Diäten: Märchen und Wahrheiten

Winterspeck verlieren: So schon mal nicht

Du willst deinen Winterspeck verlieren? Dann hast du bestimmt schon auf die ein oder andere Diät geschielt. Das Gemeine: Immer wieder gelingt es Frauenmagazinen, Online-Portalen und findigen Geschäftsleuten mit ihrer Werbung, Hoffnung mit diesem diabolischen Begriff zu schüren.

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Feste reinbeißen: So verliert der Hamburger seinen Speck

Winterspeck verlieren: Wenn du fest in deinen Hamburger beißt, verliert er wenigstens schon mal seinen Speck – auch eine Variante, weniger fettreich zu essen.

Eine Diät ist laut Duden eine „auf die Bedürfnisse eines Kranken, Übergewichtigen (...) abgestimmte Ernährungsweise“. Und schon da liegt die erst Crux: Welche Diät ist schon genau auf dich abgestimmt? Sind es nicht eher die Vorher-/Nachher-Bilder, die dich mit Blick auf deine Wunsch-Bikini-Figur dazu bringen, die x-te Diät zu starten? Oder ist es das Versprechen, dass du auch garantiert faul, also körperlich inaktiv, bleiben darfst – und du trotzdem eine bestimmte Gewichtsabnahme erreichst?

Winterspeck verlieren: Laut DGE nicht mit solchen Versprechen

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung DGE rät von einem Diät-Produkt und -Programm ab,
  • das mit Vorher/Nachher-Bildern oder Aussagen von Einzelpersonen wirbt,
  • das dir verspricht, schnell, problemlos und ohne eigene Aktivität abnehmen zu können,
  • das eine bestimmte Gewichtsabnahme verspricht, zum Beispiel „3 Pfund weniger in 2 Tagen“,
  • bei dem du angeblich nach wie vor alles essen darfst, was du willst,
  • das Erfolgsgarantien gibt oder diesen Eindruck vermittelt,
  • bei dem Wirkmechanismen unzureichend erklärt sind,
  • das Zusatzkäufe nötig macht, zum Beispiel Ohrstecker, Badezusätze, elektrische Geräte oder
  • das nur über eine Brief-Adresse, vor allem im Ausland, erhältlich ist.

Strikte Vorschriften verführen dich zu einem Pakt mit dem Jo-Jo-Effekt

Ob HCG-, Hollywood-, Eiweiß-, Insulin-Rohkost-Diät oder Gewichtsreduktion mit Monofood und Formula-Diäten: TK-Expertin Nadine Müller, Diplom-Ökotrophologin und M. Sc. Public Health Nutrition, weiß um die diabolische Wirkung von Diätversprechen: „Viele Diäten klingen oft verführerisch, weil sie in kurzer Zeit eine hohe Gewichtsabnahme versprechen. Auch wenn sie kurzfristig wirken, bringen strikte Vorsätze oder rigide Diätvorschriften keinen dauerhaften Erfolg. Je karger und einseitiger sie sind, desto größer die Chance, nach der Diät ein höheres Gewicht zu erreichen als vorher. Der Jo-Jo-Effekt tritt ein.“ Der Grund: Dein Körper lernt in den mageren Zeiten, mit so wenig Nahrung wie möglich auszukommen. Bei häufigen Diätversuchen wiederholen sich diese Zeiten und der Körper drosselt seinen Energieverbrauch. Müller ergänzt: „Wenn du nach der Diät wieder normal isst, legt dein Körper die zusätzlichen Kalorien in Form von Fettdepots als Reserve für die nächste Hungerperiode an.“ Außerdem verlierst du bei einer Magerkur zunächst vor allem Zweierlei: Wasser und Muskelmasse.

Willst du, darfst oder musst du sogar abnehmen?

Stell dir am Anfang ruhig die Frage, ob du tatsächlich zu viele Pfunde auf den Rippen hast. Als Richtschnur berechne mithilfe von eVivam dein Idealgewicht. Mindestens genauso wichtig ist natürlich dein Körpergefühl: Findest du dich zu dick? Oder fühlst du dich eigentlich ganz wohl in deiner Haut? Übergewicht ist ungesund, aber nur, weil du keine Modelfigur hast, musst du keine Diät machen. Manchmal reicht es auch, wenn du mehr Sport treibst, um dein Körpergewebe zu festigen. Wenn du eine chronische oder langwierige Krankheit hast, solltest du deinen Hausarzt fragen, ob du deine Ernährung überhaupt verändern darfst. Für Schwangere kommt eine Diät nicht infrage. Ansonsten spricht nichts dagegen, ein paar Pfunde zu verlieren. Für manch einen ist es sogar zwingend notwendig: für stark Übergewichtige zum Beispiel.

Sinn und Unsinn zweier Diätprodukte

Auch wenn Nadine Müller generell nicht viel von Diäten zur langfristigen Gewichtsreduktion hält: „Für stark Übergewichtige mit einem BMI über 30 können maximal in den ersten zwölf Wochen der Ernährungstherapie Formulaprodukte zum Einsatz kommen. Durch diese Shakes werden dann ein, zwei oder sogar drei Mahlzeiten ersetzt. Dadurch ist eine schnellere Gewichtsabnahme zu erwarten. In die Behandlung sollte aber ein Arzt eingebunden sein und danach sollte ein Gewichtsreduktionsprogramm folgen, durch das der Patient lernt, sein Ernährungs- und Bewegungsverhalten zu verändern.“
Die HCG-Diät, bei der sich die Diät-Willigen ein Schwangerschaftshormon spritzen oder einnehmen und gleichzeitig die Kalorienzufuhr drastisch reduzieren, sei indes nicht empfehlenswert. Sie kann den Hormonhaushalt negativ beeinflussen. Wegen der zu geringen Energie- und Nährstoffzufuhr kann es außerdem zu Nebenwirkungen wie Müdigkeit oder Kreislaufstörungen kommen.

Galerie: Abnehmen zwischen Lüge und Wahrheit

Wibke Roth

von

Wenn ich Texte verfasse, erfasse ich die Welt. Wenn ich laufe, erlebe ich sie. Ich arbeite als freischaffende Journalistin und Texterin sowie Fitness-, Reha- und Yoga-Trainerin im Herzen des Ruhrgebiets, oder manchmal auch auf Mallorca.

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