „Ich war heute wieder. Und ich fühle mich glücklich“.

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Mike Kleiss

von

Mike Kleiß ist gelernter Journalist und arbeitete 20 Jahre für den Hörfunk. Er entwickelte und optimierte erfolgreiche Radiomarken innerhalb der ARD. Er ist Gründer der Kommunikationsagentur Medienhafen Köln.

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