Mike Kleiß - das neue Laufen

Kleider machen Läufer – Laufbekleidung mit Sinn und Style!

Kolumnist und Lauf-Experte Mike Kleiß verrät in dieser Ausgabe seiner Kolumne wirkliche Geheimtipps rund um die Laufbekleidung. Langweilig war gestern, das neue Laufen ist bunt! Viel Spaß!

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Joggerin in Lila

Sollte sitzen wie eine zweite Haut: die richtige Kleidung zum Laufen.

Ihr kennt das vielleicht. Gerade als Mann kann man ziemlich schnell genervt sein, wenn es um coole Laufbekleidung geht. Es ist immer die schwarze Laufhose, das graue Laufshirt, die schwarze Jacke. Und wenn sie mal blau oder gar rot ist, dann ist das schon sehr ausgeflippt. Dann ist man schon der Exot unter den Läufern. Frauen haben es da ein wenig einfacher, für sie gibt es auch schon mal ein schönes Pink oder auch ein keckes Gelb. Es ist im Grunde egal, welcher Hersteller es ist. Wer mehr als zwei oder drei Laufoutfits benötigt, der ist schon fast verloren. Verloren in der Langeweile.
Der Laufbekleidungsmarkt boomt. Wo sind die coolen Brands?
Sie können gerne weiter von der Stange kaufen. Und es ist nichts dagegen zu sagen. Adidas, Asics, Nike, sie alle haben sich den Laufmarkt geschnappt, sich positioniert, und sie leben gut damit. So wie viele andere Hersteller auch. Und wer sich damit wohlfühlt, der fühlt sich damit wohl.
Wehe aber dem, dem die Alternativen fehlen. Wehe dem, der mehr will. Der eine wirklich coole Brand will – und dann eventuell auch noch Qualität und keine Billigproduktion aus Asien. Für Läufer, die eine Marke mit Haltung und Geschichte suchen, wird es sehr, sehr eng. Ich habe lange nach so einer Marke gesucht und verrate euch ein paar coole Alternativen. Ihr müsst mir nur versprechen, es nicht weiterzuerzählen.
Lululemon Athletica – Abercrombie & Fitch war gestern
Es ist eine wunderbare Geschichte, eine Geschichte, die nach Liebe und viel Sinn klingt. Gründer der neuen Kultmarke Lululemon Athletica ist Chip Wilson. Als er vor Jahren mit seiner Frau am Strand sitzt, fällt ihm auf: Wenige Läufer tragen wirklich coole Sportklamotten. Chip selbst ist Läufer, seine Frau betreibt Yoga. Chip gründet Lululemon zunächst mit dem Ziel, Yoga-Bekleidung zu schaffen, die außergewöhnlich ist. Seine Frau setzt die Idee als Schneiderin um.
Lululemon bringt nie klassisch eine Frühjahrs- und eine Herbstkollektion auf den Markt. Von Beginn an befragen Wilson und seine Leute Käuferinnen und Käufer. Er nimmt Anregungen und Kritik ernst, verarbeitet die Ideen sofort, bringt die neuen Stücke postwendend auf den Markt. Mit diesem „Feedback“ arbeitet Lululemon bis heute. Obwohl die Klamotten längst nicht mehr von Chips Frau geschneidert werden.
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Damit laufen Spaß macht, muss auch die Kleidung passen - wortwörtlich.

Und so funktioniert Lululemon
Sehr clever ist das Marketingprinzip von Lululemon. Zunächst etabliert die Firma einen Showroom in einer Stadt. Dies ist kein normaler Store, sondern Versuchslabor. Es gibt zwar einzelne Stücke zu kaufen, der Showroom ist aber eher eine Art Begegnungstätte. Von hier aus nehmen Lululemon-Mitarbeiter Kontakt zu örtlichen Fitnessstudios auf, bauen eine Community auf, organisieren Laufgruppen, tauascht sich über die Bekleidung aus.
Judith Hesemann vom Lululemon Showroom in Köln erklärt: „Das Verkaufen steht nicht an oberster Stelle. Wir vermitteln einen Lifestyle, uns sind unsere Werte wichtig, wir erklären die Produkte, wir vermitteln Spaß am Leben, Ziele sind uns wichtig. Und der Spaß ist uns wichtiger als Geld“.
Leicht gesagt – Lululemon-Klamotten sind schließlich nicht wirklich günstig. Dafür ist sie fürs Laufen nicht nur unglaublich angenehm, jedes Stück ist auch ein absoluter Hingucker. Schweiß wird sofort getrocknet, es entsteht nicht das typische Nässegefühl. Lululemon ist wie eine zweite Haut, die kaum zu spüren ist, für lange Läufe perfekt. Bisher war die Marke nur Fans bekannt, die einzelne Teile unterwegs in den USA oder Kanada gekauft hatten. Und nun scheint so etwas wie ein Kult zu entstehen, Flüsterpopaganda mit Abercrombie-&-Fitch-Effekt. Sollten die Showrooms in Deutschland funktionieren, folgen echte Läden. Aber zunächst ist Lululemon noch ein Geheimtipp, eine Marke mit Haltung.
Rapha – die Radsportmarke der Helden
Leider gibt es in Deutschland derzeit nur zwei Läden, in denen sich eine besonders schöne Marke fürs Laufen kaufen lässt. Die Radsportmarke Rapha etwa gbt's eigentlich nur online. Das mag zeitgemäß sein, hat aber einen Haken: Was wir auf der Haut tragen, gerade als Sportler, das sollte man zunächst anfassen und fühlen können. Das ist online nicht ganz einfach, vor allen Dingen aber schwierig, weil sich die Engländer eine klare Haltung gegeben haben, inspiriert durch den niederländischen Autor und Amateuerradsportler Tim Krabbe.
Dieser schrieb in seinem Roman „Ehre durch Leid“, der 1978 erschien: „Je größer das Leiden, desto höher das Glück. Dies ist die Rückvergütung der Natur an die Fahrer, die ihr leidend huldigen. Samtkissen, Safariparks, Sonnenbrillen … Die Menschen sind verweichlicht. Noch immer verfügen sie über einen Körper, der fünf Tage und vier Nächte lang ohne Nahrung durch eine Schneewüste marschieren kann, aber sie lassen sich zu einer einstündigen Radtour gratulieren. Anstatt sich mit Nasswerden für den Regen zu bedanken, laufen sie mit Schirmen umher. Die Natur ist eine alte Dame mit nur noch wenigen Freunden. Wer sich aber ihrer Reize erfreut, wird üppig belohnt.“ Als 2004 die erste Rapha-Kollektion auf den Markt kam, war sie mit genau dieser Haltung aufgeladen.
Rapha heute. Eine echte Alternative für Läufer
Es gibt Polos, die eng geschnitten, die wunderbar old-school aussehen, aber absolut Hightech sind. Das ist bei Rapha Programm. So wie das Unternehmen den Radfahrern Respekt zollt, den Helden der Straße trockene Sachen „schenken“ will, so cool sind die Schnitte und Materialien, unter anderem Merino-Baumwolle. Die Teile haben sinnvolle Gimmicks wie Taschen, Reißverschlüsse und versteckte Öffnungen, um die Atmung der Haut zu gewährleisten. Die Schnitte sind sehr körperbetont, die Shirts bleiben aber atmungsaktiv und sind prima für Läufer geeignet.
In der nächsten Folge gibt es noch zwei Marken, die das neue Laufen ausmachen. Dann stelle ich euch GoreRunning und Falke vor. Zwei Marken, die lange nichts mit dem Laufen zu tun hatten. Und nun die Läufercharts stürmen.
Mike Kleiss

von

Mike Kleiß ist gelernter Journalist und arbeitete 20 Jahre für den Hörfunk. Er entwickelte und optimierte erfolgreiche Radiomarken innerhalb der ARD. Er ist Gründer der Kommunikationsagentur Medienhafen Köln.

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