Foodwatch warnt vor Mineralöl in Süßigkeiten

Welche Naschereien dürfen in deinem Einkaufskorb landen?

Ob manche Nascherei in den Einkaufskorb wandern sollte, ist nicht nur eine Frage potenziellen Hüftgolds: Wer will schon schwarzes Gold in seinem Körper haben? Die unabhängige Verbraucherschutzorganisation Foodwatch hat Süßes auf seinen Mineralölgehalt getestet.

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Was darf in meinen Einkaufskorb?

Wie bei vielen anderen Süßigkeiten stecken auch hier nicht nur erwünschte Zutaten wie Kakao und Zucker drin, sondern auch Mineralöl-Bestandteile. Das ergab ein Test der Verbraucherschutz-Initiative Foodwatch.

Die EM bietet Gelegenheit für Geselligkeit mit Bier, Knabber- und Süßkram. Ob Schokoloade oder Chips: Die unabhängige Verbraucherschutzorganisation Foodwatch hat jetzt vor einigen Produkten gewarnt. Sie hat 20 Süßwaren und salzige Snacks auf ihren Mineralölgehalt untersuchen lassen. In zwölf von ihnen, und das ist die gute Nachricht, waren nach Foodwatch-Informationen keine aromatischen Mineralölkohlenwasserstoffe (MOAH) und nur geringe Mengen gesättigter Mineralölkohlenwasserstoffe (MOSH) nachweisbar. Weitere acht Produkte wiesen nach Angaben von Foodwatch mittlere bis hohe hohe Belastungen von MOSH auf, drei sogar von MOAH.

Hintergrund: MOSH und MOAH

MOSH und zu einem geringeren Anteil auch MOAH können sowohl in pflanzliche als auch in tierische Lebensmittel gelangen; etwa beim Anbau, bei der Ernte, während der Lagerung, der Verarbeitung oder der Produktion. Sie können über den Karton in die Lebensmittel gelangen. eVivam hatte vor ein paar Monaten bereits berichtet, dass Foodwatch in eigenen Analysen Mineralöl in deutschen Lebensmitteln wie Cornflakes und Reis nachgewiesen hatte und funktionelle Barrieren in Umverpackungen forderte. ALDI Süd hatte seinen Zulieferern daraufhin sogar den Ölhahn zugedreht.
In seinen Testergebnissen erläutert Foodwatch sehr ausführlich die Einschätzungen verschiedener Behörden zum Einfluss der Mineralöl-Bestandteile auf die Gesundheit:
MOAH
  • Die europäische Behörde für Lebensmittelsicherhiet (EFSA) stufe die aromatischen Mineralöle als „möglicherweise krebserregend und erbgutverändernd“ ein.
  • Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sei der Ansicht, dass MOAH nachweislich nicht auf Lebensmittel übergehen sollten.
  • Für ihren Test hat Foodwatch daher bereits geringste MOAH-Mengen als negativ eingestuft.
MOSH
  • Laut Foodwatch ist es nachgewiesen, dass sich gesättigte Mineralöle in menschlichen Organen anreichern. In Tierversuchen führten diese Anreicherungen zu Organschäden.
  • Wenngleich zurzeit noch nicht erwiesen ist, ob sie beim Menschen zu Organschäden führen und wie groß die Menge sein muss, empfehle das BfR, diese MOSH-Bestandteile in Lebensmitteln so weit wie technisch möglich zu minimieren.
  • Für ihren Test bewertete Foodwatch daher mit einer Smiley-Ampel: keine bis geringe Belastungen (2 mg/kg) mit einem grünen Smiley, bis 5 mg/kg mit einem gelben. Werte darüber wurden mit rotem Smiley als hohe Belastung gewertet.

Galerie: Mineralöl in Süßigkeiten

Auf eVivam-Nachfrage erläutert Foodwatch-Pressesprecher Dario Sarmadi die Einteilung so: „Für gesättigte Mineralöle gibt es derzeit keine abschließende gesundheitliche toxikologische Risikobewertung und somit auch keine offiziell zulässige Aufnahmemenge. Da jedoch belegt ist, dass sich MOSH im menschlichen Körper anreichern (s. EFSA-Studie von 2012), ist das BfR der Ansicht, dass diese Substanzen in Lebensmitteln so weit wie technisch möglich minimiert werden sollten. In unserem Test bewerten wir MOSH daher nach dem Prinzip ,je weniger, desto besser‘. Die konkrete Bewertung haben wir selbst aus der Erfahrung unserer vergangenen Testergebnisse erstellt. In naher Zukunft will die EFSA die Risiken von MOSH neu bewerten, dementsprechend werden wir unser Bewertungsschema gegebenfalls ver- bzw. entschärfen. (...)“

Panikmacher Foodwatch?

Gerade wirft der Spitenzenverband BLL, der Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde e.V., Foodwatch Panikmache vor. Der BLL-Präsident zählt übrigens zur Geschäftsführung von Ferrero Deutschland.
Wenn bunt verpackte Süßwaren plötzlich einen bitteren Beigeschmack bekommen, weil ein verhältnismäßig kleiner Verein immer wieder auf die Stelle drückt, wo Schwarzes ans Licht tritt, kommt also plötzlich Panikmache ins Spiel.
Es wird um eine Versachlichung des Themas gebeten. Der Bundesverband der Süßwarenindustrie (BDSI), zu denen auch Lindt, Ferrero und Rübezahl zählen, verweist darauf, dass die Süßwarenindustrie gerade dabei sei, die Mineralölbestandteile in Lebensmitteln zu minimieren. Zu solchen Maßnahmen zähle unter anderem
  • der Einsatz von Frischfaser und mineralölfreien Druckfarben,
  • die Verwendung von geeigneten Barrieren.
Und das ist gut so. Gut ist aber auch, dass Initiativen wie Foodwatch weiter bohren. Denn es darf zumindest bezweifelt werden, ob die Süßigkeitenhersteller sonst so schnell reagiert hätten.

Mineralöl? Nicht in Lebensmitteln

  • Große Unternehmen wie Ferrero und Lindt & Sprüngli sind wie viele andere in der Verantwortung, etwas dagegen zu tun. Auf der Facebook-Seite von Kinder Riegel erklärt Ferrero auf Nachfrage von Konsumenten zu den Testergebnissen, dass es sich um ein komplexes Thema handele, bei dem es auch um Zulieferketten, Produktionsverfahren und mineralölhaltige Druckfarben für Zeitungen samt Recyclingsystem gehe.
  • Das schreibt auch Lindt & Sprüngli in einer Stellungnahme. Sie schreiben auch, dass sie zurzeit „zusammen mit der Industrie und Verbänden daran arbeiten, dass beim Transport der Rohstoffe aus den Herkunftsländern eine Spurenübertragung vermieden wird.“
  • Rübezahl bat noch um Aufschub der Stellungnahme.
Süßigkeiten sollte man stets nur in Maßen essen. Doch der bewusste Genuss sollte nicht durch eventuell krebserregende Mineralöle getrübt werden.
Wibke Roth

von

Wenn ich Texte verfasse, erfasse ich die Welt. Wenn ich laufe, erlebe ich sie. Ich arbeite als freischaffende Journalistin und Texterin sowie Fitness-, Reha- und Yoga-Trainerin im Herzen des Ruhrgebiets, oder manchmal auch auf Mallorca.

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