Stark, aber herzkank

Anabolika im Kraftsport: Gift fürs Herz!

Anabolika sind beliebt – vor allem bei jungen Männern, die schnell Muskeln und ihre Leistung ankurbeln wollen. Doch Dopingmittel schädigen das Herz dauerhaft!

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Anabolika:Mann mit Muskeln und Spritze

Anabolika machen zwar stark, schädigen aber das Herz dauerhaft.

Anabolika haben nicht nur im Spitzensport, sondern auch im Freizeitsport Hochkonjunktur. Vor allem junge Männer im Fitnessstudio dopen mit Pillen und Präparaten, um ihre Muskeln schneller wachsen zu lassen, das Körperfett zu senken und ihre Leistung zu steigern. Vorsichtige Schätzungen gehen davon aus, dass in Deutschland rund 450.000 Freizeitsportler verbotene Anabolika – sogenannte anabole Steroide - oder andere gesundheitsschädliche Substanzen konsumieren. Die Mehrheit ist jung, männlich, Kraftsportler und stemmt Gewichte. Anabolika sind in Fitnessstudios und im Internetversandhandel leicht und schnell zu haben. Eine neue Studie vom Massachusetts General Hospital Heart Center in Boston deckte jetzt auf, dass Anabolika das Herz schädigen – und zwar langfristig!

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Das Herz nimmt durch Anabolika dauerhaften Schaden

Die Wissenschaftler um Aaron L. Baggish befragten 140 Gewichtheber, die sie in Sporteinrichtungen und Fitnesscentern gefunden hatten. 86 Sportler gaben an, schon einmal Anabolika konsumiert zu haben. Die anderen sagten, sie hätten niemals leistungssteigernde Substanzen eingenommen. Zum Zeitpunkt der Studie schluckten 58 Kraftsportler noch immer Anabolika, während bei 28 der Muskelpakete die Einnahme der Dopingmittel durchschnittlich 15 Monate her war.
Dann untersuchten die Forscher die Herzleistung der Sportler mittels Herzultraschall. Sie bestimmten die systolische Funktion der linken Herzkammer (systolisch = Kraft, mit der sich die Herzkammer kontrahiert) und maßen deren Auswurfleistung (Ejektionsfraktion). Diese lässt Rückschlüsse darüber zu, wie viel Blut nach dem Zusammenziehen der linken Kammer in die große Körperschlagader befördert wurde. Männer, die Anabolika anwendeten, hatten eine viel niedrigere Auswurfleistung der linken Herzkammer (52 Prozent) als jene Sportler, die keine anabolen Steroide mehr schluckten. Ihre Auswurfleistung lag bei relativ normalen 63 Prozent.
Auch die diastolische Funktion des Herzens war beeinträchtigt (diastolisch = Zeit bis zur Erschlaffung der Herzkammer). Dies galt sowohl für derzeitige als auch ehemalige Anwender von Anabolika. Die Autoren schlussfolgern daraus, dass diese Funktionseinbußen des Herzens nicht mehr rückgängig zu machen sind, selbst wenn ein Sportler längst keine Anabolika mehr einnimmt. Die Muskeln schwinden dann vielleicht, aber die Schäden am Herzen bleiben bestehen.

Anabolika lassen die Herzkranzgefäße verkalken

Auch scheinen leistungssteigernde Medikamente die Arterienverkalkung (Arteriosklerose) in den Herzkranzgefäßen zu beschleunigen, wie die Forscher anhand einer Computertomografie bei den 140 Sportlern herausfanden. Männer, die weiterhin Anabolika schluckten, hatten viel mehr Ablagerungen (Plaques) in den Gefäßen am Herz. Je mehr Dopingmittel sie im Lauf des Lebens konsumiert hatten, desto ausgeprägter war auch die Verkalkung. Dazu passte, dass Anabolika-Schlucker noch mehr Risikofaktoren für Arteriosklerose hatten, zum Beispiel Bluthochdruck und höhere Werte des „schlechten“ LDL-Cholesterins.

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Anabolika schlucken vor allem junge Männer

Das Problem des Medikamentenmissbrauchs in Fitnessstudios ist nicht neu. Dort sind Anabolika oft leicht zugänglich – nicht nur bei kostengünstigen Fitnessketten, sondern auch in Studios, die eher auf Wellness setzen. Auch über das Internet sind leistungssteigernde Anabolika einfach zu beziehen, und zwar mit Tipps, wie Sportler sie möglichst effektiv anwenden. Die meisten Anabolika sind Importe aus Asien oder stammen aus europäischen „Geheimlaboren“. Vor allem junge Männer greifen oft zu Dopingmitteln. Die Einnahme von Anabolika im Freizeitsport ist übrigens in Deutschland nicht strafbar. Verboten ist es dagegen, solche Dopingmittel in den Verkehr zu bringen, zu verschreiben oder bei anderen anzuwenden.
Weil immer mehr Freizeitsportler dopen, startete die Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen in Paderborn 2013 das Studienprojekt „No roids inside – ein Programm zur Prävention des Medikamentenmissbrauchs in Fitnessstudios“. Es bietet dopenden Freizeitsportlern Hilfe und Beratung zum Ausstieg aus dem Doping sowie alternative Trainingsmethoden, die Anabolika überflüssig machen.

Nahrungsergänzung für Sporler

Ingrid Müller

von

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