Lassen Sie sich nicht veräppeln

Darum ist die Gluten-Hysterie unbegründet!

Immer mehr Menschen verzichten auf glutenhaltige Lebensmittel, dabei leiden nur 0,5 Prozent der Deutschen unter einer nachgewisenen Glutenunverträglichkeit! Ist der Verzicht auf Pizza und Pasta also nur ein Food-Trend oder gar Geschäftemacherei?

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Brot

In den USA ernährt sich bereits ein Drittel der Konsumenten bewusst glutenfrei. Angetrieben von Promis und Foodbloggern gerät das Klebeeiweiß immer mehr in Verruf. Zu Unrecht!

Gluten ist ein Eiweiß, das in den Samen verschiedener Getreidearten vorkommt. Vermengt man glutenhaltiges Mehl mit Wasser, hat es eine klebende Wirkung und bildet so das Teiggerüst für diverse Brot- und Gebäcksorten. Ohne Gluten würden sich Wasser und Mehl nicht zu einer Einheit vermengen und der Teig auseinanderfallen. Gluten sorgt außerdem für die Dehnbarkeit des Teiges und hat somit Auswirkungen auf die Backfähigkeit des Gebäcks. Fertig gebacken, sorgt Gluten außerdem dafür, dass das Gebäck seine Form behält und nicht wieder in sich zusammenfällt. In den vergangenen Jahren ist Weizen in Verruf gekommen und die Nachfrage nach Produkten gestiegen, die kein Gluten enthalten, etwa Cloud-Brot, glutenfreie Pasta, glutenfreie Pizza und allgemein glutenfreies Gebäck und Mehl-Alternativen ... Der Grund dafür ist die Glutenunverträglichkeit, genannt Zöliakie. Doch nimmt die Anzahl der Erkrankten wirklich so rasant zu, oder handelt es sich hierbei um eine Modediagnose?
Bauchschmerzen

Bauchschmerzen, Durchfall und Krämpfe haben nicht zwingend etwas mit dem Verzehr glutenhaltiger Lebensmittel zu tun. Tauchen sie chronisch auf, ist der Besuch eines Arztes empfehlenswert.

Die Symptome einer Glutenunverträglichkeit

Um es direkt vorweg zu nehmen: Natürlich ist die Diagnose Zöliakie per se keine Erfindung. Tatsächlich gibt es Betroffene, bei denen der Genuss von glutenhaltigen Lebensmitteln zu Beschwerden führt. Der Grund dafür liegt im Verdauungsapparat. Bei einer Glutenunverträglichkeit ist der Organismus nämlich nicht in der Lage, die in den glutenhaltigen Lebensmitteln enthaltenen Nährstoffe zu verwerten. Stattdessen reagiert er auf den Genuss von Gluten mit einer chronischen Entzündung der Darmschleimhaut. Zu den Symptomen gehören vor allem Durchfall, Blähungen und Magenkrämpfe. Auch die Hautkrankheit Morbus Duhring, bei der sich Blasen und Quaddeln auf dem ganzen Körper bilden, kann eines der Symptome von Zöliakie sein. Im Falle wiederholt auftretender Symptome sollte nicht eigenmächtig eine Ernährungsumstellung vorgenommen werden, da ohne Beratung Untergewicht droht. Stattdessen solltest du umgehend einen Arzt aufsuchen, der mit dir einen individuellen Ernährungsplan entwickelt, um Mangelerscheinungen vorzubeugen.

Galerie: Versteckt: Diese Lebensmittel enthalten Gluten

Der Markt für glutenfreie Lebensmittel wächst

Offiziellen Zahlen der Deutschen Zöliakie-Gesellschaft zufolge leiden hierzulande gerade einmal 0,5 Prozent aller Konsumenten unter einer Glutenunverträglichkeit. Das steht allerdings in keinem Verhältnis zum Produktwachstum glutenfreier Nahrungsmittel. Wie auch im Falle der laktosefreien Lebensmittel hat sich das Angebot an glutenfreien Produkten in den letzten Jahren vervielfacht. Da derartige Produkte meist teurer sind, ist der Handel mit ihnen für die Hersteller lukrativ. Für den Konsumenten hingegen, der glutenfreie Produkte gar nicht erst benötigt, sind solche Lebensmittel sogar schädlich. In der Regel strapazieren sie nicht nur das Portemonnaie unnötig, sie weisen außerdem weniger Vitamine, Ballaststoffe und mehr Zucker auf als normale Produkte. Mittlerweile sind einige Ärzte sogar der Auffassung, dass glutenfreie Ernährung langfristig das Herz schädigt! Von dem wachsenden Angebot profitieren also neben den Menschen, die wirklich an Glutenunverträglichkeit leiden vor allem die Hersteller.

Fortschritt in der Diagnose sorgt für Hysterie

Anfang der Zweitausenderjahre war es Ärzten in den USA erstmals möglich, mithilfe von speziellen Untersuchungsapparaten hinter die Ursache von Zöliakie zu kommen. Für Betroffene ein Segen – fortan wurde Patienten mit Zöliakie-ähnlichen Symptomen häufig eine glutenfreie Ernährung vorgeschlagen. Belege dafür, dass die Beschwerden der Patienten tatsächlich mit einer Zöliakie zu tun hatten, gibt es bis heute nicht. Stattdessen bringt der Betroffene den Verzicht auf Gluten automatisch mit einer Linderung der Beschwerden in Verbindung, selbst wenn diese wenige Tage später von selbst weggehen, da sie mit einer Glutenunverträglichkeit gar nichts zu tun haben. In der Medizin ist man mittlerweile dazu übergegangen, derartige Behandlungserfolge mit einem neuen Begriff zu versehen: NCGS (= Nicht-Zöliakie-bedingte Glutensensivität). Wer nachgewiesenermaßen nicht an einer chronischen Erkrankung des Verdauungsapparates leidet, trotzdem ähnliche Beschwerden hat und diese nach einer Umstellung auf glutenfreie Ernährung los ist, leidet an NCGS. Eine Erklärung für diesen Effekt gibt es bislang nicht.

Glutenfreie Lebensmittel

Antje Wessels

von

Schreiben ist seit jeher meine große Leidenschaft. Es ermöglicht mir, mein Wissen aus den unterschiedlichsten Lebensbereichen mit dem Leser zu teilen und ihm so regelmäßig neue, faszinierende Erkenntnisse mit auf den Weg zu geben.