Sugar and me: Teil 3

Heute gibt es Zucker in Joghurt, Erdbeermilch und Chai-Latte

eVivam-Autorin Wibke Roth dachte, ihr Lebensstil sei einigermaßen gesund. Aber dann fand sie heraus, wo sich überall Zucker versteckt.

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Skulpturen aus Zucker

Wir sind, was wir essen: Die Food-Künstlerin Jacqui Kelly hat mit ihren Skulpturen aus Zucker gegen Fettleibigkeit und Folge-Erkrankungen wie Diabetes und Co. in London demonstriert.

Ich bin, was ich esse. Mich als Expertin in Sachen Nahrung zu bezeichnen, wäre mit Blick auf Studiengänge wie Ökotrophologie, Public Health oder Sports-Nutrition vermessen. Doch diese Frage sei bitte auch für Otto-Normal-Verbraucher erlaubt: Warum muss Zucker augenscheinlich auch da in aller Munde sein, wo keiner reingehört?

35 Kilogramm Zucker pro Jahr

Lass dir mal 35 Kilogramm Zucker auf der Zunge zergehen: So viel verbraucht ein Deutscher laut WDR-Recherchen durchschnittlich pro Jahr. Die süßen Kristalle sind vor allem da, wo wir uns keine Zeit zum Selbermachen nehmen: in Fertig-Produkten; so auch in Frucht- und Trinkjoghurts sowie in Milch-Getränken wie Chai-Latte, Lassis, kaltem Kaffee oder Erdbeermilch.
Fruchtjoghurt

Fruchtjoghurts, Joghurt-Drinks und Milch-Getränke können Zuckerbomben sein.

Wie viel Zucker ist verträglich?

Es gibt verträgliche Mengen, also verträglich im Sinne von Lebensmittel- und Verbraucherschutz-Organisationen, und Mengen, bei denen der Sinn von Zucker aufhört: nämlich da, wo der günstige Rohstoff vom Geschmacksträger zum Beschleuniger für Stimmungsschwankungen, Fettleibigkeit und Stoffwechsel-Erkrankungen wird.

Laut Verbraucherschutzzentrale, die sich auf die Food Standard Agency FSA bezieht, sind 12,5 Gramm Zucker pro 100 Gramm Nahrungsmittel schlicht zu viel. Gäbe es hierzulande eine Ampelkennzeichnung für Lebensmittel, leuchtete die rot. Nur zum Vergleich: 5 bis 12,5 Gramm entsprechen immer noch einem mittleren gelb gekennzeichneten und nicht niedrigen Zuckerwert. Produkte bis 5 Gramm Zucker pro 100 Gramm würden grün leuchten: Wenn du vor einem Kühlregal mit Hunderten Fruchtjoghurts stehst, könnte das eine Entscheidungshilfe sein. Vier Gramm Zucker entsprechen ungefähr einem Teelöffel Zucker. Sechs Teelöffel dürfen laut WHO-Empfehlung von dir, vom Koch oder vom Hersteller zugesetztem Zucker pro Tag sein.

Genug Zucker: Fruchtjoghurt und süßer Cappuccino oder eine Erdbeermilch

Auch Hersteller von süßen Joghurts, Milch-Misch-Getränken und Lassis zuckern teilweise zu viel. Beim Blick auf Verpackungsrückseiten einiger Bio-Anbieter habe ich mich gewundert: Ich habe darunter Fruchtjoghurts mit 14 Gramm Zucker pro 100 Gramm entdeckt. Natur, Wiesen und eben auch Bio-Hinweise auf der Verpackung sind augenscheinlich kein Indikator für verträgliche Zuckermaße.
Colavergleich

So ein Haufen Zucker steckt zwar nicht in einer Cola: Wenn du sechs Würfel nimmst, stimmt das aber. So viel Zucker kann ein 150-Gramm-Becher Fruchtjoghurt beinhalten. Peu à peu kann dann so ein Berg entstehen.

Unabhängig von der Herstellweise: Mit einem 150-Gramm-Becher und 21 Gramm zugesetztem Zucker hättest du dann schon fast deine verträgliche Tagesration erreicht. 3 Gramm dürftest du dann noch: ein schwach gefüllter Teelöffel Zucker in deinem Cappuccino zum Beispiel. Oder etwas zynischer könntest du dir direkt eine Erdbeermilch kaufen: Je nach Sorte kannst du mit einer 250-Milliliter-Packung bereits deine Tages-Dosis erreichen. Oder um es noch bitterer zu formulieren: Genehmige dir doch gleich ein Glas Cola.

Vorsicht bei Light- und Fat-free-Produkten

Fett ist bekanntermaßen Geschmacksträger. So kann eine groß platzierte Werbeformulierung in Richtung Fettfreiheit schon mal darüber hinwegtäuschen, dass dafür ja noch mehr Zucker her muss. Denn das Gefühl in deinem Mund muss stimmen. Zucker verleiht Produkten nämlich auch eine bestimmte Konsistenz. Zu den Werbetricks zählen auch die unterschiedlichen Namen für Zucker.

Vorsicht bei Light-und Fat-Free-Produkten: Fehlt der Geschmacksträger Fett, heißt das meist mehr Zucker.

Fruktose-Glukose-Sirup und das Fett

Einer dieser Namen ist Fruktose-Glukose-Sirup. Fett war in Lebensmitteln lange Zeit verpöhnt. Damon Gameau, Filmemacher und mittlerweile Zucker-Experte, schreibt in seinem Buch „Voll verzuckert“: „In den USA fiel die Verteufelung von Fett mit der Entwicklung eines Verfahrens zusammen, durch das sich das Glukosemolekül in Mais in Fruktose umwandeln lässt, deren Süße viel intensiver ist.“ Die Rede ist von Fruktose-Glukose-Sirup.
Fructose_Glukose_Sirup

So sieht Fructose-Glukose-Sirup (Fructose-Corn-Syrup) aus.


Diese recht neue Lebensmittelzutat, die nach Recherchen des Autors in den USA, Ungarn, Kanada, Korea, Japan, Mexiko sowie in geringen Maßen auch hierzulande verbreitet ist, ist jedoch nicht gesünder, weil der Zucker (Fruktose) aus Früchten kommt: Er ist in der Herstellung einfach billiger und die Süßkraft stärker. Fruktose kann jedoch nur über die Leber verstoffwechselt werden. Grob gesagt kann sie sich, wenn sie zu viel davon bekommt, in eine Fettleber verwandeln. Zur Diskussion steht derzeit, ob er eine Art Brand-Beschleuniger für Stoffwechselerkrankungen ist: intensiver als normaler Zucker.
Du musst einen genauen Blick auf die Rückseite der Verpackung werfen, wenn du wissen willst, was in den Lebensmitteln steckt. Codecheck kann dir auf deinem Smartphone schnell einen Überblick liefern. Die Zucker-Empfehlungen basieren ebenso auf den FSA-Angaben. Und du kannst auch selbst aktiv werden und Produktinformationen einstellen.
Wibke Roth

von

Wenn ich Texte verfasse, erfasse ich die Welt. Wenn ich laufe, erlebe ich sie. Ich arbeite als freischaffende Journalistin und Texterin sowie Fitness-, Reha- und Yoga-Trainerin im Herzen des Ruhrgebiets, oder manchmal auch auf Mallorca.

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